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Vorerst kein Gedenkort für lesbische KZ-Opfer in Ravensbrück

Die Entscheidung über einen Gedenkort für lesbische Insassinnen im Konzentrationslager Ravensbrück wurde verschoben. Schwule NS-Opfervertreter sind dagegen: Damit würde die "Legende einer Lesbenverfolgung" geschaffen. Die Diskussion geht weiter.

Susanne Kuntz 2015 wurde zum 70. Jahrestag der Befreiung von Ravensbrück eine Gedenkkugel niedergelegt. Die Gedenkstättenleitung entfernte sie aber wieder, weil sie nicht offiziell genehmigt war

Von Isabel Lerch

l-mag.de, 8.5.2017 – Die lange Debatte über ein Denkmal für lesbische KZ-Insassinnen im ehemaligen Frauenkonzentrationslager in Ravensbrück geht weiter. Die Entscheidung über eine geplante Gedenkkugel wurde erneut verschoben.

Für die Initiatorinnen bestand Hoffnung: am letzten Freitag sollte erneut über ihren Antrag zur Installation einer Gedenkkugel für die ermordeten und verfolgten Lesben im ehemaligen Frauenkonzentrationslager Ravensbrück entschieden werden. Der neue Termin sollte eine endgültige Entscheidung bringen – doch jetzt wurde die Entscheidung ein weiteres Mal verschoben.

Damit bleibt unklar, ob Ravensbrück bald zu einem Gedenkort für Lesben werden wird. Bereits zuvor hatten die Gremien der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten eine Entscheidung zurückgestellt. Im vergangenen Herbst gab es in den Sitzungen des Internationalen Beirats und der zuständigen Fachkommission sehr kontroverse Diskussionen.

Idee für Denkmal in Ravensbrück ist schon alt - und umstritten

Die Idee eines Denkmals für lesbische KZ-Insassen in Ravensbrück ist nicht neu: Bereits seit den 80er Jahren bemühen sich Aktivistinnen, Historikerinnen und Lesbengruppen und -organisationen dort um einen Gedenkort. So setzt sich die deutsch-österreichische Initiative „Autonome feministische FrauenLesben aus Deutschland und Österreich“ seit Langem dafür ein, jene geplante Gedenkkugel auf dem Gelände der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück zu installieren.

Ihnen gegenüber stehen vehemente Kritiker wie der Vertreter der Opfergruppe der Homosexuellen im Beirat, Alexander Zinn. Obwohl er in einer Stellungnahme schreibt, dass „die NS-Machthaber auch die weibliche Homosexualität ablehnten“, ist er gegen das Projekt. Seine Begründung: Der Wunsch nach einem sichtbaren Zeichen des Gedenkens an lesbische Frauen würde die „Legende einer Lesbenverfolgung“ schaffen. Diese würde sich auf „zweifelhafte Einzelfälle“ stützen und sei daher „unseriös“.

Brandenburgs Frauenministerin setzt sich für Gedenkort ein

Unterstützung erfährt das Projekt von politischer Seite: Vor ein paar Wochen forderte Diana Golze (Linke), Frauenministerin in Brandenburg (dort liegt Ravensbrück), einen Gedenkort für Lesben, die in Konzentrationslagern der Nazis ums Leben kamen: „Für lesbische Frauen und Mädchen brauchen wir einen Raum für Trauer und Erinnerungen", sagte sie.

Anlass dafür war ein im April in Ravensbrück stattfindendes Symposium bei dem über Identitätspolitik, Gedenken und schwul-lesbische Erinnerungskulturen diskutiert wurde. Dort wurde das Projekt einer Gedenkkugel auch offiziell vorgestellt.

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