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Die lesbische Tomboy-Queen

Ab heute im Kino: "The Girl King" erzählt die ungewöhnliche Geschichte der schwedischen Königin Kristina und macht ihre Liebe zur ihrer Hofdame zum Dreh- und Angelpunkt. Ein faszinierendes Thema, aus dem man aber mehr hätte machen können.

NFP Malin Buska (r.) und Sarah Gadon

Von Karin Schupp

l-mag.de, 21.7.2016 - Es war einmal eine Königin, die stets Männerkleidung trug, sich weigerte zu heiraten und heute als feministische Lesbe gelten würde. Kristina von Schweden (1626-1689), eine der faszinierendesten Frauen der Weltgeschichte, war klug und extravagant, liebte Kunst, Literatur, Theater und Philosophie, gab das royale Budget lieber für rauschende Feste als für Kriege aus (außer wenn es Kunstschätze zu erbeuten gab!) und war - wie durch Briefe belegt ist - mit ihrer Hofdame Ebba Sparre liiert. Mit 28 Jahren dankte sie freiwillig ab, wurde katholisch und zog nach Rom, wo sie das erste Theater gründete, in dem auch Frauen auftreten durften. Kristina ist die historische Persönlichkeit, für die ich im Geschichtsunterricht gerne einige männliche Eroberer übersprungen hätte, und deren Leben Stoff für eine saftige Fernsehserie hergäbe.

Sexuelle Befreiung der rebellischen Königin

Ein The L Word als Kostümdrama bietet Mika Kaurismäki mit The Girl King nicht, hält sich aber immerhin stärker an die Fakten als Greta Garbos Königin Christine (1933), der trotz des legendären Kusses zwischen Kristina und Ebba eine frei erfundene Hetero-Lovestory erzählt. Seine Kristina (Malin Buska) ist eine rebellische Tomboy-Queen und die Liebe zwischen ihr und Ebba Sparre (Sarah Gadon) Dreh- und Angelpunkt des Films: Ebba zu ihrer Kammerzofe zu machen, ist der erste Akt ihrer Emanzipation von Vaterfigur und Reichskanzler Oxenstierna (Michael Nyqvist), sie zur „Bettvorwärmerin“ zu befördern, ist ihre sexuelle Befreiung, und ihr späterer Liebeskummer wird zur Antriebsfeder für ihren Abdankung.

Doch leider bleibt der Film so blutleer wie ein Wikipedia-Eintrag, und seiner merkwürdig steifen Hauptfigur kommt man nie wirklich nahe. Kristinas Sexszene mit Ebba wirkt ein wenig hölzern, und man wird das Gefühl nicht los, ausgerechnet den zehn freudlosesten Jahren ihres Lebens zuzusehen. Missmutige Männer mit Bärten, die mit ihrer Regentschaft, ihrer Religion und ihrem Liebesleben unzufrieden sind, texten Kristina Szene um Szene zu, und was genau Kaurismäki eigentlich an der Königin interessiert, bleibt bis zuletzt unklar.

Aber wer seinen Film mit der Einblendung „Sie starb mit 63 als Jungfrau“ enden lässt, hat wenig verstanden, und wer diesen spannenden Stoff derart leidenschaftslos inszeniert, sollte lieber Dokus drehen. Ich hoffe weiterhin auf The L Word – The Queen Kristina Years!

The Girl King, FIN/ D/ F/ CDN 2015, Regie: Mika Kaurismäki, mit Malin Buska, Sarah Gadon, Michael Nyqvist, Martina Gedeck, ab 21. Juli im Kino


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