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Litfest homochrom geht in die zweite Runde

Vom 07.-10.07.2022, also um einen Tag länger als im Vorjahr, findet das große hybride Festival für deutschsprachige queere Literatur, das 2. Litfest homochrom, an mehreren Orten in Köln statt. Die Lesungen entführen das Publikum auf die griechische Mamma-Mia-Urlaubsinsel Skopelos, zum Womyn’s Music Festival in Michigan, ins abgeschottete Nordkorea und sogar in die kosmischen Sphären der ISS. Und damit jede*r teilnehmen kann, ist der Eintritt sogar frei, wobei der Verein um Spenden für zukünftige Projekte bittet.

Das 2. Litfest gibt es auch wieder online zu sehen

Keine Sorge, wer es an dem Wochenende nach dem ColognePride nicht (wieder) in die Domstadt schafft, der kann abermals den Großteil der 36 Lesungen, Publikumsgespräche sowie die beiden Podiumsdiskussionen hinterher als Video oder Podcast bequem von unterwegs oder zuhause genießen (wie übrigens auch die Lesungen von 2021, darunter z.B. Mirjam Müntefering, z.B. auf Youtube oder Spotify). Wer die Texte lieber selbst lesen möchte, kann pünktlich zum Festival die Anthologie „Queeres entdecken 2“ bestellen, die einen großen Teil der Beiträge sowie alle bisher unveröffentlichten vereint. Doch nur vor Ort in Köln gibt es die Möglichkeit, bei den Publikumspreisen mitzustimmen und die Autor*innen persönlich kennen zu lernen.

Autorinnen und lesbische Themen

Aus weiblich-lesbischer Sicht ist das 2. Litfest homochrom recht vielseitig, sind doch von den drei Dutzend Teilnehmer*innen, die aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, den Niederlanden sowie Schweden kommen, gut zwei Drittel weiblich. Sogar aus dem erst im letzten Jahr posthum erschienenen Roman „Die Unzertrennlichen“ von Simone de Beauvoir wird gelesen (nur vor Ort) und auch männliche Autoren schreiben über lesbische Themen, wie zum Beispiel Andreas Stichmann mit seinem dritten Roman „Eine Liebe in Pjöngjang“, für den er selbst nach Nordkorea gereist ist. Umgekehrt schreiben allerdings auch so manche Autorinnen über schwule Protagonisten.

Abgesehen von de Beauvoir lesen alle Schriftsteller*innen ihre eigenen Texte, ob Romanauszüge, Kurzgeschichten oder Monologe, ob unveröffentlichte Neulinge oder mehrfach Verlegte. Sie decken sogar sämtliche Buchstaben des LSBTIAQ-Spektrums ab. Neben den beiden frisch erschienenen lesbischen Debütromanen von Ursula Knoll (»Lektionen in dunkler Materie«, Edition Atelier) und Anne Schelzig (»Nicht die Liebe macht blind, sondern die Sehnsucht danach«, Querverlag) stellen auch die Selfpublisherinnen Emilia Grace und Saskia Rönspies ihre Bücher vor. Außerdem sind mit Hanna Bertini, Lena Richter Melanie Vogltanz oder Sina Vogt zahlreiche Kurzgeschichtenschreiberinnen vertreten.

Einen tieferen Blick wagen

In den beiden Podiumsdiskussionen vertieft das 2. Litfest homochrom das Gespräch über zwei spannende Themen: zum einen Jugendliteratur am Eröffnungsabend, zum anderen am frühen Samstagabend die Akzeptanz queerer Menschen im christlichen Glauben, insbesondere dem Katholizismus, was zusätzlich in zwei Sachbüchern vorgestellt wird: »Katholisch und Queer« sowie »Out in Church«, das zur Aufsehen erregenden Kampagne gehört, bei der sich Anfang des Jahres 100 Christ*innen geoutet haben.

Wie ihr seht, bietet das 2. Litfest homochrom ein vielseitiges Programm und eine der seltenen Gelegenheiten, die Autor*innen persönlich zu erleben sowie queere Literatur geballt und in sämtlichen Facetten kennen zu lernen – auch jenseits der weiblich-lesbischen Texte. So wird die bebilderte Lesung der ausgezeichneten Graphic Novel „Parallel“ von Matthias Lehmann über schwules Leben im Nachkriegsdeutschland auf der Leinwand des Hauptfestivalorts, dem Filmforum im Museum Ludwig, ein besonders eindrucksvoller Höhepunkt sein.

Das gesamte Programm ist auf der Webseite des Vereins unter homochrom.de/litfest aufgelistet und kann sich wirklich sehen lassen. Wer zu stöbern beginnt, wird sicherlich einiges Ansprechendes entdecken und dabei sein oder es später abrufen wollen.

Das 2. Litfest homochrom wird zwar von der Kunststiftung NRW sowie dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert, doch mit einer Spende könnt auch ihr könnt den gemeinnützigen homochrom e.V. unterstützen, damit es im nächsten Jahr eine weitere Ausgabe des ziemlich einmaligen Litfest homochrom gibt.


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