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Kicken gegen Hass und Gewalt

Gewalt gegen lesbische Frauen gehört in Südafrika fast zum Alltag. Doch nicht nur in Kapstadt schließen sich junge Lesben zusammen, um sich gegenseitig zu unterstützen, zu schützen aber auch, um Fußball zu spielen – für Toleranz und Sichtbarkeit

Das Team von Luleki Sizwe beim Spiel in Kapstadt (Foto: Zanele Muholi)

Seit drei Tagen reißt der Sturm am Wellblechdach der Township-Hütte, das die beiden lesbischen Frauen mit blauer Plastikplane notdürftig winterfest gemacht haben. In der zweiten Nacht des Sturms tauchen Ratten auf, das Getrippel ihrer Schritte mischt sich mit dem Prasseln des Regens und dem Heulen des Windes. In der dritten Nacht steht die Hütte knöcheltief unter Wasser.
Bis zum Morgengrauen schöpfen Ndumie Funda und ihre Freundin Thembie die braune Brühe mit Plastikschüsseln aus ihrem Haus, stellen Rattenfallen auf. An Schlaf ist nicht zu denken, die Situation zerrt an den Nerven. Am Morgen des Samstags hört der Regen endlich auf.
Es ist der Tag, an dem die lesbischen Fußballerinnen von Luleki Sizwe aus Gugulethu gegen die Lesben von Free Gender aus Khayelitsha zum Turnier antreten wollen. Die grüngelben Trikots, Luleki Sizwes ganzer Stolz, sind patschnass geworden, sie lagerten in einer Kiste unter Ndumies und Thembis Bett.

Luleki Sizwe und Free Gender, das sind zwei Graswurzel-Gruppen meist junger lesbischer Frauen und Mädchen in den Townships Kapstadts. Sie haben sich zusammengeschlossen, um sich gegenseitig zu helfen: Wenn ihre Familien sie vor die Tür setzen, wenn sie in den Straßen der Townships Opfer von Verfolgung, Raub oder Vergewaltigung werden. Fußball ist ihr Leben, mit Kicken verbringen sie den Großteil ihrer gemeinsamen Zeit. Der Sport hält sie zusammen und macht sie stark. Wer Fußball spielt, vergisst für ein paar Stunden die Armut, den Dreck, die Gewalt.
Die Trikots sind noch feucht, als die Mädchen und Frauen von Luleki Sizwe am frühen Nachmittag im Sammeltaxi Richtung Khayelitsha fahren.
Ndumie Funda ist 36 Jahre alt, eine kleine, stämmige Frau mit quicklebendigen Augen. Sie hat Luleki Sizwe vor drei Jahren gegründet. Ihre Hütte ist gleichzeitig Wohnung für sie und ihre Freundin Thembie, Büro der Gruppe und Notunterkunft für bedrohte Lesben – auf kompakten zehn Quadratmetern. Es gibt weder einen Internetzugang noch Geld für Benzin für den uralten Opel Astra mit der Wellpappe im Heckfenster, manchmal fehlt sogar Geld für Essen.
Der Name Luleki Sizwe erinnert an zwei von Ndumies Freundinnen, die beide an den Folgen eines Verbrechens gestorben sind, das in Südafrika unter dem zynischen Namen „corrective rape“– „korrigierende Vergewaltigung“ – bekannt ist.
2005 starb Luleka Makiwane an den Folgen von Aids. Infiziert wurde sie während einer Vergewaltigung. So etwas gehört in Südafrikas Townships zum Alltag. Acht Tote gab es allein in Guguletu in den letzten fünf Jahren: Vergewaltigt, erschossen, erstochen. Die Überlebenden schweigen für gewöhnlich aus Angst, die nächsten zu sein. Luleka blieb nicht der letzte Verlust in Ndumies Leben. Der Tod ihrer großen Liebe Nosizwe Nomsa Birana kurz vor Weihnachten 2007 ließ in ihr die Erkenntnis reifen, dass etwas geschehen muss... (der ganze Text findet sich in L-MAG Heft Juli/August)
Dirk Ludigs


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