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TV-Tipp „Wynonna Earp“: Queere Familienserie mit schrägen Dämonen

Frauenpower, Humor und ein lesbisches Traumpaar: Am 9. Dezember startet Staffel 3 der queeren Mysteryserie „Wynonna Earp“ als Deutschland-Premiere, und wir unterhielten uns mit einer der Hauptdarstellerinnen: Katherine Barrell.

Syfy „WayHaught“ alias Waverly (Dominique Provost-Chalkley, l.) und Nicole (Katherine Barrell)

Von Karin Schupp

8.12.2020 - Auf dem Papier könnte Wynonna Earp nur eine von vielen Mystery-Serien sein, aber dank der Showrunnerin Emily Andras (Lost Girl) ist sie so viel mehr. Die TV-Produzentin machte aus der Comic-Vorlage eine queere Feelgood-Serie mit viel Frauenpower und Humor, in deren Mittelpunkt die Wahlfamilie um Wynonna (Melanie Scrofano), die Ur-Ur-Enkelin des Westernhelden Wyatt Earp, steht - die nebenbei schräge Dämonen jagt.

Das Frauenpaar „WayHaught“ kam im richtigen Moment

Schon in der ersten Staffel (2016) verliebte sich Wynonnas jüngere Schwester Waverly (Dominique Provost-Chalkley) in die lesbische Dorfpolizistin Nicole Haught (Katherine Barrell), eine neu geschaffene Figur, die es im Comic nicht gab.

Und das passierte genau in dem Moment, als in den USA die Bewegung „LGBT Fans Deserve Better“ die vielen lesbischen und bisexuellen TV-Toten der Fernsehsaison anprangerten. Die beiden bekamen noch vor ihrem ersten Kuss den Hashtag #WayHaught (= „way hot“ = schaaaarf), wurden zu einem der beliebtesten Frauenpaare der Seriengeschichte – und durften bis heute überleben.

Erfolgreiche Fan-Aktion #FightForWynonna

Überleben ist insgesamt ein wichtiges Stichwort für Wynonna Earp, denn nach Staffel 3 wäre beinahe Schluss gewesen, weil die Produktionsfirma in finanzielle Schwierigkeiten geraten war. Daraufhin starteten die extrem engagierten (und zu einem hohen Prozentsatz queeren) Fans eine beispiellose und schlagzeilenträchtige Unterstützungsaktion und mieteten vor allem am Times Square in New York, aber auch in Los Angeles über 100 Billboards mit der Botschaft #FightForWynonna. Staffel 4 wurde inzwischen – mit einer längeren Corona-Unterbrechung – gedreht; ob eine weitere Staffel, die ursprünglich ebenfalls schon beauftragt war, realisiert werden kann, ist noch unklar.

„Wynonna Earp“-Stars Varun Saranga und Katherine Barrell

Enge Bande der „Earper-Familie“

Die engen Bande der „Earper-Familie“ waren von Anfang ein wichtiger Teil des Erfolgsrezepts: Andras und ihr Cast pflegen in den Sozialen Medien einen engen Kontakt zu ihren Fans, den Earpers, und kaum eine Serie hat so viel eigene Fan Conventions wie Wynonna Earp: Allein für 2021 sind schon fünf Events in den USA (Earp-A-Palooza, Earp Expo, Earp Division Expo), Kanada (EH Con) und Schottland (Earp Fest) angekündigt.

Besonders treue Gäste sind hier Provost-Chalkley und Barrell, die damit zu den nahbarsten TV-Lesben aller Zeiten gehören. So sprach Provost-Chalkley über ihren langen Weg zu ihrem eigenen queeren Coming Out (K-Word #345), und Barrell (die mit dem Schauspieler Ray Galletti verheiratet ist) sprach öffentlich über ihre Depressionen und eine Angststörung. Aufhänger war die viel beachtete Folge 5 der dritten Staffel (mit Lost Girl-Star Zoie Palmer), in der es um das Thema Depression geht, ohne das so zu benennen.

Davon abgesehen gibt’s in den neuen Folgen (ab 9. Dez. bei Syfy) aber auch wieder viel zu schmunzeln und schmachten. Das neue schwule Familienmitglied Jeremy (Varun Saranga) verliebt sich, wir erfahren mehr über Nicoles Vergangenheit, es gibt ein Wiedersehen mit Fanliebling Mercedes (Dani Kind), sowohl Mama Earp als auch ein weiterer Verwandter tauchen auf - und am Ende gibt's einen ganz besonderen WayHaught-Moment!

Wir hatten die Gelegenheit, einige Fragen an Katherine Barrell zu stellen.

 

Was glaubst du: Was ist das Erfolgsgeheimnis von „WayHaught“?

Katherine Barrell: Ich glaube, sie kamen zu einer Zeit, als wir sie wirklich brauchten. Damals haben wir in den Medien so viele queere Charaktere verloren, es war ein furchtbares Jahr für queere Repräsentation, und WayHaught waren dieser Hoffnungsträger und positive Lichtblick. Unsere Showrunnerin Emily hat solch einen inklusiven und glücklichen Ort geschaffen und außerdem den Fans gesagt: „Ihr müsst euch keine Sorgen machen, ihr könnt dieser Serie vertrauen! Ich will nicht, dass ihr diese Serie seht und befürchtet, dass euren Lieblingscharakteren etwas Schlimmes zustößt.“ Das ist ein Teil des Geheimnisses von Wayhaught, und ein weiterer Teil ist, dass sie dreidimensionale Charaktere sind. Ich bin an Nicole nicht mit dem Gedanken rangegangen: „Oh, ich spiele eine lesbische Figur.“ Sondern ich dachte: „Ich spiele die Dorfpolizistin.“ Darauf habe ich mich fokussiert und nicht darauf, dass Nicole lesbisch ist. Das und dass sie in Waverly verliebt ist, ist nur ein Teil von ihr. Das sind einfach zwei Frauen mit sehr harten Jobs, die sich ineinander verliebt haben.

Du warst schon bei vielen Fan Conventions zu Wyonna Earp und auch bei der LGBTQ-Convention ClexaCon. Wieso sind solche Fan-Events wichtig?

Was ich in den letzten Jahren beobachtet habe: Die Leute kommen nicht wegen uns, sondern wegen einander. Man trifft diese Leute bei Conventions in aller Welt immer und immer wieder, weil sie ihre Freund:innen und ihre Community treffen wollen. Vor allem Menschen aus kleinen Städten oder aus Orten, an denen sie sich nicht akzeptiert fühlen, erleben diese wunderbaren Wochenenden voller Akzeptanz und Liebe und Glück, und vor allem in der queeren Community ist es sehr wichtig, sich gefeiert und respektiert zu fühlen. Und deshalb ist es auch für uns so wichtig zu kommen.

Gibt es etwas in Wynonna Earp, das dir besonders in Erinnerung geblieben ist oder worauf du besonders stolz bist?

Ich bin richtig stolz auf Folge 10 in der 3. Staffel, da geht’s um eine Art Körpertausch, ich bin vom Geist einer jugendlichen Hexe besessen. Ich war sehr nervös, weil ich befürchtete, dass es zu groß und theatralisch werden würde, aber es machte Spaß, und ich konnte unserer Regisseurin April Mullen voll vertrauen.

Hast du eine Rolle, die du gerne mal spielen würdest?

Ich wollte schon immer gerne mal in einem Kostümfilm mitspielen. Ich war mal in Reign, das ist lange her und ich hatte einen furchtbaren britischen Akzent, da würde ich mich gerne rehabilitieren (lacht). Und ich würde gerne eine Superheldin spielen. Das ist mein Traumjob. Mich interessiert vor allem die körperliche Annäherung an diese Rolle, mit Training und so. Vielleicht ein historischer Superheldinnen-Film (lacht). Ich meine, sie haben das mit Wonder Woman gemacht, es ist also möglich! (lacht)

Du hast öffentlich über deine psychischen Probleme gesprochen und damals gesagt, dass du Angst hast, deswegen nicht mehr gecastet zu werden. Gab es solche negativen Reaktionen?

Nicht dass ich wüsste. Aber ich hoffe, dass wir mit dem Thema psychische Gesundheit eine Schwelle überschritten haben. Ich habe das Gefühl, dass mehr darüber gesprochen wird. Alle haben mich sehr unterstützt, ich habe nur positives Feedback bekommen, etwa dass es einfach hilft, eine Person zu sehen, die man bewundert und die über ihre eigenen Probleme spricht. Wir sollten keine Angst davor haben, das weiterhin zu tun. Und ich glaube, wenn Leute nicht mit mir zusammenarbeiten wollen, weil ich offen über meine psychische Gesundheit spreche, dann will ich auch nicht mit ihnen arbeiten.

Was können Produzenten und die Branche bessser machen, um die queere Repräsentation in den Medien zu erhöhen?

Ich finde, am wichtigsten ist, dass die Content Creators queer sind, wir brauchen Leute, die ihre eigenen Geschichten erzählten. Man braucht queere Menschen, die Drehbücher schreiben, produzieren, Regie führen. Das sind die Leute, die die Entscheidungen treffen, nicht wir Schauspieler:innen – wir kommen ja als letzte an Bord. Die Repräsentation muss ganz oben beginnen.

Die dritte Staffel von Wynonna Earp startet am 9. Dezember beim Digitalsender Syfy, am 7. Januar beginnt dort Staffel 4. Die 1. Staffel steht zurzeit bei Amazon und Google Pay, die ersten beiden Staffeln bei iTunes und Sky Ticket/ Sky Go.

 

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