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Von Tuten und Blasen

Ab heute im Kino: "Kein Zickenfox" heißt die Doku von Dagmar Jäger und Kerstin Polte über das größte Frauenblasorchester der Welt, das in Berlin beheimatet ist. Ein Frauen- und Lesbenfilm über Blasmusik mit Schwung und Humor.

Foto: Dagmar Jäger

Von Uta Zorn

l-mag.de, 17.3.2016 – Ein Film also über Blasmusik, der ganz ohne Humtata auskommt und gleichzeitig ein Frauen- und Lesbenfilm ist. Er beginnt mit distanzierten Blicken auf die Musikerinnen. Man lauscht dem schwungvoll geblasenen Jazzklassiker "Sing Sing Sing". Dazu gibt es Bilder von der Hauptstadt, denn dieses Orchester ist eine Berliner Erfindung. Wie daraus eine Institution wurde, erzählt der Film mit Humor und natürlich viel Musik.

Dagmar Jäger, die Kamerafrau von Kein Zickenfox, begegnete dem Orchester zufällig bei einem Konzert. Die Begeisterung über das, was die Laienmusikerinnen auf die Bühne zauberten, wurde zu einer Idee für einen Film. Zusammen mit Regisseurin Kerstin Polte tauchte sie drei Jahre lang in das Orchesterleben ein und wollte wissen, was das für Frauen sind, die die Vielfalt von 66 Individuen zu einer Einheit werden lassen.

Der Film nimmt uns mit zur wöchentlichen Probe, er zeigt "Smoke on the Water" im Schafstall und skeptische Männerblicke beim Auftritt auf einem fränkischen Dorffest. Und er zoomt hinein in das Leben von neun Musikerinnen: So verrät Astrid, die einzige Profimusikerin und Leiterin des Orchesters, beim Milchaufschäumen in ihrer Küche, dass sie als Kind total unrhythmisch war. Bassklarinette und Saxophon, Maria und Bettina, harmonieren auch als Paar in Kreuzberg. Bei Solveig sitzt die Kamera auf dem Beifahrersitz. Sie ist mit ihrem Horn auf dem Weg zu einem großen Auftritt: dem Konzert in der Berliner Philharmonie.

Auf diesen Höhepunkt steuert der Film zu. Die Proben und die individuellen Vorbereitungen, die Aufregung kurz vor dem Auftritt in den Gängen der Philharmonie machen das Lampenfieber spürbar. Die Aufführung des "Palladio" von Karl Jenkins, ursprünglich für Streichorchester komponiert und von Astrid Graf neu für ihre Bläserinnen arrangiert, lässt ein begeistertes Publikum und eine zufriedene Dirigentin zurück - das finale Furioso nach knapp 70 Minuten Dokumentation, die erzählerisch dicht und handwerklich gelungen ist.

Kein Zickenfox, Deutschland 2016, von Dagmar Jäger & Kerstin Polte, 69 min., ab 17. März in ausgewählten Kinos, die Termine stehen hier.

Lest das Interview mit Dagmar Jäger und Kerstin Polte auf unserer Schwester-Seite Siegessäule.de.

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