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Wieviel „Normalität“ muss sein?

Franziska und Anne wohnen mit ihren Töchtern Elisa und Lara in einer WG in Kreuzberg – und suchen nach neuen Wegen ...

Franziska und Anne mit Elisa und Lara, Foto: Tania Witte

l-mag.de 22.02. – Eine WG mit riesiger Wohnküche mitten in Kreuzberg. Zweieinhalb der viereinhalb Zimmer teilen sich Illustratorin Franziska (37), Texterin Anna (31) und die gemeinsamen Töchter Elisa (2) und Lara (8 Monate). Die anderen beiden Räume bewohnen zwei Freundinnen. Kinder in einer WG großzuziehen – eine politische Entscheidung? „Klar, aber wir haben da auch sehr an uns gedacht“, lächelt Anna. „Wir haben beide in tollen WGs gelebt, als wir uns entschieden haben, das Kinderthema anzugehen. Und da der Gedanke an ein klassisches Kleinfamilienleben bei uns beiden Klaustrophobie auslöst, lag es nahe, einen anderen Weg zu finden.“ Und der ist unkonventionell, aber beglückend – alle in der WG haben sich bewusst für ein Leben mit Kindern entschieden und es scheint zu funktionieren. Einen Bezugsvater haben Elisa und Lara nicht, wenngleich sich ihre Mütter einen anwesenden Vater gewünscht hätten. „Der einzige, mit dem wir uns das wirklich vorstellen konnten, hat nach längerem Abwägen festgestellt, dass es für ihn nicht der richtige Zeitpunkt ist“, bedauern beide.

Da die Ärztekammer just zu dieser Zeit entschieden hatte, dass es ethisch nicht verantwortbar sei, unverheiratete Frauen zu inseminieren und ÄrztInnen, die es dennoch taten, mit dem Entzug der Approbation drohte, mussten die Ersparnisse zusammengekratzt und das nahe Ausland bemüht werden. „Wir mussten beide zur gleichen Zeit frei nehmen, ungefähr um den Eisprung herum ein Auto mieten, nach Dänemark fahren, dort übernachten und am nächsten Morgen ganz entspannt ein Kind zeugen.“ Franziska lacht bei der Erinnerung an diese logistische Herausforderung. Geklappt hat es trotzdem, erst wurde Anna mit Elisa schwanger, etwa zwei Jahre später brachte Franziska Lara zur Welt. Die beiden Mädchen haben zwar unterschiedliche biologische Mütter, aber denselben Vater.

Das Leben des Paares, das so gar nicht auf Pärchenverhalten steht, hat sich mit den beiden Töchtern komplett geändert. 2011 haben sie sich, entgegen ihrer Überzeugung, verpartnert, um ihre jeweils nicht biologische Tochter adoptieren zu können. Dass beide Frauen Freiberuflerinnen sind, machte auch Nachnamensdiskussionen deutlich brisanter. Letzten Endes haben sie sich auch hier entgegen der eigenen Überzeugung für einen Namen und einen Doppelnamen und damit zugunsten der Kinder entschieden. „Wir können ja nicht davon ausgehen, immer in Kreuzberg zu wohnen und anderswo ist eben üblich, dass Geschwister denselben Namen tragen. Wir dachten, es wäre schöner für die Kinder, wenn sie in bestimmten Kontexten gleich als Geschwister wahrgenommen werden“, sagt Anna. Entscheidungen für Menschen zu treffen, die noch nicht nach ihrer Meinung gefragt werden können, ist ein ständiger Balanceakt, findet Franziska und baut weiter mit Elisa an der Murmelbahn, die vornehmlich aus Sackgassen besteht. „Wir stehen immer vor der Frage: Wie viele Zugeständnisse an die Gewohnheiten anderer machen wir? Und, viel wichtiger: Wie viel ‚Normalität’ gestehen wir unseren Kindern zu?“ Wege aus der Normativität suchen die beiden Kreativen auch beruflich – gerade arbeiten sie gemeinsam an einem alternativen Aufklärungsbuch. Mit etwas Glück finden sie in dem Chaos, das mit Kindern zwangsläufig herrscht, die Zeit und stellen das Schmuckstück fertig, bevor die Fragen allzu bohrend werden.
Tania Witte

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