Ständiger Kampf: Die queere Rapperin Uzi Freyja
Uzi Freyja ist die neue Rap-Sensation aus Frankreich. Die queere Kamerunerin ist bekannt für ihre energiegeladenen Auftritte und ihre punkige Wut. Die Musik hilft ihr dabei, die Verletzungen ihrer Vergangenheit zu heilen.
Tom Kleinberg Erschienen in der L-MAG-Ausgabe 1-2026 (Jan./Feb.)
Von Annabelle Georgen
Auf dem Cover ihres Albums, das im Januar 2025 herauskam, posiert Uzi Freyja mit pinken Bantu-Knoten. Sie schaut direkt in die Kamera, den Mund halb geöffnet. Ihr Gesicht und Körper sind schwarz angemalt. „Es ist eine Rüstung, aber eine so dünne Rüstung, dass sie peu à peu verschwindet. Im Laufe des Albums sieht man (auf den dazugehörigen Videos) dann mehr und mehr meine Haut und meine Tattoos“, erklärt Uzi Freyja im Interview mit L-MAG. Als Schwarze Frau spielt sie mit diesem Make-up auch provokativ auf die rassistische Praxis des Blackfacings an.
Das soll aber nicht im Vordergrund stehen. Viel mehr will Uzi Freyja damit auf ihre Wunden aufmerksam machen – die blauen Flecken auf ihrer Seele. Die in Frankreich lebende Kamerunerin (28) hat einen schmerzvollen Weg hinter sich: Als Kind wurde sie von ihren Eltern vernachlässigt und Opfer von Missbrauch. „Bereits mit fünf oder sechs Jahren musste ich erwachsen werden. Das hat etwas in mir gebrochen“, sagt Uzi Freyja.
Ihr Debütalbum hat sie für ihr früheres Selbst, als sie noch Bhelize hieß, geschrieben. „Bhelize Don’t Cry“ besteht aus zwölf Tracks, die „zwölf Briefe an [ihr] inneres Kind“ sind. „Ich habe mich gefragt, was ich diesem kleinen Mädchen, das in mir leidet und schreit, sagen könnte. Dieses Mädchen ist der Grund, warum ich von meiner Vergangenheit nicht loskann. Dieses Album ist also ein Heilungsprozess.“
„Wir sind alle Nutten, wir sollten es einfach zugeben“
Auf dem düsteren Track „Medusa“ rappt sie über den gleichnamigen griechischen Mythos und inszeniert sich selbst als Medusa, als „Monster“, und beteuert vehement ihre Unschuld. „Im Mythos wird sie von Athena bestraft, nachdem sie von Poseidon vergewaltigt wurde. Athena behauptet, dass Medusa Poseidon vielmehr verführte, dass sie ihm nicht widerstanden hat. Athena hilft Medusa also nicht. Das erinnert mich leider an so viele Sachen, die ich durchgemacht habe“, erzählt die Sängerin.
Auf „Spicy Mami“ schenkt sie sich ein Collab mit einer anderen Rebellin, der Schauspielerin Béatrice Dalle, die einen Text am Anfang des Songs vorliest. Es ist eine sexpositive, feministische Hymne. „Wir sind alle Nutten, wir sollten es einfach zugeben. Selbst die alten Damen, die so tun, als seien sie prüde“, kommentiert Freyja auf ihre urkomische Art. Fast ist sie genervt, Fragen zu diesem Song zu beantworten. „Männer im Rap machen ständig Songs über Sex. Und niemand wird ihnen sagen: ‚Wow, du hast einen Alpha-Male-Song gemacht’.“
Als Feministin sieht sie sich übrigens nicht, sie fühlt sich als Schwarze Frau nicht dazugehörig: „Der aktuelle Feminismus grenzt Frauen aus, die Schwarz, arabisch oder asiatisch sind. Trans Frauen werden auch ausgegrenzt, genauso wie dicke Frauen. Sobald man nicht wie diese weißen Feministinnen aussieht, ist man raus. Oder es muss medial sein, wie in Gaza. Aber wer spricht über Frauen in Sudan? Im Kongo? Oder Kamerun? Niemand thematisiert sie.“
„Ich toleriere Männer. Weil Frauen mich nicht gay genug finden“
In Schubladen passt sie sowieso schlecht. Uzi Freyja ist pansexuell, sie träumt aber von einer lesbischen Liebesgeschichte – ihr „ultimativer Traum“: „Ich toleriere Männer. Weil Frauen mich nicht gay genug finden. Bisher hatte ich also mehr Beziehungen mit Männern als mit Frauen, zu meinem großen Bedauern.“
Kraftvoll und magnetisch ist Uzi auf der Bühne, sie rüttelt das Publikum auf mit ihrem atemberaubenden Flow und ihren tiefen Drum’n’Bass-Beats. Manchmal trägt sie ein Korsett voller Risse, die blutige Wunden zeigen. Die Wunden der Kindheit, aber auch ein Symbol für den andauernden, inneren Kampf. „Manchmal tue ich auf der Bühne einfach so, als ob es mir gut gehen würde, als ob ich mich in meinem Körper wohlfühlen würde. Aber fünf Minuten zuvor weinte ich noch oder hatte eine Panikattacke.“ Mit diesem Album will sie sich von ihrer verletzlichen Seite zeigen. Das gelingt ihr.

Bleibt out und proud!
Nur mit euch, unseren Leser:innen und online-Nutzer:innen, bekommen wir das hin! Helft uns, damit wir diese Zeiten durchstehen, die in politischer wie finanzieller Hinsicht nicht einfach sind. Journalismus, der nicht nur in Social Media Bubbles stattfindet, unabhängig ist und dialogbereit bleibt, hat es zunehmend schwer.
Unterstützt unsere Arbeit!
Vielen Dank!
Euer L-MAG-Team


