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Wie Tinder – nur ohne nervige Heteros: Dating-App HER jetzt auch in deutscher Version

Es wird zwar nicht immer eine Beziehung draus, aber Freundschaften oder mal eine aufregende Nacht springen allemal raus: HER, die internationale Dating-App für queere Frauen, erweitert ihr Angebot für die deutsche Community. Wir haben sie getestet.

Canva

Von Julia Vorkefeld

6.12.2020 - Auf dem queeren Dating-App-Markt gibt es nicht viele Apps, die sich zeitgemäß an die FLINT- (= cis Frauen, Lesben, inter, nichtbinäre und trans Menschen) Community richtet. Für Lesben gab es nach der fast schon prähistorisch anmutenden Online-Plattform Lesarion, an die sich einige Dinosaurierinnen vielleicht noch dunkel erinnern können, nur wenig (siehe unten). Auch wenn sich seit den 2000ern viel getan hat in der digitalen Dating-Welt, ist die Dating-App HER daher ein einzigartiges Produkt, wenn auch keine Neuheit mehr.

Das Gefühl, Teil einer großen globalen Familie zu sein

Vor zwei Jahren habe ich das letzte Mal durch die „weltweit größte Dating-App für queere Frauen*“ (Selbstbezeichnung) gewischt und schon damals sehr die Internationalität der App genossen: zu sehen, wie es queeren Menschen aus anderen Teilen Europas geht und was sonst noch so los ist auf dem Globus - das gab mir das Gefühl, Teil einer großen globalen Familie zu sein.

Jetzt gibt es einen Relaunch für Deutschland bzw. eine Erweiterung der Angebote für die deutsche Community, so dass die User*innen nun auch hierzulande an lokalen Events teilnehmen können und dafür nicht mehr nach England reisen müssen. Ich habe mir die geupdatete Version der App für L-MAG neu runtergeladen und angesehen.

Einfach, schnell eingerichtet und übersichtlich

Neu ist, dass es die App nun auch in deutscher Sprache gibt. Ansonsten ist alles beim Altem. Die App ist einfach zu benutzen, schnell eingerichtet und übersichtlich. Es macht Spaß durch die Profile zu swipen. Optisch und von der reinen Funktionsweise ist die App aufgebaut ähnlich wie Tinder: Fotos können entweder nach links für „No“ oder rechts für „Go“ geswipt werden. Ebenfalls wie bei Tinder kann die Userin auf den jeweiligen Profil-Fotos die Selbstdefinition der jeweiligen Person und die Entfernung zu ihr.

Im oberen Teil der App ist auch zu sehen, wer gerade online und bereit zum Chatten ist. In den Voreinstellungen für die Suchkriterien kann das Alter und die Entfernung begrenzt werden. Bis hierhin ist die App kostenfrei. 

Premiumfunktionen kosten extra

Wer aber seine Suchangaben präzisieren möchte, etwa mit Angaben zur Geschlechtsidentität, sexuellen Identität, Pronomen, Beziehungsstatus, Größe, Beziehungsform-Wunsch, Religion, Ernährung, politische Ansichten, Sternzeichen, Haustiere, ob geraucht oder gekifft wird und ob es Familienpräferenzen gibt, muss in die Tasche greifen, und das ist nicht ganz preiswert: Der so genannte Premium-Filter kostet 14,99 Euro/ Monat bzw. 8,24 Euro/ Monat bei einem Jahres-Abo. Das gilt aber nur für die Suchkriterien! Im eigenen Profil können diese Angaben kostenlos gemacht werden.

HER

Es gibt Spielereien wie die Pride Pins, das sind digitale Anstecker, mit denen sich die User*in zum Beispiel als Dyke oder Butch oder Andro schmücken kann.

Ein cooles Profil braucht kein teures Boosting

Wie bei Tinder - nur ohne nervige Heteros - kann das eigene Profil geboostet werden: der Algorithmus macht das Profil sichtbarer und verschiebt es in der Suchmaschine in die oberen Plätze der App. Das kostet natürlich extra: Ein Boost kostet 6,99 Euro, 5 Boosts 16,99 Euro. Das ist eine nette Zusatzfunktion, aber mal ehrlich, wer braucht das schon wirklich? Wer ein cooles Profil erstellt wird keine Probleme haben, Matches zu bekommen.

Nach der Installierung hatte ich schon nach fünf Minuten einen Like, ohne dabei ein Foto von mir hochgeladen zu haben. Singles gibt es genug da draußen - oder einfach Leute, die sich connecten wollen.

Dating-Events in Deutschland lassen noch auf sich warten

Ansonsten gibt es bei HER noch einen FEED mit Interessensgruppen wie „Reisen und Leben“, „Auf der Suche“, „Aktivismus“ oder „Transfrauen“ und viele mehr. Wer sich einer Gruppe bzw. Community anschließt, kann sich dann innerhalb dieser Community austauschen und connecten.

Nun zu den viel beworbenen lokalen Dating-Events, die die Entwickler*innen so gerne vermarkten. Die Events - Filmabende oder Online-Speeddating – sind toll, werden aber nach wie vor nur in England veranstaltet.

Momentan ist das unerheblich, da die Events nur online stattfinden und wir Germany gerade sowieso schlecht verlassen können, aber Corona wird irgendwann vorbei sein, und die Software wirbt mit lokalen Events, die ich bisher nicht finden konnte.

Niemand bleibt hier lange alleine

Mein Fazit: HER ist nach wie vor eine gute Dating-App für die queere Community, das große Plus ist die einfach Handhabe und die Internationalität - das war aber auch schon vor zwei Jahren so. Wer sein Englisch aufpolieren will, wird hier die Möglichkeit dazu haben und dabei interessante Menschen aus der queeren Community mit ganz unterschiedlichen Backgrounds und Identitäten kennen lernen.

Die App ist auf jeden Fall ein Safe Space, bringt Spaß und interessante Kontakte. Auch wenn das mit den lokalen Events noch ein bisschen hapert, sollte das kein Grund sein, sie nicht zu nutzen. Niemand bleibt hier lange alleine, es wird zwar nicht immer eine Beziehung daraus, aber Freundschaften, gute Gespräche oder mal eine aufregende Nacht mit einer interessanten Person ist auch viel wert und macht Spaß. Und Spaß sollte jede*, die datet, vor allem haben.

Die App HER gibt's im App Store and bei Google Play, mehr Informationen auf der Webseite Weareher

 

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