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Die Heteros sterben aus. Die Lesben aber auch

So viel queeren Nachwuchs gab's noch nie: 20 % der jungen Erwachsenen definieren sich als LGBTQ! Aber: Mit den Begriffen "lesbisch" und "schwul" können sie nicht mehr viel anfangen. Dies und mehr fand eine neue Studie in den USA heraus.

Richard Overtoom, CC-BY

Von Karin Schupp

l-mag.de, 9.4.2017 - Die Welt wird queerer: 20 % der jungen Erwachsenen (18-34 Jahre) in den USA identifizieren sich als LGBTQ. Zum Vergleich: In der nächstälteren Altersgruppe (35-51 J.) sind es 12 %, bei den 52-71-Jährigen liegt der Anteil bei 7 % und bei den Alten (72+ J.) bei 5 %. Das ergab eine Befragung des US-amerikanischen LGBT-Medienverbands GLAAD.

20 Prozent sind LGBTQ - aber nur 3 Prozent sind "L" oder "G"

Konkret nach ihrer sexuellen Orientierung gefragt, bezeichnet sich 86 % der Millennials als „strikt heterosexuell“, während das in den älteren Altersgruppen auf über 90 % zutrifft.

Dennoch erhöht sich interessanterweise nicht der Anteil derjenigen, die sich als „strictly lesbian/ gay" (strikt lesbisch/ schwul) definieren: Das tun nur 3 % der jungen Erwachsenen – womit sie kaum über dem Durchschnitt liegen. 8% identifizieren sich als „bisexuell“ oder „pansexuell“, 5 % als „asexuell“, und 1 % als „unsicher“, was zeigt, dass auch viele derjenigen, die (noch) keine sexuellen Erfahrungen haben, sich nicht automatisch für hetero halten.

Graphik: GLAAD

Geschlechtergrenzen sind fließender geworden

Dass sich zwar 20 % der Millennials als LGBTQ bezeichnen, aber nur 14 % als nicht ausschließlich heterosexuell, erklärt sich wohl auch durch den relativ hohen Anteil an trans* und nicht-genderkonformen Befragten, die sich ebenfalls dem LGBTQ-Label zurechnen:

2 % sind Trans* (was dem Durchschnitt entspricht), 8 % sind nicht "cisgender" (d.h. ihre Geschlechtsidentität stimmt nicht mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht überein), weitere 2 % sind sich nicht sicher. Das heißt: auch die Grenzen zwischen Mann und Frau sind für sie nicht mehr so eindeutig festgetackert wie bei den älteren Generationen.

Graphik: GLAAD

Millennials kennen weniger Lesben und Schwule als die Älteren

Ein weiteres interessantes Ergebnis: 65 % der jüngeren Befragten, egal welcher sexuellen Orientierung, kennen Lesben oder Schwule – eine Zahl, die zunächst hoch erscheint, bis man liest, dass es bei den Älteren sogar rund drei Viertel sind. Und da die junge Generation sicherlich nicht weniger Queers kennt als ihre Eltern und Großeltern, ist das ein weitere Beleg dafür, dass sie sich in den traditionellen Begrifflichkeiten offenbar nicht mehr wiederfinden.

Eine Begründung für diese Entwicklung liefert die Studie nicht. Zögern Millennials, sich auf eine eindeutige sexuelle Präferenz festzulegen? Empfinden sie die Begriffe „lesbian/ gay“ (bzw. „lesbisch/ schwul“) schlicht als altmodisch, überholt oder unschön? Oder haben sie den Eindruck, dass wir in Zeiten leben, in denen die Ungleichbehandlung Homosexueller überwunden ist und die sexuelle Orientierung auch für Heteros keine Rolle mehr spielt?

Graphik 3: GLAAD

Ganz so rosig sieht die Realität indes nicht aus - auch das zeigt die GLAAD-Studie: Mehr als ein Viertel der Hetero-Befragten fühlt sich in bestimmten Situationen mit LGBTQ-Personen oder -Themen "unwohl", etwa wenn sich ein Familienmitglied outen würde (27%), ihr Arzt/ Ärztin LGBTQ wäre (28%), ein gleichgeschlechtliches Paar Händchen hält (29%) oder ihr Kind eine Unterrichtsstunde zur Geschichte von LGBTQ gehabt hätte (34%).

"Eine neue Ära des Verständnisses und der Akzeptanz"

Dennoch: Die Homophoben sind in den USA eine – wenn auch starke - Minderheit, und der positive Trend geht nach oben, wie Vergleichszahlen aus den Vorjahren zeigen. Entsprechend hoffnungsvoll zeigt sich GLAAD-Boss Sarah Kate Ellis. „Diese Studie zeigt eine neue Ära des Verständnisses und der Akzeptanz unter jungen Menschen – ein inspirierender Hinweis auf die Zukunft“, kommentierte sie die Ergebnisse. „Auch wenn Gesetze aufgehoben werden können, haben sich Herz und Verstand zum Besseren verändert – und das ist eine Realität, die sich nicht so leicht wieder auflösen lässt.“

An der Online-Befragung, die Anfang November 2016 in den USA stattfand, beteiligten sich 2.037 Menschen. Auftraggeber ist der Verband GLAAD (Gay & Lesbian Alliance Against Defamation), der sich gegen homo- und transphobe Diskriminierung in den Massenmedien und für die faire, inklusive Darstellung von LGBTQ einsetzt.

Die GLAAD-Studie „Accelerating Acceptance2017“ steht hier online.

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