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K-Word #442: Neues aus der Lesbenwelt

Eisschnelllauf-Star Ireen Wüst bricht Rekorde, „The L Word: Gen Q“-News, Oscar-Nominierungen für Kristen Stewart und Ariana DeBose, lesbische Rolle für Sarah Paulson, Berlinale-Tipps, Gillian Anderson, Lucy Diakovska, Becky Hill, Val McDermid – und mehr!

Ireen Wüst/ InstagramIreen Wüst (r.) mit ihrer Lebensgefährtin Letitia de Jong, die ebenfalls Eisschnellläuferin ist

Von Karin Schupp

11.2.2022 - Die Eisschnellläuferin Ireen Wüst stellte in Peking mit ihrem Sieg über 1500 Meter drei Rekorde auf: Mit ihrem nun sechsten olympischen Gold ist sie nicht nur die älteste Olympiasiegerin im Eisschnelllauf, sondern auch die Einzige, die bei fünf aufeinanderfolgenden Olympischen Spielen in Einzelwettkämpfen siegte. Dabei ging fast unter, dass die 35-Jährige auch mit ihrer Zeit, 1:53.28 min., einen olympischen Rekord aufstellte. Der New York Times sagte die Niederländerin, dass das nun ihre letzten Olympischen Spiele seien und sie ihren Rücktritt und ihre Hochzeit mit ihrer Freundin Letitia de Jong plane. „Ich sage immer, dass Alter nur eine Zahl ist. Aber ich bin 35 und will unbedingt Kinder haben, also muss man an einem bestimmten Punkt aufhören.“

Auf unserer Liste der offen queeren Sportlerinnen in Peking  haben wir noch die Freestyle-Skierin Lara Wolf ergänzt. Die Österreicherin (21), die auch schon in Pyeongchang 2018 dabei war, outete sich Ende Dezember 2021 auf Instagram als lesbisch.

Lara Wolf/ InstagramLara Wolf auf Instagram: „Ich bin es leid, mich zu verstecken, denn ich weiß, dass es nicht verschwindet, wenn ich mich verstecke. Das Stärkste, was ich tun kann, ist ICH SELBST zu sein!“

Schon im Oktober stand’s fest, aber aus unerfindlichen Gründen gab der US-Sender Showtime erst am letzten Freitag bekannt, dass The L Word: Generation Q eine dritte Staffel bekommt. „Besser spät als nie“, kommentierte  Jennifer Beals (Bette) lakonisch auf Instagram. „Ich bin so froh, dass es raus ist. Es war wirklich schwer, so lange den Mund zu halten“, sagte Kate Moennig (Shane) in ihrem Podcast PANTS, den sie mit ihrer besten Freundin und Ko-Star Leisha Hailey (Alice) betreibt. Und Jamie Clayton (Tess) versprach mit Blick auf Tess' Beziehung mit Shane: „Macht euch bereit für mehr #Shess“. Mit den zehn neuen Folgen, die ab dem späten Frühjahr gedreht werden, ist nicht vor Ende 2022 zu rechnen. Vielleicht werfen sie ja vorher einen Blick auf meine Verbesserungswünsche mit der Überschrift „Gebt uns das alte L Word-Gefühl zurück“...

ShowtimeDer „Generation Q“-Cast in Staffel 2

Und weil die Frage immer wieder kommt: The L Word: Generation Q gibt's bei uns bis auf weiteres nur bei Sky Go und dem Streamingdienst Sky Ticket; eine TV-Ausstrahlung ist nicht zu erwarten. Wer gut Englisch versteht, kann die beiden Staffeln als Import-DVD im englischen Original bestellen, Staffel 1 gibt’s zum Kauf bei Amazon Prime (Original mit Untertiteln) und iTunes (Originalversion). Und die sechs alten The L Word-Staffeln stehen bei RTL+ (Flatrate) und zum Kauf bei Amazon Prime.

Das Ralph Lauren-Parfüm „Romance“ wird aktuell mit der Popsängerin King Princess und ihrer Freundin, die Kreativdirektorin Quinn Wilson (K-Word #340), beworben (siehe Motive unten) - übrigens das erste Mal, dass das Beauty-Imperium für seine Duft-Werbung ein gleichgeschlechtliches Paar einsetzt.

Letzte Woche berichtete ich, dass die lesbische Krimi-Autorin Val McDermid (unten im rechten Foto) ihren Vertrag als Trikotsponsorin des schottischen Zweitliga-Fußballclubs Raith Rovers FC kündigte, weil er David Goodwillie verpflichtet hatte, der 2017 als Vergewaltiger verurteilt worden war. Auch wenn der Vorstand inzwischen versucht, den Spieler wieder loszuwerden, machte McDermid ihren Schritt nicht rückgängig („Die Leute, die die Entscheidung getroffen haben, sind immer noch im Amt“) und unterstützt stattdessen das Frauenteam des Vereins, das sich aus Protest abspaltete, jetzt „McDermid Ladies“ heißt und auf den Trikots die Aufschrift „Zero Tolerance“ (= Null Toleranz) trägt.

Zwei offen queere Frauen könnten bei den Academy Awards 2022 ihren ersten Oscar bekommen: Kristen Stewart ist für Spencer (unsere Filmkritik) als beste Hauptdarstellerin nominiert, Ariana DeBose für West Side Story als beste Nebendarstellerin. DeBose bekam für ihre Rolle bereits einen Golden Globe (K-Word #438), Stewart ging bei dieser Preisverleihung im Januar leer aus und gilt auch jetzt als Außenseiterkandidatin: Ihre Mitbewerberinnen Nicole Kidman, Olivia Colman, Jessica Chastain und Penelope Cruz (in einer queeren Rolle in Parallele Mütter, Kinostart: 3. März) haben zusammen bereits 12 Nominierungen und 3 Oscars angesammelt. Eine Nominierung als bester Animationsfilm bekam Die Mitchells gegen die Maschinen (Netflix), dessen weibliche Hauptfigur queer ist (was aber erst am Ende bestätigt wird). Die Verleihung findet am 27. März statt.

V.l.n.r.: Ariana DeBose, Kristen Stewart und Katie mit ihrem Regenbogen-Pin in „Die Mitchells gegen die Maschinen“ (Jimmy Kimmel Live/ John Bauld, CC-BY/ Netflix)

Sarah Paulson spielt in ihrer nächsten Serie Untamed eine Bloggerin und Autorin von Selbsthilfebüchern, die ihren Mann nach 14 Ehejahren für eine international bekannte Ex-Fußballnationalspielerin verlässt. Wem das bekannt vorkommt: es ist die Geschichte von Glennon Doyle und Fußballstar Abby Wambach, die sich 2016 kennen lernten und inzwischen verheiratet sind (K-Word #200). Die queere Emmy- und Golden Globe-Gewinnerin war Doyles erste und einzige Wahl, wie sie in ihrem Podcast We Can Do Hard Things erzählte. Die Serie wird auf Doyles Autobiografie Untamed basieren, die über 2 Millionen mal verkauft wurde - auch Popstar Adele und Oscar-Gewinnerin Reese Witherspoon empfahlen sie öffentlich.

Im Clip (v.l.n.r.): Sarah Paulson, Abby Wambach, Glennon Doyle und ihre Co-Moderatorin/ Schwester Amanda Doyle

Wer in Untamed Abby Wambach spielen wird, steht noch nicht fest, aber es wird offenbar nach einer (noch) unbekannter Schauspielerin gesucht. Ungeachtet dessen hat sich Gillian Anderson (K-Word #145) ins Spiel gebracht. „Ich bin dabei! Größe (und Alter und sportliche Fähigkeiten) spielen keine Rolle!“, reagierte sie auf einen Fan-Vorschlag auf Twitter.

Freudig überrascht reagierte Becky Hill („Remember“) am Dienstag auf ihren Brit Award in der Kategorie „Best Dance Act“. „Das war eine Fan-Wahl. In den zwei Wochen, in denen man abstimmen konnte, habe ich mich noch nie so herzerwärmt gefühlt“, bedankte sie sich bei der Musikpreis-Verleihung. Die Popsängerin outete sich im April 2021 auf Twitter als queer (K-Word #400), interpretiert den Begriff aber recht großzügig: Seit Januar ist sie mit ihrem Freund Charlie Gardner verlobt (nein, weder trans noch nichtbinär), im Dezember erzählte sie der Webseite MailOnline kopfschüttelnd, dass sie neulich in Polen gefragt wurde, was ihre Queerness bedeute, wo sie doch eine Heterobeziehung habe. „Es ist schwierig, wenn in manchen Gegenden der Welt die Einstellungen noch nicht auf demselben Stand wie bei uns sind“, sagte sie. „Alle müssen im 21. Jahrhundert ankommen, alle müssen sich daran gewöhnen, dass es queere Menschen gibt und hier bleiben.“

Screenshot/ BRITsBecky Hill, hier bei den Brit Awards: „Queer scheint die passendste Identität für mich zu sein.“ (April 2021)

Ab heute auf Netflix: Der niederländische Spielfilm Anne+ ist die Fortsetzung der gleichnamigen Serie, in der die lesbische Studentin Anne (Hanna van Vliet) nach einer Begegnung mit ihrer ersten Liebe Lily einen Blick zurück auf ihr turbulentes Beziehungsleben wirft (übrigens die Vorlage für die deutsche Miniserie Loving Her in der ZDF-Mediathek – hier unsere Serienkritik). Im Film will Anne nach ihrem Uni-Abschluss eigentlich zu ihrer Freundin Sara (Jouman Fattal) nach Montreal ziehen, wird aber durch ihre Begegnung mit der nichtbinären Drag-Künstler:in Lou (Thorn Roos de Vries) von ihrem Plan (vorübergehend?) abgelenkt. Hanna van Vliet, die queere Ko-Schöpferin und Hauptdarstellerin von Anne+, gehört in diesem Jahr zu den zehn europäischen „Shooting Stars“ der Berlinale. Lest hier auf l-mag.deunser Interview mit ihr!

Über 35 Lang- und Kurzfilme konkurrieren auf der Berlinale 2022 (noch bis 16. Feb.) um den LGBTQ-Filmpreis Teddy Award, darunter auch der finnische Coming of Age-Film Tytöt tytöt tytöt (Girl Picture) über zwei feierfreudige Teenagerinnen: Rönkko steht auf Jungs und Mimmi auf die ehrgeizige Eiskunstläuferin Emma. In Calcinculo (Italien) lernt die 15-jährige Benedetta auf dem Jahrmarkt die nichtbinäre Schausteller:in Amanda kennen und ist fasziniert von Amandas selbstbewusstem Leben, das sich Gendernormen widersetzt. Ebenfalls aus Italien stammt Nel mio nome (= Unter meinem Namen) über vier junge trans Männer mit unterschiedlichen Genderbiografien. Die Dokumentation wurde vom trans Schauspieler Elliot Page (K-Word #396) koproduziert. Mein persönlicher Favorit ist Nelly & Nadine: Erzählt wird anhand vieler Fotos, Super 8-Filmaufnahmen und Tondokumente die Geschichte zweier Frauen, die sich im KZ Ravensbrück verliebten, auseinander gerissen wurden, nach dem Krieg wiederfanden und bis an ihr Lebensende zusammenlebten. Von ihrer Verwandtschaft wurden sie jedoch nie als Liebespaar wahrgenommen, was Nellys Enkelin erst jetzt - Jahrzehnte nach dem Tod ihrer Großmutter - dämmert... Hier stehen alle Teddy Award-Filme 2022.

Auto Images Eine große Liebe, die in einem KZ begann: Nadine Hwang (l.) und Nelly Mousset-Vos

Mit ihrer Freundin Marcella de Souza (K-Word #411) ist womöglich Schluss (oder sie posten plötzlich nicht mehr über ihre Beziehung), aber Lucy Diakovska hat eine neue Marcella gefunden: Mit Dragqueen Marcella Rockefeller, Supertalent-Gewinnerin 2014, und dem DJ-Trio BANGERZ veröffentlichte sie heute ein Cover des Rosenstolz-Hits „Liebe ist alles“.

Neue Musik gibt’s auch von der queeren Elektropopmusikerin LiLA: Heute erschien ihre EP „Ich mach’s nich“ mit fünf neuen Songs, darunter „Handgelenke“:

 

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