K-Word #653: Neues aus der Lesbenwelt
Late Bloomer-Lesben auf dem „Traumschiff“, Lucy Diakovska will Bürgermeisterin werden, Fußball-Bundestrainer über schwule und lesbische Fußballer:innen, Reaktionen auf die kommende queere „Bridgerton“-Staffel - und mehr!
Von Karin Schupp
3.4.2026 - Das öffentlich-rechtliche Fernsehen ist ja nicht gerade ein Vorreiter, was lesbische und queere Filme angeht (siehe auch unsere Filmkritik zu So haben wir dich nicht erzogen), aber Das Traumschiff bemüht sich immerhin ein bisschen: Die ZDF-Kreuzfahrtsoap erzäht in ihrer neuen Folge „Island“ (So, 5. Apr., schon jetzt in der Mediathek) eine lesbische Story und besetzte die Hauptrollen prominent: Saskia Vester (66) und Michaela May (74) spielen Evelyn und Toni, die einst eine große Liebe verband, bis Evelyn sie aus Scham beendete. Als sie sich nun nach vier Jahrzehnten auf Island wiedersehen, sind die alten Gefühle sofort wieder da – und bleiben nicht platonisch. „Der geradezu erlösende Kuss der beiden Frauen nach einer knappen Stunde dürfte in die Traumschiff-Geschichte eingehen“, jubilierte die TZ in einer Vorabkritik. Das erste Frauenpaar an Bord sind sie allerdings nicht: Schon am Ostersonntag 2024 machten Annika und Melly ihre Hochzeitsreise auf der MS Deutschland (K-Word #552) – ob das ZDF am Ende noch eine Oster-Tradition draus macht? (Lest zum Thema „Late Bloomers“ auch unser Interview mit Coming-out-Coach Frieda Eckhoff.)
ZDF/Dirk Bartling Late Bloomers: Evelyn (Saskia Vester) und Toni (Michaela May) im „Traumschiff“First Look: Mit einem ersten Foto wurde der Starttermin von Identitti angekündigt: Die Romanverfilmung kommt am 12. Nov. 2026 ins Kino. Hauptfigur ist die Studentin Nivedita (Amanda Babaei Vieira), die selbst in einer kulturellen Identitätskrise steckt, als sie erfährt, dass sich ihre weiße Uni-Professorin als „Person of Color“ ausgegeben hat. Warum hat sie das getan? Die Adaption von Mithu Sayals Bestseller, in dem es auch queere Charaktere gibt, hat einen fast ausschließlich weiblichen Cast, darunter die Ex-Rapperin Sabrina Setlur. Regie führte Randa Chahoud (Deutschland 89).
Alamode/Frank Dicks Amanda Babaei Vieira (l.) und Sabrina Setlur in „Identitti“Von der Dschungelkönigin zur Bürgermeisterin? Das jedenfalls plant Lucy Diakovska in ihrer bulgarischen Heimatstadt Plewen: „Ich möchte 2027 als Bürgermeisterin kandidieren und stehe hier im ständigen Austausch mit Politikern“, sagte die Gewinnerin der RTL-Dschungelshow 2024 (K-Word #545) im Bild-Interview. „Ich merke, dass mein Wunsch mit jedem Jahr wächst, etwas Bedeutsames zu hinterlassen.“ In der 90.000-Einwohner-Stadt im Norden des Landes ist die No Angels-Sängerin bereits Arbeitgeberin: Seit 2021 gehört ihr dort das Vier-Sterne-Hotel Kalayka. „Dieses Hotel und die Pflege des angrenzenden Naturschutzgebietes sollen mein Lebenswerk werden“, erklärte sie. Außerdem sei sie „ein sehr sozialer Mensch geworden und möchte das Leben meiner Mitbürger besser machen.“ Auch ihre Angestellten bekämen bei ihr „die allerbeste Behandlung“. Lucy feierte am Donnerstag ihren 50. Geburtstag am Schwarzen Meer – allerdings ohne ihre Lebensgefährtin Yasi Hofer (K-Word #632): die Live-Gitarristin von Helene Fischer ist gerade mit den Proben für deren Stadion-Tour eingespannt.
Nach dem schwulen Coming-out von Christian Dobrick, Nachwuchstrainer beim FC St. Pauli, forderte Männer-Bundestrainer Julian Nagelsmann mehr Offenheit: „Im Fußball dauert das leider wahrscheinlich noch ein bisschen. Das finde ich nicht richtig“, sagte er im ntv-Interview. Christian Wück, Bundestrainer der Frauen, empfahl den Männern „vielleicht ein bisschen mehr von den Frauen“ zu lernen, wie er bei einer DFB-Pressekonferenz sagte. „Ich glaube, bei den Frauen ist das ganz normal.“ Auch die Presseagentur dpa wies darauf hin, dass bei den Frauen „die sexuelle Orientierung schon lange keine Rolle mehr“ spiele. Ganz so ist es aber nicht: Im internen Umgang mag es vielleicht stimmen, aber öffentlich geoutet haben sich nur wenige Spielerinnen – auch im Vergleich zu anderen Ländern (siehe Lesbische und queere Spielerinnen der EM 2025). Im DFB-Kader für die zwei WM-Qualifikationsspiele gegen Österreich (14./18. April) sind nur drei Spielerinnen offen queer: Ann-Katrin Berger, Lea Schüller und Laura Freigang.
Instagram/lena_oberdorfLeider immer noch verletzt: Nationalspielerin Lena Oberdorf (l.) mit ihrer Freundin und Bayern-Kollegin Natalia PadillaIm April läuft in der bundesweiten Queerfilmnacht der französische Film Love Me Tender (Orte/Termine). In der Verfilmung einer wahren Geschichte gerät das Leben der Pariserin Clémence (Vicky Krieps, Hot Milk) aus den Fugen, als sie ihrem Ex-Mann (Antoine Reinartz) erzählt, dass sie jetzt lesbisch lebt: Er fordert das alleinige Sorgerecht für ihr gemeinsames Kind. In einem langen und zähen Ringen kämpft Clémence darum, am Leben ihres Sohnes teilzuhaben, aber auch ihre sexuelle Identität frei leben zu dürfen. Krieps war für ihre Rolle für den Europäischen Filmpreis 2026 nominiert. Monia Chokri, bekannt aus dem Lesbenfilm 15 Liebesbeweise (L-MAG-Filmkritik), spielt eine spätere Beziehung von Clémence. Der Film von Anna Cazenave Cambet basiert auf dem autobiografischen Roman von Constance Debré und startet am 7. Mai auch regulär im Kino.
The Next Generation: The Testaments: Die Zeuginnen (Disney+, ab 8. April) ist die Fortsetzung der dystopischen Serie The Handmaid’s Tale (2017-2025) und basiert ebenfalls auf Margaret Atwoods gleichnamigem Roman (2019): Im Mittelpunkt steht - einige Jahre später - eine neue Generation junger Frauen in dem immer noch ultrapatriarchalen Terrorsystem Gilead. Neben den drei Hauptfiguren, Junes Tochter Agnes/Hannah (Chase Infinity), Daisy (Lucy Halliday, bekannt aus ihrer lesbischen Rolle in Blue Jean), und Tante Lydia (Ann Dowd), gibt's auch (mindestens) einen lesbischen Charakter: Agnes‘ beste Freundin Becka (Mattea Conforti). Im Cast ist auch die queere Schauspielerin Rowan Blanchard (Snowpiercer).
Russ Martin/Disney+ Roward Blanchard, Chase Infiniti und Mattea Conforti in „The Testaments“ (v.l.n.r.)Nicht alle Bridgerton-Fans freuen sich darüber, dass in Staffel 5 die Liebe zwischen Francesca (Hannah Dodd) und Michaela (Masali Baduza) im Mittelpunkt stehen soll (K-Word #652). Und damit sind nicht nur die Homophoben gemeint, denen die lesbische Showrunnerin Jess Brownell schon im Vorfeld mitgegeben hatte: „In der Welt von Bridgerton ist kein Platz für Homophobie, Rassismus oder irgendeine Form von Intoleranz.“ Viele hatten aber auf Francescas Schwester Eloise als Hauptfigur der nächsten Staffel gehofft. Julia Quinn, die Autorin der Bridgerton-Reihe, gab der queeren Lovestory hingegen ihr Okay. Ihr sei vor allem wichtig gewesen, dass Francescas Liebe zu ihrem verstorbenen Mann John nicht hinten runter fällt, schrieb sie schon 2024 auf Instagram. Nach langen Gesprächen mit Brownell sei sie sicher, dass Francescas Staffel - wie auch ihr zugrunde liegender Roman „When He Was Wicked“ (dt.: Ein hinreißend verruchter Gentleman) „die emotionalste und herzzerreißendste Geschichte der Serie sein wird.“
Netflix Masali Baduza (l.) und Hannah Dodd: Die Hauptdarstellerinnen in Staffel 5 von „Bridgerton“„In beinahe einem Drittel der Welt ist es immer noch ein Verbrechen, LGBTQIA zu sein. In rund 64 Ländern sind einvernehmliche gleichgeschlechtliche Bezieungen strafbar“: Mit dieser Texteinblendung beginnt das Video zu Faravaz' neuem Song „Butterfly“. „Von Berlin an alle queeren, trans und gender-diversen Communitys der Welt, das ist für euch“, schreibt die iranischstämmige Musikerin, die in Berlin lebt, in einer Pressemitteilung zu ihrer neu erschienenen EP. „Wir sehen euch. Wir ehren euren Mut. Und wir stehen mit euch in Solidarität.“ Das Video drehte sie mit rund fünfzehn queer und trans Sänger:innen, darunter Mine, LIN, IUMA, LISÆ, die Rapperin Sookee, Brix Schaumburg und der Chor D-Dur Dykes*.
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