30 Jahre „Bound“: Kompromisslos lesbisch und fesselnd ikonisch
Die feurige Liebesgeschichte zwischen der Butch-Klempnerin Corky und der Femme Fatale Violet ist längst lesbischer Kult. In diesem Jahr wird der Erotikthriller „Bound - Gefesselt“ 30 Jahre alt.
Capelight Gina Gershon (l.) und Jennifer Tilly in „Bound“Von Abena Freund
13.10.2026 - Stylish, knallhart und kompromisslos lesbisch kam Bound – Gefesselt 1996 daher. Männliche, cis heterosexuelle Filmkritiker konnten nur wenig mit dem Debüt der Wachowski-Geschwister anfangen. Doch um die Männer ging es auch nicht. Unter lesbischen und queeren Frauen stieß der Film auf Begeisterung und die Schwestern hatten jene Community von Beginn an als Zielgruppe im Hinterkopf.
Feurige Liebesgeschichte
Inzwischen ist der Erotikthriller zweifellos lesbischer Kult und hat über die Jahre keineswegs an Relevanz verloren. Noch immer reißt die feurige Liebesgeschichte zwischen der coolen Ex-Gefängnisinsassin und Butch-Klempnerin Corky (Gina Gershon) und der verführerischen Femme fatale Violet (Jennifer Tilly) mit.
Die Wachowskis fügten ganz bewusst lesbische Fetische, Codes und Symbole in Bound ein, wie sexualisierte Nahaufnahmen von Händen, fließendes Wasser als Sinnbild für weibliche Lust oder den Kleiderschrank als Metapher für Coming-outs.
Eines der ersten Lesben-Filmpaare mit Happy End
Trotz jenes symbolischen Ansatzes ist lesbische Kultur im Film äußerst explizit dargestellt, ohne dass dabei Lesbisch-Sein zum Hauptkonflikt der Handlung wird. Klassische Genreelemente des Crime-Thrillers werden ganz selbstverständlich mit Queerness verknüpft, wodurch heteronormative Geschlechterverhältnisse aus den Fugen geraten.
À la „Be Gay, Do Crime“ bekommen die lesbischen Charaktere den Raum, moralische Grenzen zu überschreiten und gegen Normen zu rebellieren. Und das Beste daran? Sie kommen durch damit! Das Filmende spart jegliche Tragik für das Paar aus und ist damit eine Besonderheit in der queeren Filmgeschichte. Bis heute ist es selten, dass lesbischen Paaren ein Happy End vorbestimmt ist.
Zuletzt setzte Rose Glass’ Love Lies Bleeding (L-MAG-Filmkritik) ähnliche Ansätze von lesbischer Befreiung um. Dass die Wachowskis hierbei Inspiration waren, steht außer Frage. In Sachen lesbischer Sichtbarkeit war Bound definitiv seiner Zeit voraus.
Bound – Gefesselt, USA 1996, Buch/Regie: The Wachowskis, 108 min., in der Flatrate von Joyn, Lionsgate+ und Rakuten TV

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