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Wenn der Bodyscan am Flughafen zum Problem wird - Tipps für gender-nonkonforme Reisende

Menschen, deren Aussehen nicht mit dem im Ausweis angegebenen Geschlecht übereinstimmt - seien sie trans, butch oder genderqueer - kennen das: An Flughäfen und anderswo auf Reisen kann’s Probleme geben. Wir geben Tipps für einen stressfreien Urlaub!

Mantas Hesthaven/ Unsplash

Von Inge Turelinckx

7.3.19 - Bei einem meiner ersten Überseeflüge habe ich versehentlich einen jungen Security-Mitarbeiter fast zu Tode erschreckt. Nachdem mich der Metalldetektor als potenziell gefährliche Person gemeldet hatte, winkte er mich rüber, um mich abzutasten. Als er meine Brust erreicht hatte und sie locker abklopfte, änderte sich der Blick in seinen Augen von selbstsicher über verwirrt bis hin zu blanker Angst. Hatte er etwa einen weiblichen Körper untersucht?

Damals wusste ich nicht, dass man immer von jemandem desselben Geschlechts kontrolliert wird, und es passiert mir oft, dass die Mitarbeiter mich aussuchen lassen, wer mich abtastet – wahrscheinlich, weil sie es nicht wissen.

Misgendering*

Egal in welches Land du reist: Misgendering gibt es überall. Je nachdem wie du aussiehst, wirst du beurteilt und gelabelt. Das machen wir alle. Deshalb ist es sehr wichtig zu lernen, damit umzugehen und die entsprechenden Reaktionen darauf parat zu haben. Wenn ihr eine Hormontherapie macht und eine Operation hattet, solltet ihr Unterlagen dabei haben, die erklären, wieso euer Aussehen nicht der Geschlechtsangabe in ihrem Pass entspricht.

* Die falsche Anrede, das falsche Pronomen oder falsche Geschlecht für eine Person verwenden.

 

Flughäfen

Sicherheitskontrolle: Die Security-Angestellten müssen euch erklären, was sie tun, bevor sie es tun. Niemand darf euch ohne Vorankündigung anfassen. Wenn ihr mit der Person, die euch kontrolliert, nicht einverstanden seid, dann sagt es. Ihr dürft selbst wählen, wer euch abtastet.

In den Europa, USA, Kanada und Australien darf zudem nicht verlangt werden, Binders (zum Abbinden der Brüste), Brust- und andere Prothesen zu zeigen oder abzunehmen.

Der Bodyscan in den USA stellt für viele Trans und Genderqueers ein ernsthaftes Problem dar. Die Security-Mitarbeiter müssen je nach Geschlecht einen blauen oder rosa Knopf drücken, und wenn man dem falschen Geschlecht zugeordnet wird, wird der Scanner "Anomalitäten", meist in der Brust und Unterleibsgegend, anzeigen. Haltet gegebenenfalls eure "Gender Card" (s. unten) bereit.

Handgepäck: Medikamente und prosthetische Gegenstände, die ihr während des Flugs nicht braucht, solltet ihr lieber einchecken. Spritzen und Fläschchen mit Medikamenten dürft ihr nur dann mit in die Kabine nehmen, wenn sie dort medizinisch notwendig sind. Bringt also das ärztliche Rezept mit, damit sie euch nicht weggenommen werden.

Diese Regeln gelten in allen Flughäfen in den USA und Europa. In anderen Ländern kann es anders zugehen, und vor allem wenn es keine offiziellen Regeln gibt, können die Angestellten tun, was immer sie wollen. Eine ärztliche Verordnung könnte euch aber auch hier retten.

Aufgegebenes Gepäck: Wenn im Koffer etwas vibriert, wird er kontrolliert und möglicherweise nicht mitgenommen. Am besten ist es also, alle Batterien aus Rasierern und anderen vibrierenden Geräten zu entfernen.

Wie man unbeschadet durch die Flughafen-Security kommt:

- Ruhig und höflich bleiben!

- USA: Wer Prothesen trägt, sollte vor dem Body Scan seine/ ihre TSA Card vorzeigen. Im Rest der Welt, in dem es keine TSA Card gibt, könnt ihr selbst eine Karte herstellen oder die US-Version ausdrucken.

- Unterstellt nicht, dass euch jemand piesacken will. Die meisten Flughafen-Angestellten wollen einfach nur ihre Arbeit gut machen.

- Wenn ihr aber mit einem Mitarbeiter nicht einverststanden seid oder euch jemand piesackt, bleibt ruhig und verlangt nach dem/ der Vorgesetzten. Das ist euer Recht!

- Metallgegenstände sind auf Flügen unerwünscht. Deshalb ist es nicht ratsam, Prothesen mit Metallteilen zu tragen. Wenn doch, dann solltet ihr ein ärztliches Rezept oder ein Dokument mitbringen, das den Gegenstand erklärt. Das ist keine Pflicht, aber es könnte den Gang durch die Security vereinfachen.

- Jegliche Beschwerden solltet ihr dokumentieren und später melden.

 

Reisedokumente

Wenn das physische Geschlecht nicht mit den offiziellen Dokumenten übereinstimmt, kann es auf Reisen schwierig werden.

Die meisten westlichen Länder Europas, die USA und Kanada sind hier aufgeschlossen und machen keine Probleme. Wenn ihr trans seid, und ein Dokument über eure Transition habt, dann solltet ihr das auf jeden Fall mitnehmen.

Einige Länder bieten in offiziellen Dokumenten die Option eines „dritten Geschlechts“ an. Das könnte euch auf Reisen aber auch Probleme bereiten, denn nicht jedes Land ist so offen wie euer Heimatland. Ihr solltet euer Reiseziel vorab unbedingt dahingehend checken.

 

„Gender Cards“ und Reisepässe:

Abgesehen von eurem Ausweis/ Reisepass werden anderen Dokumente, die euer Geschlecht/ Gender bestätigen, nicht offiziell anerkannt. Sie können aber nützlich sein, um andere Menschen zu informieren, und euch die Sache erleichtern, ohne dass ihr jedes Mal eure Lebensgeschichte erzählen müsst.

Eine „Gender Card“ gibt üblicherweise Informationen über euer Geschlecht/ Gender und erklärt den Grund, weshalb eurer physisches Geschlecht nicht komplett mit eurem offiziellen Geschlecht übereinstimmt.

In manchen Ländern, zum Beispiel Belgien, könnt ihr etwa einen „Gender Pass“ beantragen. Wenn ihr andere Möglichkeiten kennt, dann lasst es uns gerne wissen. 

 

Öffentliche Toiletten

Der Besuch einer öffentlichen Toilette ist für genderqueere Personen ein alltägliches Ärgernis. Diesem Thema haben wir in unserem Blog ein ganzes Kapitel gewidmet.

Bisher war „Refuge Restrooms“ eine gute Empfehlung, um gender-neutrale Toiletten in der ganzen Welt zu finden. Aber leider scheinen die App und die Webseite nicht mehr aktualisiert zu werden. Es wäre toll, wenn jemand eine neue App entwickeln oder die bestehende updaten würde! 

Es gibt also noch viel zu tun, um die Welt für trans und gender-nonconforming Reisende angenehmer zu gestalten. Lasst euch dadurch trotzdem nicht aufhalten, die Welt zu erobern!

Inge stammt aus Belgien und betreibt mit ihrer Freundin Lobke den lesbischen Reiseblog Only Once Today (in englischer und holländischer Sprache).

Übersetzung: Karin Schupp

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