K-Word #645: Neues aus der Lesbenwelt
Die 6 lesbischen Paare der Olympischen Winterspiele, Kristen Stewart will die Welt zu einem „offeneren und toleranteren Ort“ machen, Babett Peter erwartet Baby Nr.3, queere Grammy-Gewinnerinnen, Berlinale mit Rekordzahl an lesbischen Filmen - und mehr!
OlympijskytymMartina Sáblíková und Nikola Zdráhalová, die tschechischen Medaillenhoffnungen im Eisschnelllauf, sind seit 13 Jahren ein PaarVon Karin Schupp
6.2.2026 - Bei den Olympischen Winterspielen 2022 waren 24 lesbische, bisexuelle und queere Sportlerinnen am Start – in diesem Jahr in Mailand (6.-22. Feb.) gehören (mindestens) 36 Olympia-Teilnehmerinnen dem inoffiziellen Team LGBTQ an, darunter auch zwei Deutsche: die Eishockeyspielerinnen Carina Strobel (ECDC Memmingen), seit 2022 mit ihrer Partnerin Stefanie Kostadinov verheiratet, und Nina Jobst-Smith, die mit Ashton Bell, ihrer kanadischen Teamkollegin bei den Vancouver Goldeneyes, zusammen ist. In ihrem Debüt am Donnerstag schoss Nina übrigens direkt das erste (und einzige) Tor gegen Schweden.
Bell, die in Peking 2022 Gold holte, mus diesmal zu Hause bleiben, aber vier andere Paare treten an - im Skeleton sogar gegeneinander: Kim Meylemans (BEL), amtierende Europa- und Vizeweltmeisterin, und die Brasilianerin Nicole Silveira, wollten mit ihrer Hochzeit im letzten Sommer auch ein politisches Zeichen gegen die italienische Rechtsregierung setzen (K-Word #622). Ein Ehepaar gibt’s auch im kanadischen Eishockey-Team: Kapitänin Marie-Philip Poulin, dreifache Goldmedaillengewinnerin, und Laura Stacey, Gold 2022, sind seit neun Jahren zusammen und heirateten 2024. Laura Zimmermann (SUI) und die Finnin Sanni Ahola gehören zu den beiden länderübegreifenden Paaren im Eishockey. Das andere, Anja Kjellbin (SWE) und Ronja Savolainen (FIN), ist seit 2024 verlobt. Im Eisschnelllauf rechnen sich die dreifache Olympiasiegerin Martina Sáblíková (3000/5000 Meter) und Nikola Zdráhalová, frisch gebackene Europameisterin über 1000 Meter, Medaillenchancen aus. Die Tschechinnen (Foto oben) outete sich im letzten Jahr (K-Word #616). Team USA wirbt sogar mit einem Frauenpaar: Brittany Bowe, mehrfache Weltmeisterin im Eisschnelllauf (Kurzstrecken) und Hilary Knight, Kapitänin des US-Eishockeyteams, sind schon zum vierten bzw. fünften Mal dabei.
Instagram Marie-Philip Poulin & Laura Stacey (CAN), Hilary Knight & Brittany Bowe (USA), Kim Meylemans (BEL) & Nicole Silveira (BRA)Als Kristen Stewart (K-Word #644) im Februar 2017, also vor genau neun Jahren, auf der Bühne der TV-Comedyshow Saturday Night Live „I’m so gay, dude!“ rief, war das zwar nicht ihr öffentliches Coming-out - das war ein halbes Jahr früher -, aber dennoch ein Paukenschlag vor einem Millionenpublikum (wir berichteten). In einem Interview mit dem US-Sender ABC sprach die 35-Jährige nun über ihre Motivation: „Ich wollte mich nicht vor der Welt, in der wir leben, verstecken. Ich möchte sie definieren, ich möchte sie zu einem offeneren und toleranteren Ort machen.“ Menschen aus ihrem näheren Umfeld hätten ihr gesagt, dass ihre Karriere „besser laufen würde, wenn du nicht draußen die Hand deiner Freundin halten würdest‘“, so die Oscar-nominierte Schauspielerin. „Und ich dachte mir: Ihr wollt also, dass ich ein unvollständiges Leben führen? Dass ich ein System aufrechterhalte, fortführe und stütze, das Menschen ausschließt?‘ Das kann ich einfach nicht.“ Außerdem: „Ich hielt bereits die Hand meiner Freundin in der Öffentlichkeit.“ Damals war Stewart mit dem Top-Model Stella Maxwell zusammen, seit letztem Jahr ist sie mit der Drehbuchautorin Dylan Meyer verheiratet (K-Word #606).
Die Ex-Fußballerinnen Babett Peter (Olympiasiegerin, Welt- und Europameisterin) und Ella Masar erwarten Ende Juni ihr drittes Kind - wieder einen Sohn -, wie auf Instagram verkündeten. Das Ehepaar, das sich beim VfL Wolfsburg kennen lernte und mehrere Jahren in Spanien und USA lebte, ist jetzt nach Frankfurt/M. gezogen, wo Peter seit Januar Sportdirektorin des Eintracht-Frauenteams ist (K-Word #641).
Nächste Woche startet in Berlin die Berlinale (12.-22. Feb.), die - auch dank des queeren Filmpreises Teddy - stets zahlreiche LGBTQ-Filme im Programm hat. Und während in früheren Jahren das „L“ oft eher klein geschrieben war, ist das lesbische Angebot in diesem Jahr mit rund zwanzig Kurz-, Lang- und Dokumentarfilmen so groß wie nie. Im Wettbewerb läuft etwa À voix basse von Leyla Bouzid über eine lesbische Frau, die zur Beerdigung ihres Onkels aus Paris in ihre tunesische Heimat zurückkehrt, und auch das historische Drama Rose mit Sandra Hüller als Frau, die sich im 17. Jahrhundert als Mann ausgibt, könnte interessant sein (siehe auch: 8 Filme mit L-Faktor, auf die wir uns schon freuen). Mehr zum queeren Berlinale-Programm auf der Webseite des Teddy Award und in der nächsten Woche hier auf l-mag.de.
Piffl Medien Sandra Hüller in „Rose“Die Ehe des Orange is the New Black-Traumpaars Samira Wiley und Lauren Morelli ist nach neun Jahren zu Ende: Anfang Februar bestätigten sie in einem Statement ihre „einvernehmliche“ Trennung und schrieben: „Als Eltern stehen wir aber ein Leben lang gemeinsam in der Verantwortung.“ Die beiden, die eine gemeinsame Tochter (4) haben, verliebten sich 2012 am Set der Frauenknastserie, wo Morelli Drehbuchautorin und noch mit einem Mann verheiratet war, und Wiley die lesbische „Poussey“ spielte. Für ihre ebenfalls lesbische Rolle in The Handmaid’s Tale gewann sie 2018 einen Emmy; in der Sequelserie The Testaments (ab 8. April bei Disney+) ist sie aber nicht dabei.
Instagram/whododatlikedatEhe-Aus nach neun Jahren: Samira Wiley (l.) und Lauren Morelli in glücklicheren TagenAus der langen Liste der queeren Grammy-Nominierten (K-Word #634) gingen bei der Verleihung am letzten Sonntag (nur) fünf goldene Grammophone hervor. Am erfolgreichsten war Kehlani (K-Word #401): Ihr Song „Folded“ wurde als „Best R&B Song“ und „Best R&B Performance“ ausgezeichnet. Auf der Bühne rief die lesbische Sängerin ihre Kolleg:innen auf, gemeinsam gegen die „Ungerechtigkeiten in der Welt“ aufzustehen, und konkretisierte: „Fuck ICE!“ „Auf gestohlenem Land ist niemand illegal. Fuck ICE!“, schmetterte auch Billie Eilish (K-Word #579) der brutalen US-Einwanderungspolizei entgegen, als sie den Grammy für den „Song of the Year“ (für „Wildflower“) entgegen nahm. Die Newcomerin Lola Young (K-Word #628) für „Messy“ gewann in der Kategorie „Best Pop Solo Performance“, Cynthia Erivo (K-Word #632) für „Defying Gravity“, ihr Duett mit Ariana Grande, als „Best Pop Duo/Group Performance“. Die Rapperin Doechii, die für „Anxiety“ stolze fünf Nominierungen erhalten hatte, musste sich mit dem Grammy für das beste Musikvideo begnügen.
Recording Academy/Screenshots Queere Sichtbarkeit auf der Grammy-Bühne: Lola Young, Billie Eilish und Kehlani (v.l.n.r.)Seit Ende Januar laufen die Dreharbeiten zur Netflix-Komödie The Fifth Wheel über drei frühere Highschool-BFFs, gespielt von Fortune Feimster (K-Word #613) in einer (weiteren) lesbischen Rolle, Brenda Song und Nikki Glaser, deren Wochenende in Las Vegas von einer vierten Frau (Kim Kardashian) gecrasht wird. Regie führt Eva Longoria, das Drehbuch stammt von Paula Pell und ihrer Frau Janine Brito (die in Girls5Eva - ebenfalls bei Netflix - ein Ex-Paar spielten). Feimster, die auf lesbische Comedycharaktere abonniert ist, hat offenbar einen Vertrag mit dem Streamingdienst: Dort stehen auch ihre beiden Stand up-Specials, ihre Serie FUBAR und bald auch die neue Comedyserie Golf, in dem sie den lesbischen Caddy einer Golf-Legende (Will Ferrell) spielt.
Netflix/Glen Wilson Fortune Feimster (2.v.r.) mit Eva Longoria, Brenda Song, Kim Kardashian und Nikki Glaser bei den Dreharbeiten zu „The Fifth Wheel“Jetzt im Kino: In der Dramedy My Mother’s Wedding treffen sich drei sehr unterschiedliche Schwestern, gespielt von Scarlett Johansson, Sienna Miller und Emily Beecham, bei der dritten Hochzeit ihrer Mutter (Kristin Scott Thomas, die auch Regie führte) wieder - das sind die Konflikte vorprogammiert. Und das steht deswegen hier, weil Johanssons Figur lesbisch ist und ihre Lebensgefährtin (Freida Pinto) mitbringt.
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