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Wird Barbie jetzt genderneutral?

Mattel verkauft neuerdings geschlechtsneutrale Puppen, damit Kinder „die Welt ohne Regeln oder entlang bestimmter Rollenvorgaben unvoreingenommen für sich entdecken“ können. Vorbildlich! Aber läutet der Barbie-Hersteller damit wirklich neue Zeiten ein?

Mattel Ob die geschlechtsneutralen (und namenlosen) „Creatable World“-Puppen von Mattel die gleichen Chancen bekommen wie die „Regenbogen-Königreich Barbie“?

Von Karin Schupp

7.10.2019 - Seit Jahrzehnten ist die Barbie das Feindbild der Feminstinnen: Mit den Maßen eines magersüchtigen Models mit unnatürlich langen Beinen und Füßen, verkörpert sie ein traditionelles Frauenbild, das jenseits männlicher Wunschvorstellungen weder erreichbar noch erstrebenswert ist.

Daran hat sich erschreckend wenig geändert, auch wenn es die Plastikpuppe, die in diesem Jahr ihren 60. Geburtstag feierte, mittlerweile auch in anderen Körpergrößen und –formen (und Hautfarben) gibt, sie nicht nur im Glitzeroutfit und Bikini, sondern auch als Ärztin, Astronautin und Präsidentschaftskandidatin gekleidet sein durfte und echte queere Vorbilder wie Fußballstar Abby Wambach, Box-Olympiasiegerin Nicola Adams und Malerin Frida Kahlo in Plastik verewigt wurden.

Doch die kurvigeren Puppen, die 2016 mit dem Hashtag #TheDollEvolves (=die Puppe entwickelt sich) auf den Markt kamen, die Promis-Barbies oder die aktuelle „Jubiläumspuppe“ (Journalistin, Fußballerin, Feuerwehrfrau) in verschiedenen Köperformen waren und sind nur einmalige Stippvisiten in der Realität und wurden nie zum neuen Standard, sondern waren immer nur eine limitierte Sonderedition oder nicht aktiv beworbene Nebenlinie, sodass sie letztlich als PR-Aktionen verhallten.

Puppen ohne geschlechtliche Rollenvorgaben

Es wird spannend, welche Zukunft die neue genderneutrale „Creatable World“-Linie haben wird. Die sechs neuen Puppen, die der Hersteller Mattel Ende September vorstellte, haben keine Wespentaille und können mit zwei Perücken – kurz und lang –, unterschiedlichen Outfits und Accessoires zu geschlechtskonformen und -nichtkonformen Mädchen und Jungen oder auch zu nonbinären Personen gestaltet werden.

„Wir fanden, es ist an der Zeit, eine Puppenlinie ganz ohne geschlechtliche Rollenvorgaben zu entwerfen“, sagt Kim Culmone, Senior Vice President fürs Puppendesign, in der Pressemitteilung von Mattel. „Die Puppenlinie soll es allen Kindern ermöglichen, sich frei auszudrücken. Wir hoffen, dass mit Creatable World auch Erwachsene erkennen, dass Kinder von dem Spiel mit individualisierbaren Puppen profitieren können, indem sie die Welt ohne Regeln oder entlang bestimmter Rollenvorgaben unvoreingenommen für sich entdecken können.“

Damit appelliert Culmone direkt an die erwachsene Kundschaft, die die rund 39 Euro teuren Sets ja kaufen muss. Und tatsächlich wird wohl der Geldbeutel entscheiden, ob die Unisex-Puppen – die ausdrücklich nicht als Barbies bezeichnet werden, ihre dünnen Schwestern also keineswegs ersetzen – nicht doch nur Saisonware bleiben.

Auf der anderen Regalseite: Weiterhin rollenstereotype Barbies

Im offiziellen Mattel-Shop oder bei Online-Anbietern wie Amazon werden weiterhin in der ersten Reihe die „Regenbogen-Königreich Barbie“ für 19,99 Euro und die „Barbie Wellen- und Lockenspaß“ für 29,99 Euro – also zudem deutlich günstiger - angeboten, während man nach den namenlosen Creatable World-Puppen gezielt suchen muss. Wie groß da wohl die Entscheidungsfreiheit ist?

Solange Mattel auf der anderen Regalseite Rollenstereotype und bedenkliche Körperbilder weiterleben lässt, lässt sich der Verdacht nicht ausräumen, dass man sich nur an einen aktuellen „Trend“ dranhängt, um ein paar Milliönchen mitzunehmen. Schade, denn der zweitgrößte Spielehersteller der Welt hätte es durchaus in der Hand, der Rosa/ Blau- bzw. Glitzer/ Camouflage-Unterteilung in den Kinderzimmern ein Ende zu setzen.

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