10 lesbische Filmtipps für die Berlinale 2026
Rund 50 queere Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme laufen auf der Berlinale (12.-22. Feb.), darunter Weltpremieren und – zum 40. Geburtstag des LGBTQ-Awards – einige Klassiker. Wir stellen unsere zehn lesbischen Highlights vor.
Urucu Media „Black Burns Fast“: Coming-out-Komödie aus SüdafrikaVon Karin Schupp
11.2.2026 - Wenn am 12. Februar die Berlinale startet, hat der Teddy Award etwas zu feiern: Er wird zum vierzigsten Mal verliehen! Der LGBTQ-Filmpreis sorgt seit 1987 dafür, dass auf dem Berliner Festival besonders viele queere Produktionen laufen. Einen Rückblick darauf bietet in diesem Jahr die Sonderreihe TEDDY 40 mit acht Spiel- und sechs Kurzfilmen.
In diesem Jahr finden sich im LGBTQ-Filmrogramm der Berlinale rund zwanzig Kurz-, Lang- und Dokumentarfilme von lesbischem Interesse. Außerdem sind zwei Frauen zu Gast, die einen wichtigen Einfluss auf die lesbisch-queere Filmgeschichte haben: Die französische Filmemacherin Celine Sciamma (Porträt einer jungen Frau in Flammen) erhält den Special Teddy und die renommierte US-Filmwissenschaftlerin B. Ruby Rich, die 1992 den Begriff des „New Queer Cinema“ prägte, gehört der Berlinale-Dokumentarfilm-Jury an.
Wir stellen euch die lesbischen und queeren Highlights aus dem Berlinale-Programm vor:
1. À Voix Basse (In a Whisper, FRA/TUN 2026, 113’), Regie/Buch: Leyla Bouzid, Wettbewerb
Emotionales Familiendrama: Lilia (Eya Bouteraa) kehrt zur Beerdigung ihres Onkels aus Frankreich in ihre tunesische Heimat zurück, wo ihre Familie nichts von ihrer Lebensgefährtin in Paris weiß. Während sie dieses Geheimnis bewahren will, macht sie sich daran, andere Rätsel aufzudecken, etwa das um den plötzlichen Tod ihres Onkels.
UNITE Eya Bouteraa mit Hiam Abbass in „À Voix Basse“2. Rose (D 2026, 93‘), Regie: Marcus Schleinzer, Buch: M. Schleinzer, Alexander Brom, Wettbewerb
Gender Disguise: Ein unbekannter Soldat lässt sich nach dem Ende des 30-jähriges Kriegs in einem Dorf nieder. Während er versucht, sich in die Dorfgemeinschaft zu integrieren, und über eine arrangierte Ehe mit einer Bauerstochter nachdenkt, wird seine wahre Identität immer mehr in Frage gestellt. Kein Wunder: In Wirklichkeit ist er eine Frau, gespielt von Sandra Hüller, Oscar-nominiert für Anatomie eines Falls. Kinostart ist am 30. April.
Piffl Medien Sandra Hüller in „Rose“3. The Education of Jane Cumming (GB/D/CH 2026, 114‘), Regie: Sophie Heldman, Buch: S. Heldman, Flora Nicholson, Panorama
Klassiker, neu erzählt: Zwei schottische Lehrerinnen mussten 1811 ihr Internat schließen, nachdem ihre Schülerin Jane und deren adelige Großmutter verbreitet hatten, dass sie eine sexuelle Beziehung hätten. Die zwei Frauen wehrten sich und zogen wegen Verleumdung vor Gericht. Dieser wahre Fall wurde durch Lilian Hellmans Theaterstück The Children's Hour (1934) und die gleichnamige Kinoadaption (1961, dt. Titel: Infam) weltberühmt. Heldman, queere Regisseurin mit deutschem Vater, erzählt die Geschichte, in der es auch um Rassismus und Klassismus geht, neu. Die lesbische Schauspielerin Fiona Shaw (Killing Eve) spielt die Großmutter. Kinostart ist am 29. Okt. 2026.
Heimatfilm „The Education of Jane Cumming“ mit Flora Nicholson (auch Ko-Autorin des Drehbuchs), Mia Tharia und Clare Dunn 4. Die Blutgräfin (D/Ö/LUX 2026, 119‘), Regie: Ulrike Ottinger, Buch: U. Ottinger/Elfriede Jelinek, Berlinale Special Gala
Vampirinnen-Komödie: Die legendäre lesbische Filmemacherin (unser Porträt) nimmt sich der mutmaßlichen Serienmörderin Elisabeth Báthory (1560–1614) an. Die „Blutgräfin“ (Isabelle Huppert), die der Legende nach im Blut von Jungfrauen badete, taucht mit ihrer treuen Zofe Hermine (Birgit Minichmayr) im heutigen Wien auf, um das Ende ihres Vampirreichs zu verhindern. An ihrer Seite: ihr melancholischer Neffe, ein vegetarischer Vampir und dessen Psychotherapeut, auf ihren Fersen: zwei Vampirforscher und ein Kommissar. Conchita Wurst ist in einer Nebenrolle zu sehen.
P. Domenigg, Amour Fou Vienna/Luxembourg, Heimatfilm, Ottinger Filmproduktion Vampirinnen in Wien: „Die Blutgräfin“ mit Isabelle Huppert und Birgit Minichmayr5. Staatsschutz (D 2026, 113‘), Regie: Faraz Shariat, Buch: Claudia Schaefer, Jee-Un Kim, Dr. Sun-Ju Choi, Panorama
Rechte Gewalt und Justiz: Die junge lesbische Staatsanwältin Seyo Kim (Chen Emilie Yan) wurde Opfer eines rassistischen Anschlags und entscheidet sich trotz aller Warnungen dafür, in ihrem eigenen Fall zu ermitteln und die Täter vor Gericht zu bringen. Dabei muss sie auch gegen ein Rechtssystem ankämpfen, das rechte Gewalt verharmlost und manchmal sogar deckt.
Jünglinge Film, Lotta Kilian Kämpft als Staatsanwältin gegen rassistische Gewalt: Chen Emilie Yan (r.) mit Julia Jentsch in „Staatsgewalt“6. Black Burns Fast (Südafrika 2025, 100‘), Regie/Buch: Sandulela Asanda, Generation 14plus
Coming-out-Komödie: Der Internatalltag der liebenswert-nerdigen Luthando gerät aus den Fugen, als eine neue Schülerin, Ayanda, in ihre Klasse kommt und nie gekannte Sehnsüchte in ihr weckt. Fortan hat Luthando nicht nur mit ihrem Coming-out zu tun, sondern versucht auch, die befürchtete Ablehnung durch ihre Mutter und ihre Mitschüler:innen zu vermeiden.
Urucu Media Luthandos Schwarm Ayanda (Muadi Ilung, l.) und ihre Freundinnen in „Black Burns Fast“7. Saccharine (AUS, 112‘), Regie/Buch: Natalie Erika James, Berlinale Special Midnight
Body Horror: Die Medizinstudentin Hana (Midora Fancis) will unbedingt abnehmen und steigt, unterstützt von ihrem Crush, der Fitness-Influencerin Alanya (Madeleine Madden), in ein „Body Transformation“-Programm ein. Zwar wirken die Abnehmpillen, aber zugleich wird sie von einem Geist verfolgt, der stärker wird, je mehr sich ihr Körper verändert. Die queere Hauptdarstellerin spielte schon in Grey’s Anatomy und The Sex Lives of College Girls lesbische Rollen.
Narelle Portanier Body Horror-Film über Abnehmwahn: „Saccharine“ mit Midora Francis 8. Barbara Forever (USA 2026, 102‘), Regie: Brydie O’Connor, Forum Spezial
Ikone des lesbischen Kinos: Die Doku zeichnet anhand von Archivmaterial das Leben und Werk von Barbara Hammer (1939–2019), einer der Pionierinnen des Queer Cinemas, nach. Die Filmemacherin, die mit 30 ihr lesbisches Coming-out hatte, beschäftigte sich in ihren experimentellen Filmen wie Dyketactics (1974) und Nitrate Kisses (1992) mit lesbischer Identität, Sexualität und Beziehungen, Genderrollen und dem Älterwerden.
The Estate of Barbara Hammer „Barbara Forever“: Doku über Barbara Hammer, eine Ikone des lesbischen Kinos9. No Salgas (Don’t Come Out, Domin. Republik 2026, 105‘), Regie: Victoria Linares Villegas, Buch: V. Linares Villegas, Alberto Marranzini Rodríguez, Generation 14plus
Coming-out-Horror: Nach dem grausamen Tod ihrer Freundin unternimmt die versteckt lesbische Studentin Liz (Cecile van Welie) zur Ablenkung einen Wochenendausflug mit Kommiliton:innen. Dort weckt eine mysteriöse Frau lang unterdrückte Wünsche in ihr – mit zerstörerischen Folgen: Liz ist in die Fänge einer übernatürlichen Kraft geraten, die es auf Queers in der Dominikanischen Republik abgesehen hat. Eine klare Metapher auf ein Land, in dem LGBTQ-Sichtbarkeit gefährlich sein kann und ein Coming-out seinen Preis hat.
Jamie Guerra Wenn das Coming-out bestraft wird: Cecile van Welie und Camila Santana in „No Salgas“10. The Watermelon Woman (USA 1996, 83‘), Regie/Buch: Cheryl Dunye, Teddy40
Teddy-Gewinner 1996: Die junge lesbische Regisseurin (Cheryl Dunye) jobbt in einer Videothek und beschäftigt sich mit Filmen aus den 1930ern, in denen Schwarze Schauspielerinnen im Abspann meist nicht namentlich erwähnt wurden. Über eine von ihnen, Fae Richards, möchte sie eine Doku drehen und findet bei ihrer Recherche unter anderem raus, dass sie lesbisch war. Privat kommt Cheryl, sehr zum Missfallen ihrer Kollegin Tamara (Valarie Walker), mit der weißen Kundin Diana (Guinevere Turner, The L Word) zusammen. Der erste Spielfilm einer Schwarzen, lesbischen Filmemacherin ist ein wichtiger Bestandteil des New Queer Cinemas und des afroamerikanischen Kinos. Steht auch beim Streamingdienst MUBI.
MUBI Lesbenklassiker und Teddy-Gewinnerfilm 1996: „The Watermelon Woman“ mit Cheryl Dunye (r.) und Guinevere TurnerDas komplette Teddy-Programm steht auf der Webseite teddyaward.tv
Berlinale, 12.-22. Feb. 2026, am Potsdamer Platz in Berlin und in zahlreichen weiteren Kinos in der Stadt; alle Infos auf berlinale.de

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