L-Mag

Neue #MeToo-Vorwürfe in der Filmbranche – jetzt heißt es: #genuggeschwiegen

Nachdem die queere Schauspielerin Merve Aksoy schwere Vorwürfe gegen den Regisseur Engin Kundağ erhoben hat, fordert eine Petition gesetzliche Maßnahmen gegen Machtmissbrauch, sexuelle Übergriffe und Gewalt an Filmsets und Theatern.

19.3.2024, red. - #MeToo ist immer noch aktuell, und jetzt kommt ein neuer Hashtag hinzu: Unter #genuggeschwiegen läuft seit Anfang März eine Petition, die von Kulturstaatsministerin Claudia Roth konkrete gesetzliche Maßnahmen gegen Machtmissbrauch und sexuelle Übergriffe an Theatern und Filmsets verlangt.

Aufhänger sind die Vorwürfe, die Merve Aksoy (L-MAG-Interview 2021) gegen Regisseur Engin Kundağ erhebt. Für dessen Film Ararat stand sie vor drei Jahren vor der Kamera.

Aksoy: Gewalt am Set und unerlaubte Nacktbilder im Film

Im Februar machte die queere Schauspielerin im Stern öffentlich, dass es beim Drehen einer Filmszene zu nicht abgesprochenen, echten Schlägen gekommen sei, schon beim Casting sei sie geohrfeigt worden. Außerdem habe sie sich zu Nacktaufnahmen drängen lassen, sei aber davon ausgegangen, dass im Film nur ihr Gesicht zu sehen sein würde. Erst bei der Premiere von Ararat auf der Berlinale 2023 habe sie festgestellt, dass Kundağ die Nacktbilder verwendet hatte - gegen ihren Willen und obwohl ein entsprechender Passus in ihrem Vertrag das verbot.

Diese Frage des Vertragsbruchs wird seit letztem Jahr vor dem Berliner Arbeitsgericht verhandelt, der Prozess wird am 19. Juni fortgesetzt, weil sich die beiden Parteien auf keinen Vergleich einigen konnten. Was den Vorwurf der Gewalt angeht, erstattete Aksoy kürzlich Strafanzeige gegen den Regisseur, ihren Spielpartner und den Darsteller ihres Vaters.

Kundağ dementierte sämtliche Vorwürfe und wirft – so heißt es in der Petition - Aksoy „Rachsucht als Motiv“ vor. Im Stern ließ er seinen Anwalt erklären, dass er „Wert auf einen achtsamen Umgang mit allen Personen“ lege, es die Ohrfeige nie gab und Aksoy „psychisch labil“ sei.

Gesetzliche Regelungen müssen vor Gewalt und Übergriffen schützen

Der offene Brief an Claudia Roth, den Aksoys Lebensgefährtin Marisa Mrachacz und die lesbische Autorin Marie Marén Nitz verfassten, schildert Aksoys Fall ausführlich, stellt die Forderungen aber im Namen aller Film- und Theaterschaffenden, die von „Machtmissbrauch, körperlicher und seelischer Gewalt, sexuellen Übergriffen, Cholerik und Mobbing“ betroffen sind. Sie sind in ihrem Beruf nicht nur zu wenig geschützt, heißt es dort, sondern müssen befürchten, als Lügner:innen oder „Einzelfall“ dargestellt zu werden und keine Jobs mehr zu bekommen, wenn sie ihren Fall öffentlich machen. Auch die Produktionsfirmen würden in „diesem täter:innenfreundlichen System eine Schlüsselrolle“ einnehmen und solche Vorfälle häufig unter den Teppich kehren

Zu den Forderungen der Petition an die Politik gehören eine „konsequente und opfersensible Strafverfolgung“, die Möglichkeit, in Fällen von Machtmissbrauch die Produktionsfirmen zur Verantwortung zu ziehen, die Bindung von Fördergeldern an den Einsatz von professionellen Intimitäts- und Stuntkoordinator:innen und eine unabhängige Vertrauensperson als Vermittler:in am Set.

Inzwischen haben über 20.000 Menschen die Petition #genuggeschwiegen auf der Plattform Change.org unterzeichnet - hier könnt ihr's auch tun.

 

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