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K-Word #449: Neues aus der Lesbenwelt

Kristen Stewart: Küsschen auf dem roten Teppich, Oscar-Gewinnerin Ariana DeBose und weitere queere Oscar-Momente, lesbische Fußballverbandspräsidentin legt sich mit der FIFA an, so queer werden die Grammy Awards, Brittney Griner, Filmtipps und mehr!

Variety/ Screenshot Kristen Stewart (r.) und ihre Verlobte Dylan Meyer auf dem roten Teppich der Academy Awards

Von Karin Schupp

1.4.2022 - Wer hätte das vor ein paar Jahren noch gedacht: Kristen Stewart ging am Sonntag als allererste Oscar-nominierte Schauspielerin über den roten Teppich der Academy Awards. Und die erste in Hotpants war sie auch (von Chanel übrigens)! Auch ihre Verlobte Dylan Meyer, die vor laufenden Kameras ein Küsschen bekam, unterwarf sich nicht dem Glitzerroben-Diktat und kam im Anzug.

Während Kristen bei der Verleihung leer ausging, gewann Ariana DeBose für West Side Story erwartungsgemäß den Oscar für die beste Nebendarstellerin – als erste offen queere Person of Color. In ihrer Dankesrede sagte die 31-Jährige: „Stellt euch dieses kleine Mädchen auf dem Rücksitz eines weißen Ford Focus vor. Ihr seht eine offen queere Frau of Color und Afro-Latina, die ihre Stärke im Leben durch die Kunst gefunden hat. Also an alle, die jemals an ihrer Identität gezweifelt haben oder die sich in einer Grauzone wiederfinden: Ich verspreche euch, dass es tatsächlich einen Platz für uns gibt!“ In den Saal hatte DeBose ihre Mutter mitgebracht, aber ihre Lebensgefährtin, die Kostümdesignerin Sue Makkoo, war auch da und begleitete sie später zur Vanity Fair-Afterparty.

Auf dem roten Teppich der Academy Awards posierten noch drei weitere Frauenpaare:  Queen Latifah, 2003 Oscar-nominiert für Chicago, mit ihrer Lebensgefährtin Eboni Nichols (K-Word #410), die die Choreografin der Tanzeinlagen auf der Bühne war; die dreifach Emmy-nominierte Niecy Nash (Claws) mit Jessica Betts (K-Word #368), ihrer „wifey for lifey“ (so stand's auf ihrer Clutch), und Wanda Sykes mit ihrer Frau Alex Niedbalski.

Sykes moderierte den Abend zusammen mit Amy Schumer und Regina Hall, und das Trio sorgte gleich zu Beginn der Verleihung für einen queeren Höhepunkt, als sie „gay, gay, gay!“ in Richtung Florida riefen, wo gerade so genannte „Don’t Say Gay“-Gesetz in Kraft trat, das es Grundschulen verbietet, über LGBTQ-Themen zu sprechen (wir berichteten).

Weitere queere Momente von der Oscar-Verleihung: Ben Proudfoot, der für seinen Kurzfilm The Queen of Basketball ausgezeichnet wurde, beendete seine Dankesrede mit den Worten: „Bring Brittney Griner home!“ Die US-Basketballerin sitzt seit Februar in einem russischen Gefängnis (K-Word #448). Elliot Page, 2008 Oscar-nominiert für Juno, stand anlässlich des 15. Geburtstags des Films mit seinen damaligen Ko-Stars Jennifer Garner und J.K. Simmons auf der Bühne – sein erster großer Auftritt seit seinem öffentlichen trans Coming Out. Und Jessica Chastain, die für The Eyes of Tammy Faye (Disney+) gewann, channelte die evangelikale Fernsehpredigerin (1942-2007), die sich (für ihre Profession eher untypisch) sehr für LGBTQ-Rechte einsetzte, und sagte: „Wir sind mit diskriminierenden und bigotten Gesetzen konfrontiert, die unser Land mit dem einzigen Ziel überschwemmen, uns weiter zu spalten. (…) Allen von euch da draußen, die sich tatsächlich hoffnungslos oder allein fühlen, möchte ich sagen, dass ihr bedingungslos geliebt werdet für die Einzigartigkeit, die ihr seid.“

Das oben erwähnte „Don’t Say Gay“-Gesetz in Florida sorgte auch im Stadion des dortigen Frauenfußballteams Orlando Pride für Unruhe: Beim einem Spiel des Erstligisten konfiszierte das Sicherheitspersonal letzte Woche ein Transparent mit der Aufschrift „GAY“ in riesigen Buchstaben. Der Protest der LGBTQ-Fangruppe, die das Banner aufgehängt hatte, hatte aber Erfolg: Zwei Tage später entschuldigte sich der Club, erklärte in einem Statement, dass es ein Fehler war, sich auf Regularien zu fokussieren, anstatt die „wichtige Bedeutung dieser Botschaft zu berücksichtigen“, und gelobte Besserung. Prompt erschien der komplette Kader in T-Shirts mit der Aufschrift „GAY“ zum Training. Bei Orlando Pride spielen aktuell (mindestens) drei Frauenpaare: Marta und Toni Pressley (K-Word #386), Amy Turner und Angharad James - beide Paare sind verlobt - und Erin McLeod und Gunnhildur Jónsdóttir.

Aus einer Zeit, in der man das Wort „gay“ auch nicht aussprach, geschweige denn glückliche Lesben auf der Leinwand gezeigt hätte, stammt Grüne Tomaten (1991): Die in den 1930er Jahren spielende Romanverfilmung lässt Idgie (Mary Stuart Masterson) und Ruth (Mary-Louise Parker) daher nur innige Freundinnen sein - und kein Liebespaar wie in der Vorlage der lesbischen Autorin Fannie Flagg. Die Lesben liebten den Film trotzdem, und wie gut der Film ansonsten gealtert ist, könnt ihr ab 5. April testen, wenn er als Wiederuafführung in die Kinos zurückkehrt.

Studiocanal Lesbischer wird's leider nicht: Idgie (Mary Stuart Masterson) und Ruth (Mary-Louise Parker) in „Grüne Tomaten“

Serientipp: In Single Drunk Female geht's um Sam (Sofia Black D’Elia), die nach einem betrunkenen Ausraster einsehen muss, dass sie Alkoholikerin ist, und nach ihrem Entzug wieder zurück bei ihrer Mutter (Ally Sheedy) einzieht. In ihrer Anonymen Alkoholiker-Gruppe wird sie von Olivia, gespielt von der lesbischen Schauspielerin Rebecca Henderson (Matrjoschka, Inventing Anna), betreut, die mit ihrer Frau Stephanie (Madeline Wise) und ihrer gigantischen Katze Josh zusammenlebt. Und Sam entpuppt sich in Folge 5 als bi, ist aber überwiegend hetero unterwegs. Die Serie, die eher Dramedy als Comedy ist, steht ab 6. April bei Disney+.

Freeform Sam und Olivia (mit Josh) in „Single Drunk Female“

Lise Klaveness, Präsidentin des norwegischen Fußballverbands störte die Harmonie des FIFA-Kongresses in Doha, auf dem FIFA-Boss Gianni Infantinodie Fußball-WM 2022 in Katar als „beste WM aller Zeiten“ ankündigte. Sie träume von einem „Fußball, in dem Jungs und Mädchen, alle Hautfarben, Heteros und Queers, alle denselben Respekt und dieselbe Anerkennung bekommen“, sagte die frühere Nationalspielerin in ihrer Rede und kritisierte, dass das Turnier 2010 unter „inakzeptablen Umständen und mit inakzeptablen Konsequenzen“ nach Katar vergeben worden sei. „Menschenrechte, Demokratie, Gleichbehandlung – die Kernstücke des Fußball standen nicht in der Startelf“ und seien erst Jahre später auf Druck von außen als „Ersatzspieler“ hinzugefügt worden. „Die Fifa hat diese Dinge angesprochen, aber es ist noch ein langer Weg.“ Ihr Verband, dem sie seit 7. März vorsteht, hatte über einen Boykott diskutiert, sich stattdessen aber für „Dialog und Druck durch die FIFA“ entschieden. Trotz einer verärgerten Reaktion des katarischen Gastgebers ruderte Klaveness nicht zurück. „Es ist unser Job, den Druck hochzuhalten,“ sagte die Juristin, die mit ihrer Frau, der Ex-Fußballerin Ingrid Fosse Sæthre, drei Söhne hat, in Doha.

Sky Sports/ ScreenshotLise Klaveness: „Ich träume von einem Fußball, in dem Jungs und Mädchen, alle Hautfarben, Heteros und Queers, alle denselben Respekt und dieselbe Anerkennung bekommen“

Ab 7. April im Kino: Die sehenswerte Doku Loving Highsmith (Queerfilmnacht-Film im März) porträtiert die lesbische Bestseller-Autorin Patricia Highsmith („Der talentierte Mr. Ripley“), die ein reges Liebesleben hatte, aber ihre Homosexualität zeitlebens vor der Öffentlichkeit und selbst ihrer eigenen Familie geheim hielt (und darunter litt); ihren einzigen Lesbenroman „Carol“ schrieb sie 1952 unter Pseudonym. Regisseur Eva Vitija konzentriert sich auf Highsmiths Privatleben, das auch ihr literarisches Schaffen prägt, und lässt einige Geliebte zu Wort kommen, darunter die vor zwei Jahren verstorbene deutsche Regisseurin Tabea Blumenschein. Lest hier unsere Filmkritik.

Noch mal Brittney Griner: Mit Breanna Stewart (K-Word #417) und Angel McCoughtry haben sich zum ersten Mal zwei US-Basketballprofis (und ebenfalls lesbische Nationalspielerinnen) zu dem Thema geäußert. Bisher hatte es offenbar die Ansage gegeben, sich zurückzuhalten, um ihrer Kollegin nicht zu schaden, die - mutmaßlich am 17. Februar - in Moskau wegen Drogenbesitzes verhaftet wurde und mindestens bis 19. Mai inhaftiert bleiben soll (K-Word #447). Die zweifache Olympiasiegerin war in Russland, weil sie außerhalb der WNBA-Saison beim UGMK Jekaterinburg spielt. „Es hätte jede von uns sein können“, sagte McCoughtry, die früher einen Nebenjob bei Dynamo Kursk hatte, und Stewart, die auch bei Jekaterinburg unter Vertrag steht, wurde noch deutlicher und kritisierte, dass weibliche Basketball-Profis nur im Ausland gutes Geld verdienen können. „Das Wichtigste ist die Tatsache, dass wir dorthin gehen müssen“, sagte sie. „WNBA-Spielerinnen müssen in ihrem Land geschätzt werden, damit sie nicht im Ausland spielen müssen.“

Instagram Breanna Stewart mit Baby Ruby und Angel McCoughtry

So queer werden die Grammys: Ganz vorne mischt mit 8 Nominierungen die Rapperin Doja Cat (die 2019 in einem Instagram Live-Video sagte: „Ich mag beides, ich mag Schwänze, und ich mag auch, äh, alle Leute, mit denen ich Sex haben kann.“) mit, fünf Nominierungen bekam Brandi Carlile, darunter für zwei Duetts – „A Beautiful Noise“ mit Alicia Keys (als „Song of the Year“) und „Same Devil“ mit der lesbischen Countrysängerin Brandy Clark. Mit Arooj Aftab, Arlo Parks und Michaela Zauner mit ihrer Band Japanese Breakfast sind drei queere Frauen als „Best New Artist“ nominiert. Parks und Zauner stehen gemeinsam mit Halsey und St. Vincent auch in der Kategorie „Best Alternative Album“ zur Wahl. Der US-Musikpreis wird am 3. April verliehen, bei uns wird sie bei Magenta TV und MagentaMusik 360 übertragen.

 

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