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Viel Wirbel um kein Coming-out

Die „Berliner Erklärung“ gegen Homophobie ist nicht weniger als eine Bankrotterklärung. Ein Kommentar von Manuela Kay

Eine Anbiederung an den unseriösen Mainstream-Boulevard: die „Berliner Erklärung“ gegen Homophobie c: Gudrun Fertig

l-mag.de 18.7. – Historisch sollte sie werden, die Veröffentlichung der „Berliner Erklärung“ gegen Homophobie für Vielfalt, Respekt und Toleranz im Sport. Initiiert von der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld wurde am Mittwoch feierlich eine lange vorbereitete Erklärung zu mehr Toleranz im Sport allgemein und im Fußball im Besonderen vorgestellt. Viel Geheimnis wurde im Vorfeld darum gemacht, so dass die Hoffnung auf konkrete Coming-outs bekannter Sportler oder Sportlerinnen bewusst geschürt wurde.

Doch dafür sei die Zeit noch nicht reif, hieß es. Man begnügte sich mit den üblichen und alles andere als neuen Absichtserklärungen von Vereinen, Verbänden und Politikern das Land und den Sport toleranter gegenüber Homosexuellen Aktive machen zu wollen. Tatsächlich offen sprechende homosexuelle aktive Profisportler und -sportlerinnen treten nach wie vor nicht in Erscheinung. Lediglich Berufs-Gutmenschen und einige Bundesliga-Vereinspräsidenten konnten als Erstunterzeichner der Erklärung präsentiert werden. Sensationen oder gar Historisches blieben aus.

Als Medienpartner für die Aktion suchte man sich ausgerechnet die Sport BILD aus, die es in ihrer aktuellen Ausgabe zum allerersten Mal schaffte – wir schreiben das Jahr 2013! – über Homosexualität und Fußball zu schreiben. Darin finden sich die üblichen Statements „ich habe kein Problem, wenn ein schwuler Spieler sich outen würde“, die nicht neuen Absichtserklärungen des DFB, Coming-outs zu unterstützen, sowie das ewig gleiche „Bisexuellen-Coming-out“-Interview von National-Torhüterin Nadine Angerer, die sagt, wie fast jede Lesbe bemerkt hat, dass es auch „nette Männer“ gibt und somit geschickt um das „L-Wort“ herumlaviert. Der von ihr geforderte Mut homosexueller Spielerinnen und Spielern sieht wohl anders aus.

Nicht weniger als eine Bankrotterklärung

Nicht nur ein Schlag ins Gesicht für all jene, die sich seit Jahrzehnten professionell und niveauvoll mit Homosexualität im Sport befassen und homosexuelle Aktive unterstützen, ist die Verbindung mit der Sport BILD. Es ist auch nicht weniger als eine Bankrotterklärung und unerträgliche Anbiederung an den unseriösen Mainstream-Boulevard. Medien, die noch immer „Schwulen-Parade“ schreiben, wenn sie den CSD meinen und denen mit dieser Partnerschaft wieder einmal die Hoheit über künftige Coming-outs und geschmacklose Enthüllungen gegeben wird.

Flankierend zur „Berliner Erklärung“ gibt es eine Bildungsinitiative der Hirschfeld-Stiftung, denn man hat erkannt, dass nur Aufklärung und Bildung, gerade im Jugendbereich, Homophobie wirksam bekämpfen kann. Leider wurde damit aus „Fußball gegen Homophobie“ das ungleich unkonkrete „Fußball für Vielfalt“ – warum eigentlich? Und dass BILDung und BILD-Zeitung so gar nichts miteinander zu tun haben, wurde leider ebenfalls übersehen.

Übersehen wurde übrigens auch – selbst von der engagierten Moderatorin der Präsentation Kathrin Müller-Hohenstein, sowie den hochkarätigen Rednerinnen und Rednern aus Politik und Sport –, dass derzeit die Frauen-Fußball EM in Schweden mit grob geschätzt 50-prozentiger lesbischer Beteiligung läuft. Das muss man erst mal schaffen in einer zweistündigen Veranstaltung zum Thema Fußball und Homosexualität: eine im gleichen Moment stattfindende Europameisterschaft nicht ein einziges Mal zu erwähnen!

Das wiederum hat man allerdings mit seinem berühmten Medienpartner gemein, denn auch Sport BILD schafft es in ihrer aktuellen Ausgabe, dieses unbedeutende Frauenfußball-Ereignis nicht mit einer Zeile zu würdigen. Und so bekommen dann Initiativen auch die Medienpartner, die sie verdienen. Der Stärkung der homosexuellen Spielerinnen und Spieler dürfte all das allerdings überhaupt nicht helfen.

fussball-fuer-vielfalt.de

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