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Urlaubsparadies Malaysia - für Lesben und Schwule mit Vorsicht zu genießen

Malaysia, das Partnerland der ITB Berlin 2019 (6.-10. März), lockt mit Gastfreundschaft, Traumstränden und exotischen Landschaften. Aber das südostasiatische Land hat auch ein unfreundliches Gesicht, das vor allem LGBT zu spüren bekommen.

Lee Jetty/ CC-BY-SA

Von Michael Lenz

5.3.19 - Fragt man Malaysia-Kenner, was sie an Malaysia besonders lieben, dann nehmen die Antworten „die Gastfreundschaft“ und „die Küche“ gleichrangig den Spitzenplatz ein. Die Woks auf den Inseln und dem Festland der malaiischen Halbinsel sind ein Spiegel der multikulturellen Vielfalt aus der Mehrheitsethnie der Malaien, den chinesisch- und indischstämmigen Malaysiern sowie den Orang Asli, den Ureinwohnern.

Vielfältig ist auch das Religionsgemisch aus Buddhisten, Taoisten, Hindus, Hindus und den muslimischen Malaien. Zudem hat Malaysia großartige Landschaften wie Urwälder auf Borneo, koloniales Erbe in Georgetown und Traumstrände auf der Insel Langkawi zu bieten. Das alles wird auf der Internationalen Tourismusmesse ITB Berlin (6.-10. März) zu bewundern sein, deren Partnerland Malaysia in diesem Jahr ist.

Von islamischen Ultras befeuerte Homo- und Transphobie

Es gibt aber leider auch das andere - derzeit vor allem gegenüber LGBT - unfreundliche Gesicht Malaysias. Zweimal wurde der charismatische Politiker Anwar Ibrahim in politischen Prozessen wegen angeblicher Homosexualität zu Haftstrafen verurteilt. Genutzt hat es nichts: Angewidert von der „Kleptokratie“ der korrupten Machthaber wählten die Malaysier im Mai 2018 die Opposition, der Anwar angehört, an die Macht. Anwar wurde vom König begnadigt und soll in der Halbzeit der Legislaturperiode Mohammed Mahathir, dem er die erste Haftstrafe wegen Homosexualität verdankte, als Premierminister ablösen.

Die von islamischen Ultras befeuerte LGBT-Unterdrückung reicht von Razzien in den Schwulen- und Lesbenbars der großen Städten wie Kuala Lumpur, Fatwas gegen Lesben und Transsexuelle bis zu der 2018 von einem Scharia-Gericht im von der islamischen PAS regierten Bundesstaat Terengganu verhängten Prügelstrafe für ein lesbisches Paar (wir berichteten).

Tochter des Premierministers ist LGBT- und Frauen-Aktivistin

Im vergangenen Sommer wurden auf Druck islamistischer Gruppen aus einer Fotoausstellung in Georgetown die Porträts von LGTB-Personen entfernt. Das brachte das andere, das tolerante Malaysia auf den Plan. Marina Mahathir ließ aus Solidarität mit den LGTB demonstrativ und medienwirksam ihr Porträt aus der Ausstellung entfernen. Die 61-jährige Tochter des Regierungschefs ist die vielleicht prominenteste Streiterin für LGBT- und Frauenrechte in Malaysia.

Die Regierung von Premierminister Mahathir allerdings setzt der Hetze kaum etwas entgegen. Würde sie sich für LGTB in die Bresche werfen, wäre das für die Opposition und ihre ultrakonservativen islamischen Unterstützergruppen der Beweis ihres Mantras: „Die Reformregierung ist unislamisch“.

lastsham/ CC-BY Marina Mahathir, selbst nicht lesbisch, ist in zweiter Ehe verheiratet und hat vier Kinder

„Das ist der schwache Punkt der Regierung“, sagt Marina, Mitbegründerin der fortschrittlichen muslimischen Frauenrechtsorganisation „Sisters in Islam“. Will sagen: Gegen Malaysias politischen Islam ist kein Staat zu machen.

ITB macht Frauen- und LGBT-Rechte zum Thema

Die Situation der malaysischen LGBT soll auch Thema rund um den LGBT Travel Pavillon der ITB sein. „Wir haben in diesem Jahr extra eine LGBT+ Seminarsession zum Thema Menschenrechte organisiert“, sagt Rika Jean-Francois, ITB-Beauftragte für Corporate Social Responsibility, gegenüber L-MAG.

Bei Frauenrechten ist in Malaysia je nach Sichtweise das Glas halbvoll oder halbleer. Frauen aller Ethnien und Religionen sind in Organisationen der Zivilgesellschaft aktiv, und es waren Frauen wie die Anwältin Ambiga Sreenevasan, die in der Bewegung „Bersih“ für saubere Wahlen zum Wahlerfolg der Opposition beigetragen haben.

Auf der anderen Seite listet der Ende Januar 2019 veröffentlichte Bericht der „Joint Action Group for Gender Equality“ (JAG) eine Reihe von Verletzungen der Rechte von Frauen auf. Kritisiert wurde darin auch die stellvertretende Premier-und Frauenministerin Wan Azizah Wan Ismail, die die Genitalverstümmelung muslimischer Mädchen als „kulturelle Tradition in Malaysia“ rechtfertigte.

LGBT-Touristen müssen Malaysia aber nicht meiden. Touristenhotels stellen keine Fragen, Kontakte zur einheimischen Gay Community lassen sich leicht über die einschlägigen Dating-Apps herstellen. Nur in der Öffentlichkeit „raushängen lassen“ sollte frau ihre Neigung nicht. Kuala Lumpur oder Georgetown sind halt nicht Berlin.

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