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Kinotipp: Lesbischer Horror auf leisen Sohlen

Zwischen Coming Out-Story, Fantasy und Thriller: Als sich die schüchterne Studentin Thelma in Anja verliebt, wird sie von mysteriösen Anfällen gepackt, und merkwürdige Dinge passieren um sie herum… Der norwegische Film "Thelma" startet am 22. März im Kino

Motlys AS

Von Anja Kümmel

21.3.2018 - Wer empfindlich auf Stroboskoplicht reagiert, sollte bei einigen Szenen in Joachim Triers viertem Spielfilm besser die Augen schließen. Zum Beispiel in jener Sequenz, in der Thelma (Eilie Harboe), festgeschnallt auf einem Krankenhausbett, einem stetig steigenden Stresslevel in Kombination mit Lichtblitzen ausgesetzt wird, um einen epileptischen Anfall bei ihr auszulösen.

Obwohl der Horror in Thelma eher auf leisen Sohlen daherkommt, ist diese Szene eine der verstörendsten des Films. Die Kälte der medizinischen Apparaturen, der distanziert-grausame Blick des Arztes – all das erinnert nicht nur an eine High-Tech-Version von Der Exorzist, sondern steht auch in der Tradition des Female Body Horror, in dem die Unterdrückung weiblicher Sexualität und Stärke durch patriarchale Strukturen ein zentrales Thema ist.

Zu Beginn des Films sehen wir Thelma einsam den Osloer Universitätscampus erkunden. Die junge Frau hat keine Freunde, trinkt nicht, geht auf keine Party. Dass sie isoliert in einem streng christlichen Elternhaus an der Küste Norwegens aufwuchs, erfahren wir in Rückblenden, die eine unterschwellige Beklemmung hinterlassen. Allabendlich ruft Thelma ihre Eltern an, die sie über ihre Schlaf- und Essgewohnheiten ausfragen und offenbar auch über ihre Facebook-Aktivitäten bestens Bescheid wissen.

Als sich Thelma in Anja verliebt, bekommt ihre Routine Risse

Erst als sich Thelma in ihre Kommilitonin Anja (Kaya Wilkins) verliebt, bekommt ihre Routine Risse. Nicht nur wird sie plötzlich von mysteriösen „epileptischen“ Anfällen heimgesucht, auch um sie herum geschieht Merkwürdiges: Schwarze Vögel krachen in die Fensterscheibe der Bibliothek; nachts kriecht eine Schlange in Thelmas Zimmer. Und dann steht Anja eines Nachts vor Thelmas Tür, ohne zu wissen, wie sie dort hingekommen ist. Visionen einer jungen Frau, die völlig überfordert ist von ihrem erwachenden Begehren? Oder schlummern in Thelma gar übersinnliche Fähigkeiten?

Subtil bedient sich Trier Horror- und Suspense-Anleihen, von Hitchcock bis hin zu Brian De Palmas Carrie; die langen Einstellungen hingegen suggerieren eher ein Psychodrama im Stil von Ingmar Bergman.

Ohne das Geheimnis seiner Hauptfigur endgültig preiszugeben, hält Thelma gekonnt die Spannung zwischen Coming-out-Geschichte, Thriller und Fantasy – und besticht überdies durch seine skandinavisch-unterkühlte Ästhetik. Ein Fest für Fans von Filmen, die Genregrenzen sprengen! 

Thelma, Norwegen u.a. 2017, Regie: Joachim Trier, Buch: Joachim Trier/ Eskil Vogt, mit Eili Harboe, Kaya Wilkins u.a., 116 min., Kinostart: 22. März

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