Förderung für queeres Jugendnetzwerk Lambda gestrichen
Die Bildungs- und Jugendministerin Karin Prien (CDU) streicht die gesamte Förderung des Jugendnetzwerks Lambda e. V. zum Jahresende. In einem offenen Brief appelliert ein breites Bündnis an das Bundesministerin, die Kündigung zurückzunehmen.
Lambda e.V. Von Paula Balov
21.7.2026 - Das Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) hat vor wenigen Tagen eine Rahmenvereinbarung mit dem Jugendnetzwerk Lambda e. V. zum Jahresende aufgekündigt. Das teilte der Verband letzte Woche in einer Pressemitteilung mit. Das Jugendnetzwerk kämpft nun um eine Weiterförderung.
Die Nachricht über die Kündigung sei überraschend gewesen, „denn die Sachberichte der vergangenen Jahre wurden ohne Beanstandungen geprüft. Unsere Arbeit wurde immer wieder fachlich anerkannt und gelobt“, schreibt der Vorstand.
Seit der Gründung im Jahr 1990 in Ost-Berlin konnte sich Lambda über 36 Jahre zu einer bundesweiten zentralen Anlaufstelle und Selbstorganisation wachsen „für queere junge Menschen, die sich engagieren möchten, Gemeinschaft suchen und hier einen Ort finden, an dem sie einfach sie selbst sein können“, schreibt der Verein. Bislang wurde die Jugendverbandsarbeit durch Mittel aus dem Kinder- und Jugendplan des Bundes mitfinanziert.
Zum Angebot des Jugendnetzwerks zählen Programme und Formate in den Bereichen Beratung, Bildung, Empowerment und Interessenvertretung. Eines der jüngeren Projekte des Netzwerks ist das digitale Jugendzentrum „lambda space“, um auch jene Jugendlichen zu erreichen, die keine lokalen queeren Treffpunkte haben.
Ein „alarmierendes Signal“
Das Jugendnetzwerk befürchtet, dass durch die Streichung der Fördergelder diese Angebote vor dem Aus stehen und die Einsamkeit unter LGBTIQ*-Jugendlichen zunehmen werde, „besonders in ländlichen und strukturschwachen Regionen, in denen es keine dauerhaften Angebote vor Ort gibt“. Vor dem Hintergrund steigender Queerfeindlichkeit sei die Streichung „ein alarmierendes Signal“.
Dazu führt der Verband aus: „Wir werden gezwungen, unsere Tür am Ende des Jahres zu schließen. Und damit genau die Jugendlichen allein zu lassen, die besonders stark von Einsamkeit, psychischen Belastungen und Diskriminierung betroffen sind. Jugendliche, für die unsere Angebote überlebenswichtig sein können.“
Das Jugendnetzwerk Lambda e. V. richtet sich in einem offenen Brief an Bundesministerin Karin Prien und die Abgeordneten des Deutschen Bundestages. Der Verband fordert Prien auf, die Kündigung zurückzunehmen, und appelliert an die Abgeordneten, sich für eine verlässliche Weiterförderung einzusetzen.
Zu den Erstzeichnerinnen zählen das Bundesjugendwerk der AWO, CSD Deutschland e. V., der LSVD⁺ und Queeres Netzwerk – Bundesverband queerer Landesnetzwerke e. V. Auch Privatpersonen und Organisationen können mithelfen und Politiker:innen anschreiben, spenden oder den https://lambdaspace.de/lambda-retten/#privatoffenen Brief unterschreiben.
Kritik an der Neuausrichtung von „Demokratie leben!“
Bundesministerin Karin Prien stand bereits im März in der Kritik, als sie eine Neuausrichtung des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ ankündigte. Das bisherige Programm, das vor allem als Reaktion auf die NSU-Morde entstand, sei Prien zufolge zu stark auf das „linksliberale Milieu“ ausgerichtet.
Die angekündigte Kursänderung solle stärker auf die Gefahren von Islamismus, Antisemitismus und Linksextremismus fokussieren, allerdings mit massiven Einschnitten bei Initiativen gegen Rechtsextremismus. Ein verstärktes Engagement gegen Rassismus und Queerfeindlichkeit lasse die neue Ausrichtung vermissen, was im April 140 Organisationen kritisierten.
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