L-Mag

L-MAG-Gründerin und Verlegerin Manuela Kay: Abschied nach 23 Jahren

Was Lesben wirklich wollen: Von der zündenden Idee zum ersten Heft für Lesben im deutschsprachigen Raum - Manuela Kay, L-MAG-Gründerin, langjährige Verlegerin und Geschäftsführerin im Verlag, verabschiedet sich mit einem Rückblick.

Tanja Schnitzler

von Manuela Kay, 1.11.2026

Was Lesben wirklich wollen

Skeptische Blicke. Nur zögerlich wurde nach dem kleinen Heft im DIN-A5-Format gegriffen, das ich, mit meinem hoffentlich schönsten Lächeln, versuchte, an die vorbeilaufenden Frauen zu verteilen.

„Ein Magazin für Lesben, was soll das denn?“ Die Begeisterung hielt sich anfangs durchaus in Grenzen. Einige allerdings waren auch erfreut darüber, etwas Neues und Kostenloses in die Hand gedrückt zu bekommen.

Die selbstbewusst gewählten Titelzeilen auf dem Heft, „Was Lesben wirklich wollen“, wurden vielfach mit der Frage gekontert: „Ja, was wollen sie denn?“

So standen wir, das damalige Team des queeren Berliner Stadtmagazins SIEGESSÄULE, im Sommer 2003 in Hamburg auf dem CSD und verteilten die druckfrische Erstausgabe des Magazins für Lesben – L-MAG. Auf Anregung unseres Verlegers Reiner Jackwerth hatte die Chefredaktion, bestehend aus meinem Kollegen Peter Polzer und mir, sich etwas ausgedacht und mit einigen anderen im kleinen Team ein bundesweites Medium für lesbische Leserinnen erschaffen.

Nach anfänglicher Skepsis bald viel Zuspruch und Begeisterun

Die CSD-Saison sollte den Auftakt für die Verbreitung bilden, damals fing diese in Hamburg an. Wir tourten noch weiter mit über 20.000 Heften im Mietwagen von Berlin nach München, Frankfurt, Stuttgart und Köln und verteilten „nah an der künftigen Leserin“ die Hefte persönlich. Neben der anfänglichen Skepsis gab es bald auch viel Zuspruch und Begeisterung.

Das ursprüngliche Konzept, ein kostenloses Lifestyle-Heft für Lesben zu machen, ging nicht ganz auf. 2005 wurde L-MAG zu einem Verkaufsheft, etwas später auf das DIN-A4-Format vergrößert und eigentlich erst ab dann wirklich ernstgenommen.

Mittlerweile hat L-MAG eine eigene, vom Schwesterheft SIEGESSÄULE unabhängige Redaktion im selben Verlag und eine durchaus bewegte Geschichte von 23 Jahren aufzuweisen. Im Laufe der Zeit gab es viele tausend Leser:innen, Unterstützer:innen, Abonnent:innen und Interviewte. Hingebungsvolle Autor:innen und Fotograf:innen, die dabei halfen, einzigartige Berichte zu realisieren, die wohl in keinem anderen Medium in Deutschland so stehen würden. Euch allen gehört mein tiefer Dank.

Eine von elf ist hetero

Natürlich gab es da auch die lesbischen Spezialthemen, zum Beispiel Fußball. Als 2011 die WM der Frauen in Deutschland stattfand, wollten wir auf den hohen Lesbenfaktor hinweisen und unsere Lieblingsspielerinnen als Vorbilder für ein souveränes lesbisches Leben präsentieren. Doch keine wollte aufs Cover, der DFB stellte sich quer und zeigte sich von seiner homophoben Seite.

Also bildeten wir eine der wenigen Spielerinnen ab, bei deren Heterosexualiät wir uns relativ sicher sein konnten und betitelten das Heft „Eine von elf ist hetero“. Es war das bestverkaufte Heft aller Zeiten und ich bin ehrlich gesagt bis heute stolz auf diesen Kniff.

Feuer und Flamme für Feminismus

Immer war L-MAG ganz offensiv feministisch, weil Feminismus und Lesbischsein für uns einfach zusammengehören. So hieß es auf der Ausgabe 4/2017 „Feuer und Flamme für Feminismus“ – ein Motto eigentlich für alle L-MAG-Ausgaben.

Dennoch wurde L-MAG in politischfeministischen Zusammenhängen oft übersehen und als eine feministische Stimme nicht ernst genug genommen. Das fand ich schmerzhaft.

Und innerhalb der Community – sowohl in Arbeitszusammenhängen, als auch in aktivistischen – habe ich oft gestaunt, wer alles das Label „feministisch“ vor sich herträgt. Es reicht meiner Meinung nach nicht, nur das Patriarchat scheiße zu finden, oder manche Männer doof. Feminismus heißt für mich auch, den Umgang mit anderen Frauen entsprechend solidarisch zu definieren. Selbst bei gravierenden Meinungsverschiedenheiten eine Komplizinnenschaft zu begründen, um den Feind nicht in den eigenen Reihen zu bekämpfen, sondern dort, wo er wirklich sitzt.

Souverän lesbisch

Der Begriff lesbisch ist mittlerweile unpopulär geworden, als richtig sexy galt er ja nie … Dennoch finde ich, er sollte erhalten bleiben und (queer-)politisch genutzt werden. Nicht als Ausschluss oder Verengung von Lebensstilen, sondern als Präzision eines Lebensgefühls.

Dieses kann aus meiner Sicht gleichzeitig queer, trans oder homo sein, ganz wie es das eigene Empfinden eben hergibt. „Souverän lesbisch“ stand schon früh und später immer wieder auf dem Heft. Und genau darum – um Souveränität und gelassenes Lesbischsein im besten Sinne – sollte es uns doch gehen.

Schluss mit Stillstand

Auch wenn es bereits 2021 „Schluss mit Stillstand“ auf dem Cover hieß, so ist weder die 23-jährige Geschichte von L-MAG noch meine journalistische Karriere je von Stillstand geprägt gewesen.

Ich durfte L-MAG miterfinden, auf den Markt bringen und viele Jahre als Chefredakteurin inhaltlich prägen. 2012 gründeten Gudrun Fertig und ich den Special Media SDL Verlag und übernahmen SIEGESSÄULE und L-MAG vom damaligen Verleger. Damit waren wir übrigens eines der sehr wenigen von Lesben geführten queeren Unternehmen im Land.

Mit der Gründung der SIEGESSÄULE – Queere Medien Genossenschaft eG im Februar 2026 war klar, dass dies ein Schritt in eine hoffentlich gesichertere, aber auch neu gestaltete Zukunft werden würde. Daher ist es nun, nachdem die Genossenschaft mit ihren über 450 Mitgliedern den Verlag übernommen hat, Zeit für mich, zu gehen.

Ich werde weiter für Feminismus brennen – und für lesbische Sichtbarkeit. Und stets souverän und kämpferisch auf medialen und aktivistischen Wegen dafür eintreten. Stillstand wird es bei mir hoffentlich nie geben. Und der Frage, was Lesben nun eigentlich wirklich wollen, werde ich weiter nachgehen.

Ich werde es euch wissen lassen, wenn ich eine Antwort gefunden habe.

 

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