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K-Word #320: Neues aus der Lesbenwelt

Heute: Siebenkämpferin zeigt Regenbogenfahne im homophoben Doha und News von anderen lesbischen WM-Teilnehmerinnen, Ruby Rose: Genickbruch beim „Batwoman“-Dreh, Ex-„The L Word“-Star Sarah Shahi, Sarah Paulson, Linda Marlen Runge, Kate Tempest und mehr!

Von Karin Schupp

4.10.2019 - Regenbogen-Alarm bei der Leichtathletik-WM in Katar. Die US-Siebenkämpferin Erica Bougard sorgte am Mittwoch für Aufsehen, weil sie einen ihrer Schuhe mit einer Regenbogenfahne verziert hatte – und das in einem Land, in dem Homosexualität mit bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft werden kann. Sie laufe schon die ganze Saison mit diesem Schuh und habe kein politisches Statement abgeben wollen, erklärte die zweimalige US-Indoor-Meisterin danach. „Ich habe ehrlich nicht darüber nachgedacht“, sagte sie der Zeitschrift TIME, zeigte aber Rückgrat: „Ich habe keine Angst vor den Konsequenzen.“ Die 26-Jährige, die seit letztem Jahr mit ihrer Freundin zusammen ist, möchte Menschen helfen, die mit ihrer sexuellen Identität hadern. „Wir Athleten haben eine Stimme, weil mehr Leute uns zuschauen“, sagte sie. „Das ist wichtig, weil manche Menschen andere dafür hassen, wen sie lieben. Mit dem Symbol auf meinem Schuh wollte ich meine Seite zeigen.“ Gestern verpasste Bougard knapp eine Medaille und landete auf Platz 4.

Óscar Fedz/ Twitter/ Screenshot Siebenkämpferin Erica Bougard beim Hochsprung am Mittwoch; ob sie den Sticker danach entfernte, ist unklar - die Kameras schienen ihren Füßen nämlich auszuweichen

Und so läuft’s für die anderen lesbischen Leichtathletinnen in Doha: Yulimar Rojas (Venezuela, K-Word #212), Dreisprung-Weltmeisterin 2017, will ihren Titel im Finale am Samstag (19:30 Uhr) verteidigen. Und Diskuswerferin Nadine Müller (K-Word #263), die - soweit bekannt – einzige offen lesbische Sportlerin im deutschen Team, steht heute Abend im Finale (ab 20 Uhr) im Finale. Die Vize-Europameisterin 2018 wird sich allerdings noch gewaltig steigern müssen, um aufs Treppchen zu kommen.

Nadine Müller/ InstagramHolte bei der WM 2015 Bronze und bei der WM 2011 Silber: Nadine Müller

Die Speerwerferin Sunette Viljoen, Olympia-Zweite in Rio 2016, verpasste das Finale, bekam aber wenigstens ein Upgrade ihrer WM-Medaille von 2011: Da die damalige Siegerin ihren Titel wegen Dopings verlor, rückte die Südafrikanerin von Bronze auf Silber vor. Nicht am Start waren ihre Landsfrau, 800-Meter-Star Caster Semenya, die wegen ihres hohen Hormonspiegels gesperrt ist (K-Word #318), und die deutsche Stabhochspringerin Martina Strutz (K-Word #250), die nach 15-monatiger Verletzungspause aber zumindest wieder von den Olympischen Spielen in Tokio 2020 träumt.

S. Viljoen/ InstagramLernte bei den Olympischen Spielen 2012 ihre Freundin, eine Journalistin, kennen: Sunette Viljoen

Augen auf bei der Berufswahl: Bei den Dreharbeiten zu Batwoman (K-Word #318) hatte es Ruby Rose nicht nur mit einer allergischen Reaktione auf das Klebeband ihrer Maske zu tun, sondern brach sich bei einem Stunt-Unfall auch noch das Genick, ohne es zu merken. Erst Wochen später machten ihr Ärzte klar, dass sie kurz davor war, gelähmt zu werden – eine Kopfbewegung hätte genügt –, und sie ließ sich operieren „Wenigstens hatte ich keine Wahl“, sagte sie die Australierin in Jimmy Fallons  Late Night Show selbstkritisch. „Ich denke, damit wollte mir die Welt sagen: Du musst aufpassen, du musst das Tempo rausnehmen, du bist nicht wirklich eine Superheldin, und du musst deine Prioritäten richtig setzen.“ Die OP ließ sie übrigens filmen und stellte das Video online („Habt ihr nicht diese Grey’s Anatomy-Folge gesehen, in der sie ein  Tuch in einem Patienten vergessen haben? Außerdem wollte ich sehen, was passiert, wenn man unter Narkose ist.“). Dass sie diese schon Monate zurückliegende Geschichte erst jetzt erzählt, ist kein Zufall: Sie rührt gerade die Werbetrommel für ihre neue Serie, in der sie die lesbische Fledermaus spielt. In den USA startet sie am Sonntag (einen deutschen Termin gibt es noch nicht).

Viele Supergirl-Fans würden ja gerne die Titelheldin und Lena Luthor als Paar sehen - Pärchenname: „Supercorp“ – doch diese Liaison bleibt der Fanfiction vorbehalten, denn in der Serie sind beide leider stockhetero. Das zweitbeste Angebot macht jetzt Lena-Darstellerin Katie McGrath mit Secret Bridesmaids‘ Business. In der Thrillerserie rund um eine Hochzeit, die seit Sonntag im australischen Fernsehen läuft, spielt sie eine bisexuelle Anwältin, die heimlich in die Braut, ihre beste Freundin Olivia (Georgina Haig), verliebt ist.

Mit einem innigen Instagram-Foto weckte Ex-The L Word-Star Sarah Shahi („Carmen“) Hoffnungen auf eine Rückkehr zur legendären Lesbenserie, die im Dezember fortgesetzt wird (bei uns voraussichtlich ab April bei Sky). Der Schnappschuss, der sie mit ihren Ex-Co-Stars Kate Moennig und Leisha Hailey zeigt, stammt allerdings nicht vom Set, sondern von der Emmy-Party des Senders Showtime. Aus der „starken Einbindung“ in The L Word: Generation Q, von der Shahi noch im Februar sprach (K-Word #288), wurde offenbar leider nichts. Gut zu tun hat Shahi aber dennoch: In diesem Jahr war sie in den neuen Krimiserien The Rookie (Sky, Magenta TV) und City on a Hill zu sehen.

Niemand ist so herrlich nervös wie Sarah Paulson (American Horror Story) beim Lügendetektor-Test, den die Zeitschrift Vanity Fair mit ihr machte - siehe Clip. Demnächst ist die Emmy-Gewinnerin in der neuen Netflix-Serie Ratched, einem Einer flog übers Kuckucksnest-Prequel ihres Stammproduzenten Ryan Murphy zu sehen, zurzeit dreht sie den Mehrteiler Mrs. American über die US-Frauenbewegung der 1970er Jahre und die erzkonservative Anti-Feministin Phyllis Schlafly, gespielt von ihrem Carol-Co-Star Cate Blanchett. Auch Paulsons Lebensgefährtin Holland Taylor (K-Word #253) kam bei Murphy unter: Er castete sie für eine weitere geplante Netflix-Serie namens Hollywood.

Der schwule Starproduzent Ryan Murphy (Glee, Pose, American Horror Story), der in seinen Serien fast immer LGBTQ-Charaktere, zeigt, enttäuscht auch in The Politician (neu bei Netflix) nicht: In der schwarzen Komödie über den steinreichen Ehrgeizling Payton, der die Schulsprecherwahl an seiner Highschool wie einen US-Präsidentschaftswahlkampf aufzieht (kein Wunder: das Weiße Haus ist sein Ziel!), ist fast keine der Hauptfiguren hetero. Auch nicht Paytons Mutter (Gwyneth Paltrow), deren heimliche Liebe die Pferdetrainerin ist, die von niemand Geringerem als Tennisikone Martina Navratilova gespielt wird. Neben Tony-Gewinner Ben Platt in der Hauptrolle sind auch die lesbische Newcomerin Rahne Jones und der trans Schauspieler Theo Germaine im Cast.

Netflix V.l.n.r.: Payton (Ben Platt), Skye (Rahne Jones), McAfee (Laura Dreyfuss), James (Theo Germaine) in "The Politician"

Seit ihrem Abschied als lesbische Anni aus Gute Zeiten, schlechte Zeiten vor über einem Jahr machte Linda Marlen Runge hauptsächlich Musik und tourte mit ihrer Band Lejana durch Deutschland und Mexiko. Aber bald sehen wir sie wieder im Fernsehen: In der zweiten Staffel der RTL-Serie Nachtschwestern wird sie die Assistenzärztin „Dr. Leonie Mertens“ spielen, die „ein ‚dunkles‘ Geheimnis hat, welches im Laufe der Staffel auffliegen wird“, wie Linda im RTL-Interview verriet. Die Dreharbeiten haben gerade begonnen.

RTL/ Screenshot Linda Marlen Runge am Set von „Nachtschwestern“

Nach dem Aus im Fußball-WM-Viertelfinale in diesem Sommer wollen die DFB-Frauen jetzt neu durchstarten. Mit einem 10:0 gegen Montenegro und einem 8:0 gegen die Ukraine im Rücken, findet morgen in Aachen das EM-Qualifikations-Rückspiel gegen die Ukrainerinnen statt (5. Okt., ARD, 14:00 Uhr), am 8. Oktober geht’s in Thessaloniki gegen Griechenland weiter (ZDF, 14:00 Uhr). Vor dem Match in Aachen wird Ex-Nationalspielerin Simone Laudehr (103 Einsätze) geehrt, die im Mai verärgert zurückgetreten ist (K-Word #302). Die Verabschiedungen von Lena Goeßling (106 Einsätze) und Babett Peter (118) mussten verschoben werden: Erstere ist erkrankt, letztere bei ihrem neuen spanischen Verein CD Tacón unabkömmlich. Lest nächste Woche auf L-MAG Online mehr über den Stand der Dinge beim deutschen Nationalteam.

„Ich bin queer, durch und durch eine Lesbe und das auch schon immer“, sagte uns Kate Tempest im L-MAG-Interview, aber: „Mich selbst als Feministin oder Lesbe zu bezeichnen, finde ich nicht wirklich wichtig, dies ergibt sich aus meiner Arbeit.“ So widmete die Rap-Poetin, die 2018 den Brit Awards als „Beste Solo-Künstlerin“ bekam, den Song „Thirsty“ auf ihrem aktuellen Album „The Book of Traps and Lessons“ ihrer Lebensgefährtin: „Es ist eine Liebeserklärung an sie, definitiv ein Feiern queeren Bewusstseins und Stolz.“ Das komplette Interview steht im aktuellen Heft (gibt's im Abo, als E-Paper oder am Bahnhofskiosk).

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