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Olympischer Rekord: 36 lesbische, bisexuelle und queere Sportlerinnen in Mailand & Cortina

Bei den Olympischen Winterspielen in Mailand und Cortina d’Ampezzo sind (mindestens) 36 offen lesbische, bisexuelle und queere Sportlerinnen am Start – ein neuer Rekord: in Peking 2022 waren es noch 24. Erstmals sind auch zwei Deutsche dabei.

Instagram/nicole_silveiraDas brasilianisch-belgische Paar Nicole Silveira (l.) und Kim Meylemans tritt im Skeleton geganeinander an

Von Karin Schupp

8.2.2026 - Ein neuer Rekord bei den Olympischen Winterspielen: Vor vier Jahren in Peking waren noch 24 offen lesbische, bisexuelle und queere Sportlerinnen dabei – ungefähr so viele sind es in diesem Jahr alleine im Eishockey. Insgesamt gehören dem inoffiziellen Team L in Mailand und Cortina (noch bis 22. Feb) 36 Athletinnen an.

 

Eiskunstlauf:

Im Eiskunstlauf sind sechs offen queere Männer am Start, bisher aber nur eine Frau: Amber Glenn (USA), die die letzten drei US-Meisterschaften gewann, outete sich 2019 als pansexuell und hielt nach einem Titelgewinn auch schon mal die Progress Pride-Flag hoch.

Snowboard:

Maddy Schaffrick, die für die USA in der Halfpipe antritt, hatte eigentlich mit 20 ihre Karriere beendet, kehrte aber 2025, zehn Jahre später, in den Wettkampfsport zurück. 2023 machte sie ihre Beziehung mit ihrer Verlobten Sam öffentlich.

Ski Alpin:

Breezy Johnson (USA), die sich 2022 als bisexuell outete (K-Word #480), ist nicht nur die amtierende Weltmeisterin in der Abfahrt, sondern seit Sonntag auch die erste Sportlerin aus Team LGBTQ, die 2026 Gold holte.

Instagram Amber Glenn, Maddy Schaffrick und Breezy Johnson (v.l.n.r.)

Freestyle-Skiing:

Sandra Näslund (SWE), Goldmedaillengewinnerin 2022 im Skicross, ist wieder gut in Form: In der aktuellen Weltcup-Saison hat sie schon fünf Siege geholt. Vor vier Jahren war die 29-Jährige noch mit ihrer Freundin Hanna zusammen, 2024 trennten sie sich.

Mathilde Gremaud (SUI) hat schon drei olympische Medaillen, darunter Gold in Slopestyle, in Mailand tritt sie auch im Big Air an. Die 25-Jährige hat auch eine rasante Freundin: die österreichische Mountainbikerin Vali Höll ist mehrfache Weltmeisterin im Downhill.

Lara Wolf (AUT), die im Slopestyle und Big Air an ihren dritten olympischen Spielen teilnimmt, beendete Ende 2023 zunächst ihre Karriere. Ein Jahr später kehrte sie aber schon wieder zurück und wurde direkt Vizeweltmeisterin im Slopestyle. Die Tirolerin outete sich Ende 2021 als lesbisch und heiratete im letzten Jahr ihre Lebensgefährtin Tabitha.

Die Britin Makayla Gerken Schofield, die sich als pansexuell definiert, war schon in Peking 2022 in der Disziplin Moguls (Buckelpiste) am Start.

Instagram Queere Freestylerinnen: Makayla Gerken-Schofield, Lara Wolf, Sandra Näslund, Mathilde Gremaud (v.l.n.r.)

Biathlon:

Shilo Rousseau (CAN) hält im Biathlon die Regenbogenflagge hoch - im wahrsten Sinne des Wortes: Die Olympia-Debütantin, die häufig Fotos mit ihrer Freundin Anna postet, hat den Griff ihres Gewehrs mit einer Regenbogenfahne geschmückt. Das wurde ihr im Dezember zunächst verboten, inzwischen aber von der International Biathlon Union erlaubt.

Skeleton:

In der Eisröhre tritt – wie bereits 2022 in Peking - ein Paar gegeneinander an: Kim Meylemans (BEL) und Nicole Silveira (BRA) heirateten im letzten Jahr und wollten damit auch ein politisches Zeichen gegen Italiens Rechtsregierung setzen (K-Word #622). Meylemans, die auch die deutsche Staatsbürgerschaft hat, hat als amtierende Welt- und Europameisterin. die besseren Medaillenchancen. Silveira war dafür bei der Eröffnungsfeier Fahnenträgerin ihres Landes.

Instagram Die Biathletin Shilo Rousseau und das Skeleton-Ehepaar Niole Silveira und Kim Meylemans (v.l.n.r.)

Eisschnelllauf:

Mit guten Medaillenchancen gehen die dreifache Olympiasiegerin Martina Sáblíková (über 3000/5000 Meter) und Nikola Zdráhalová, frisch gebackene Europameisterin über 1000 Meter, ins Rennen. Die Tschechinnen sind seit dreizehn Jahren ein Paar und outeten sich und ihre Beziehung im letzten Jahr (K-Word #616). Für Sábliková werden ihre fünften Olympischen Winterspiele zugleich ihre letzten sein.

Brittany Bowe (USA), Weltrekordhalterin über 1000 Meter, besitzt bereits zwei olympische Bronzemedaillen (2018, 2022). Ihr größter Gewinn aber, den sie quasi aus Peking 2022 mitbrachte, ist ihre Freundin Hilary Knight, Kapitänin der US-Eishockey-Frauen (siehe dort): Ihre Liebe begann damals bei gemeinsamen Spaziergängen. 

Instagram Medaillenchancen im Eisschnelllauf: Brittany Snowe, Martina Sáblíková und Nikola Zdráhalová (v.l.n.r.)

Eishockey:

Was der Fußball bei den Olympischen Sommerspielen ist, ist Eishockey beim Wintersport. 23 der 36 offen lesbischen und bisexuellen Spielerinnen sind hier gemeldet, darunter auch die einzigen beiden Deutschen im Olympiateam: Carina Strobel (ECDC Memmingen), seit 2022 mit ihrer Partnerin Stefanie Kostadinov verheiratet, und die Deutsch-Kanadierin Nina Jobst-Smith. Sie wuchs in Kanada auf und ist mit Ashton Bell, ihrer kanadischen Teamkollegin (Gold in Peking 2022) bei den Vancouver Goldeneyes, zusammen. In ihrem Debüt am Donnerstag schoss Nina übrigens das erste Tor seit der letzten deutsche Olympia-Teilnahme 2014.

Die einzige (offen) queere Vertreterin des tschechischen Nationalteams ist Kristýna Kaltounková (New York Sirens), die als eines der größten Nachwuchstalente weltweit gilt.

Instagram Eishockey: Carina Strobel und Nina Jobst-Smith, beide Team GER, und Kristýna Kaltounková (CZE)

Die Finninnen, die bei den letzten beiden olympischen Spielen Bronze holten, haben sechs queere Spielerinnen im Kader: Michelle Karvinen ist mir ihrer Frau Josie verheiratet, Anni Keisala mit ihrer Frau Sanita. Auch Ida Kuoppala ist offen lesbisch, ebenso wie Viivi Vainikka, die mit der schwedischen Ex-Eishockeyspielerin Anna Andersson liiert ist.

Instagram Michelle Karvinen, Ida Kuoppola, Anni Keisala und Viivi Vainikka (v.l.n.r.)

Sanni Ahola (FIN) und Laura Zimmermann, die einzige offen lesbische Schweizerin bei den Olympischen Spielen, gehören zu den beiden länderübegreifenden Paaren im Eishockey. Auch Aholas Nationalteamkollegin Ronja Savolainen ist mit einer Konkurrentin, der Schwedin Anja Kjellbin, liiert. Die beiden spielen auch in der kanadischen Liga in gegnerischen Teams. „Auf dem Eis ist sie meine Feindin. So ist das eben“, sagt Savolainen (Bronze 2018, 2022) über ihre Verlobte. „Danach ist man wieder befreundet.“ Im schwedischen Team ist auch Lina Ljungblom (Montreal Victoire) offen lesbisch.

Instagram Laura Zimmermann & Sanni Ahola, Anja Kjellbin & Ronja Savolainen, Lina Ljungblom (v.l.n.r.)

Team France bringt zwei lesbische Spielerinnen mit: Die Olympia-Debütantin Chloe Aurard-Bushee ist seit vergangenen Oktober mit ihrer Frau Ella verheiratet. Lore Baudrit gehört mit 34 Jahren und 250 Länderspielen zu den Veteraninnen des Turniers. Die Teamkapitänin spielt beim ERC Ingolstadt und hat hat mit ihrer Lebensgefährtin Marion einen Sohn (1).

Instagram Chloe Aurard-Bushee (l.) und Lore Baudrit aus Team France

US-Teamkapitänin Hilary Knight spielt in Mailand ihr fünftes und letztes olympisches Turnier. Die Eishockey-Legende (36), die eine Gold- und drei Silbermedaillen ihr eigen nennt, ist seit den 2022 mit der Eisschnellläuferin Brittany Bowe (siehe dort) zusammen. Zum dritten Mal dabei sind Cayla Barnes, die im Gold-Team 2018 war und mit der Eishockeyspielerin Hope Walinski liiert ist, und Alex Carpenter (Silber 2014/2022), die 2023 ihre Frau Steph Klein heiratete.

Instagram Hilary Knight, Cayla Barnes, Alex Carpenter (v.l.n.r.) stehen für die USA auf dem Eis

Top-Favorit Kanada - 5x Gold und 1x Silber seit 2002 - hat ein Ehepaar in seinen Reihen: Kapitänin Marie-Philip Poulin und Laura Stacey sind seit neun Jahren zusammen und seit 2024 verheiratet. Schon 2019 heirateten Brianne Jenner und ihre Frau Hayleigh Cudmore, die sich in ihrem Collegeteam kennen lernten. Das Paar hat drei Kinder. Auch Torhüterin Emerance Maschmeyer und ihre Frau Geneviève Lacasse - ihre Vorgängerin im kanadischen Tor - sind seit 2024 Eltern. Erin Ambrose schrieb im Oktober 2020 in einem Essay für Hockey Canada  über ihren Kampf gegen Depressionen und ihr Coming-out. Im letzten Jahr veröffentlichte sie eine „Pride“-Kleidungskollektion. Emily Clark ist mit der kanadischen Nationalspielerin Jaime Bourbonnais zusammen, die diesmal aber nicht im Kader ist.

Instagram Team Kanada: Emerance Maschmeyer, Emily Clark, Marie-Philip Poulin & Laura Stacey, Brianne Jenner, Erin Ambrose (v.l.n.r.)

Und das restliche Team LGBTQ:

Auch zehn offen schwule und bisexuelle Männer kämpfen die Mailand und Cortina um Medaillen: Die sechs Eiskunstläufer Filippo Ambrosini (ITA), Lewis Gibson (GBR), Paul Poirier (CAN), Filip Taschler (CZE) sowie die Franzosen Guillaume Cizeron und Kevin Aymoz, der Eisschnellläufer Conor McDermott-Mostowy (USA), die Freestyler Nick Novak (CZE) und Gus Kenworthy (GBR) sowie ein weiterer Brite, Bruce Mouat, im Curling. 

Hinzu kommt Freestyler Elis Lundholm als einziger trans Athlet der Olympischen Spiele: Der Schwede tritt bei den Frauen auf der Buckelpiste an, weil er sich keiner geschlechtsangleichenden Behandlung unterzogen hat. Dass es Online-Hate geben wird, ist dem 23-Jährigen bewusst, „aber ich mache mein Ding und schere mich nicht darum“, sagte er vor seiner Abreise.

 

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