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Filmtipp „Bottoms“: Mit lesbischem Fight Club die Cheerleaderinnen erobern

In der Highschool-Komödie „Bottoms“ gründen zwei lesbische Underdogs einen „Fight Club“ für ihre Mitschülerinnen. Ihr Ziel: die Herzen der Cheerleaderinnen zu gewinnen. Der überdrehte Spaß mit queerem Cast steht jetzt bei Amazon Prime.

Josie (Ayo Edibiri) und PJ (Rachel Sennott, 1. und 2. von links) und ihr Female Fight Club

Von Karin Schupp

26.11.2023 - Die besten Freundinnen PJ (Rachel Sennott) und Josie (Ayo Edibiri), klassische Underdogs an ihrer Highschool, wollen endlich ins Blickfeld ihrer Schwärme rücken und greifen dazu auf ungewöhnliche Maßnahmen zurück: Das Muster kennt man aus vielen Teenie-Sexkomödien, aber hier geht’s nicht um das Hetero-Mauerblümchen, das den Schönling der Schule anhimmelt, sondern um zwei Junglesben, die es auf die hübschen Cheerleaderinnen Brittany (Kaia Gerber) und Isabel (Havana Rose Liu) abgesehen haben.

Ihr miserables Standing in der Hierarchie - „Niemand hasst uns, weil wir lesbisch sind. Alle hassen uns, weil wir lesbisch, untalentiert und hässlich sind!“, beklagt sich PJ gleich zu Anfang – ändert sich aber schlagartig, als das (natürlich unwahre) Gerücht kursiert, dass sie im Sommer im Jugendknast gewesen seien.

Mit neuem Bad Girls-Image die Cheerleaderinnen erobern

Eine Zufallsumdrehung später leiten die beiden einen Selbstverteidigungskurs oder – je nach Lesart der Teilnehmerinnen - Fight Club für ihre Mitschülerinnen. Und was sie selbst nur als wunderbare Chance verstehen, mit ihrem neuen Bad Girls-Image die Herzen von Brittany und Isabel zu gewinnen, wird für die anderen zum Female Empowerment-Booster, der sie ermutigt, sich gegen die Macho-Jungs zu wehren.

Zunächst läuft‘s also für alle gut, bis PJ und Josie – so will es das Genre – plötzlich hart auf den Boden der Realität aufknallen und einen neuen Anlauf benötigen, um zu zeigen, dass sie’s eben doch drauf haben und das Patriarchat nicht gewinnen darf. Und natürlich – auch das ein Genre-Muss - klappt’s dann auch mit der Liebe!

Orion Pictures/ Patty Perret Regisseurin Emma Seligman mit Ayo Edebiri (l.) und Rachel Sennott (r.)

Hochtourig und gnadenlos überzeichnet

Bottoms ist eine hochtourige und gnadenlos überzeichnete Komödie: Isabel und Brittany sind arrogante „Queen Bees“ in Reinkultur, Football-Quarterback Jeff (Nicholas Galitzine, bekannt aus dem Schwulenfilm Royal Blue) ist gottgleiche Person und sexgeiler Volltrottel zugleich, und „Empowerment“ bedeutet für einige Fightclubberinnen nicht nur Selbstbewusstsein, sondern das Ausleben ihrer Gewaltfantasien.

Rachel Sennott und Ayo Edebiri (Emmy-nominiert für ihre Rolle in der Serie The Bear) verkörpern ihre Rollen glaubwürdig, obwohl sie schon deutlich älter als ihre Charaktere sind – und Sennott beweist zudem Mut zur Kotzbrockigkeit, denn anders als die introvertierte, empathische Josie ist PJ unsensibel, großmäulig und behandelt andere genau so, wie sie selbst nicht behandelt werden will - allen voran die nette und sichtlich ebenfalls lesbische Hazel (Ruby Cruz, Willow), die zur dritten Hauptfigur wird.

In US-Kinos hatte der Film ein „R Rating“, also eine Altersfreigabe ab 17 Jahren, was ein wenig überrascht und keine falschen Erwartungen auslösen sollte. Sex gibt’s jedenfalls keinen, dafür einige comichafte Gewaltszenen (die in Heterofilmen normalerweise durchgewunken werden) und in den Dialogen „sexuelle Anspielungen“ und „obszöne Ausdrücke“.

Den Trailer gibt es leider nur im englischen Original. Wenn euer Browser ihn nicht anzeigen sollte, dann schaut ihn hier auf Youtube an.

„Horny, chaotische Teenagerinnen, die zufällig queer sind“

Bottoms ist nicht mehr, aber auch nicht weniger als ein überdrehter, harmloser Spaß für einen Streaming-Abend mit Mikrowellenpopcorn. Und queere Glaubwürdigkeit gibt’s noch dazu: Sowohl die Regisseur Emma Seligman als auch alle Schauspielerinnen, die queere Charaktere verkörpern, sind lesbisch, queer, bi– oder pansexuell.

„Es fehlt an Storys über queere Teenager, die horny und nicht perfekt sind“, sagte Seligman, die mit Sennott das Drehbuch schrieb (zusammen drehten sie auch schon den Film Shiva Baby mit Sennott in der bisexuellen Hauptrolle), dem Hollywood Reporter. „Ich wollte einfach mal oberflächliche, horny, chaotische Teenagerinnen sehen, die zufällig queer sind.“ Genau das ist ihr mit viel Schwung von Anfang bis zum Ende (schaut euch auch den Abspann an!) gut gelungen!

Bottoms, USA 2023, Regie: Emma Seligman, Buch: E. Seligman/ Rachel Sennott, 91 min., exklusiv bei Amazon Prime Video (Flatrate)

 

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