8 Serien mit L-Faktor aus den letzten zwölf Monaten
Von "Euphorie" bis "Pluribus": Bevor die Streamingdienste ihre neuen Produktionen ins Rennen schicken, gibt's noch einiges nachzuholen. 2025 war ein gutes Jahr für Serien mit lesbischen und queeren Hauptfiguren - hier stellen wir sie vor.
RTL/Zeitsprung Mila (Derya Akyol) und Ali (Sira-Anna Faal) in „Euphorie“Von Karin Schupp
10.1.2026 - Bevor das neue Serienjahr durchstartet, gilt es noch einiges nachzuholen: 2025 gab’s viele gute Serien mit lesbischen und queeren Hauptfiguren. Hier stellen wir sie vor.
1. Euphorie (GER) - 8 Folgen, RTL+
Parties, Drogen, queere Teenies: Die 16-jährige Mila (Derya Akyol) kehrt nach einem Aufenthalt in der Psychiatrie nach Gelsenkirchen zurück und findet immer noch alles scheiße. Wenn ihr da nur ihre große Liebe Ali (Sira-Anna Faal, Druck), die sie in der Klinik kennen lernte, helfen könnte – oder ihr Mitschüler Jannis (Eren M. Güvercin), auf dessen Drogen sie deutlich schärfer ist als auf ihn. Eine zweite queere Storyline erzählt von Milas Mitschülerin Sophia (Luna Jordan, Dead Girl Dancing), die heimlich in ihre Lehrerin (Karin Hanczewski, s. Call My Agent – Berlin) verliebt ist und auf einer Dating-App mit einem Fake-Profil mit ihr anbändelt.
Gut zu wissen: Euphorie ist die lose Adaption einer israelischen Serie, deren US-Version Euphoria (bei WOW) große Erfolge feierte. An den Drehbüchern arbeiteten drei queere Autorinnen mit, darunter Antonia Leyla Schmidt, die auch bei vier Folgen Regie führte.
2. Pluribus (USA) - 9 Folgen, Apple TV
Happy Apokalypse: Für die griesgrämige Kitschromanautorin Carol (Rhea Seehorn, Better Call Saul) kommt’s schlimm: Sie verliert in Folge 1 ihre Lebensgefährtin Helen (Shor) und stellt dann fest, dass ein Virus die Welt befallen hat, der verwandelt die Menschheit in eine glückliche und friedliche Masse verwandelt – zu dem Preis, dass nun alle ein gemeinsames Bewusstsein teilen und es keine Individualität mehr gibt. Carol jedoch gehört zu den zwölf Menschen weltweit, die gegen das Virus immun sind - und das will sie bleiben. Um sie umzustimmen, wird ihr Zosia (Karolina Wydra) an die Seite gestellt, die zu 100 % Carols Typ ist... Wer temporeiche Action erwartet, ist hier falsch, aber die Serie von Breaking Bad-Schöpfer Vince Gilligan ist intelligente Science Fiction mit Humor.
Bonuswissen: Pluribus ist die bisher erfolgreichste Serie von Apple TV. Geplant sind vier Staffeln, aber vor 2027 geht’s leider nicht weiter.
Apple TV Eine Welt, in der alle happy sind, aber keinen freien Willen haben: Carol (Rhea Seehorn) und Zosia (Karolina Wydra) in „Pluribus“3. The Hunting Wives (USA), 8 Folgen, MagentaTV
Guilty Pleasure: Der trashige US-Sommerhit 2025 bietet (queere) Erotik, Intrigen, Geheimnisse und einen Mord. Sophie (Brittany Snow, Pitch Perfect) zieht mit ihrem Mann nach Texas und gerät in die Welt der reichen Ehefrauen-Clique „The Hunting Wives“, in der alle erzkonservativ, christlich und frei von jeglicher Moral sind - vorneweg Margo (Malin Akerman, Billions), die nicht nur auf ihren Ehemann, sondern auch auf Frauen steht. Die beiden beginnen alsbald eine Affäre, was Margos Ex Callie (Jaime Ray Newman) gar nicht gefällt… Die Produktion von Staffel 2 hat bereits begonnen.
Bonuswissen: In der gleichnamigen Romanvorlage von May Cobb haben Sophie und Margo keine sexuelle Affäre.
MagentaTV Guilty Pleasure mit Erotik, Intrigen und dunklen Geheimnissen: „The Hunting Wives“ mit Brittany Snow und Malin Akerman4. Orphan Black: Echoes (CAN), 10 Folgen, RTL+
Biotech-Drama: Das Spin-off der Kultserie Orphan Black ist noch queerer als das Original (beim Prime Video-Kanal BBC Player). Die Forscherin Kyra Manning (Keely Hawes), die damals noch ein Kind war, hat etwas mit den drei Fauen verschiedenen Alters (darunter Krysten Ritter, Jessica Jones) zu tun, die sich als 3-D-Drucke derselben Person herausstellen. Ohne schon zu viel zu verraten: Es steckt eine große lesbische Liebe dahinter (die in Folge 5 erzählt wird). Leider bleibt’s bei einer Staffel.
Bonuswissen: Orphan Black-Fans werden sich über Gastauftritte der queeren Publikumslieblinge Delphine (Evelyne Brochu) und Felix (Jordan Gavaris) freuen, Serienstar Tatiana Maslany taucht aber nicht auf. Die Handlung versteht ihr auch ohne Vorkenntnisse.
Sophie Giraud/AMC Biotech-Drama mit lesbischer Lovestory: Lucy (Krysten Ritter) und Kira (Keeley Hawes) in „Orphan Black: Echoes“5. The Beast in Me (USA) – 8 Folgen, Netflix
Psychothriller: Aggie (Claire Danes, Homeland) Leben steht seit dem Tod ihres Sohnes und der Trennung von ihrer Frau Shelley still: Die erfolgreiche Schriftstellerin leidet an einer Schreibblockade – bis ein neuer Nachbar, Nile Jarvis (Matthew Rhys), einzieht. Der unberechenbare Immobilienhai, der möglicherweise seine erste Frau umgebracht hat, inspiriert sie zu einem Buch – und verwickelt sie in ein gefährliches Katz-und Maus-Spiel… Die queere Schauspielerin Natalie Morales (bekannt aus queeren Rollen in Dead to Me und Grey’s Anatomy) ist als Aggies Ex-Frau zu sehen.
Bonuswissen: Aggies queere Identität war eine bewusste Enscheidung: Zwischen Aggie und Nile sollte es keine sexuelle Spannung geben. „Dass sie lesbisch ist und zwischen den beiden von Anfang an jede sexuelle Ebene ausgeschlossen ist, verändert alles“, erklärte Showrunner Howard Gordon.
Chris Saunders/Netflix „The Beast in Me“: Psychothriller mit Claire Danes (r.) und Natalie Morales als Ex-Ehepaar6. The Mighty Nein (USA), 8 Folgen, Prime Video
Fantasy-Animationsserie: Als das Reich der Kryn-Dynastie in seiner Existenz bedroht wird, formieren sich die Mighty Nein, um die Welt zu retten. Zu der Gruppe von Ausgestoßenen, Kriminellen und Außenseitern gehören auch zwei queere Frauen: Beau und Yasha. Die beiden haben eine gemeinsame Vergangenheit, die zunächst von Misstrauen und ungelösten Spannungen geprägt ist. Erst im Laufe der Serie werden sie zu „queerplatonischen“ Freundinnen. Die Serie aus dem Dungeons & Dragons-Universum basiert auf der zweiten Kampagne der Twitch-Serie Critical Role (2018–2021).
Bonuswissen: Die queeren Fans hegen zwar Hoffnungen, aber zumindest in der Vorlage wird zwischen Beau und Yasha keine explizite Lovestory erzählt und Beau verfolgt andere romantische Interessen.
Prime Video Beau und Yasha: Queere Antiheldinnen in „The Mighty Nein“7. Call My Agent Berlin (GER), 10 Folgen, Disney+
Drama, Drama, Drama: In der Berliner Schauspielagentur Stern ändern sich nach dem Tod ihres Gründers Richard Stern die Machtverhältnisse und die verbliebenen Agent:innen müssen um die Existenz der Firma fürchten – wenn sie nicht gerade mit ihren anspruchsvollen Klient:innen oder ihrem komplizierten Privatleben zu tun haben. Karin Hanczewski (L-MAG-Interview zur Serie) spielt die knallharte lesbische Agentin Sascha, die sich in eine Frau verliebt, die so gar nicht ihrem Beuteschema entspricht. Stars wie Iris Berben, Veronica Ferres, Heike Makatsch, Moritz Bleibtreu und Frederick Lau spielen sich selbst.
Bonuswissen: Über eine zweite Staffel der Dramedy ist noch nicht entschieden, aber die vier Staffeln des französischen Originals Dix Pour Cent/ Call My Agent mit der lesbischen Agentin Andréa (Camille Cottin) und ihrer Freundin Colette (Ophelia Kolb) steht bei Streamingdiensten (z.B. Netflix, Magenta, Disney+).
8. Nine Perfect Strangers (USA), Staffel 2: 8 Folgen, Prime Video
Psychospielchen im Schnee: Die zweite Staffel der Drama-Miniserie spielt in den verschneiten Alpen und hat einen komplett neuen Cast, abgesehen von Nicole Kidman: Sie kehrt als mysteriöse Betreiberin eines - nun nach Österreich verlegten - Wellness-Retreats zurück, die ihren Gästen die „totale Transformation“ verspricht. Zu den neun Fremden, die irgendwie miteinander verbunden sind, gehört auch das Frauenpaar Wolfie und Tina, gespielt von zwei queeren Frauen: Maisie Richardson-Sellers (Legends of Tomorrow) und der Sängerin King Princess (L-MAG-Interview) in ihrem Schauspieldebüt.
Bonuswissen: Im letzten Jahr kamen Dating-Gerüchte zwischen King Princess und Ko-Star Christine Baranski auf: Sie ließen sich bei mehrere Premieren in New York Händchen haltend fotografieren, und die Musikerin postete eins der Fotos mit dem Hashtag #loveislove. Baranski (73) ließ jedoch schnell dementieren.
Disney+/ Reiner Bajo King Princess und Maisie Richardson-Sellers in „Nine Perfect Strangers“ (Staffel 2), denen Nicole Kidman die „totale Transformation“ verspricht
Bleibt out und proud!
Nur mit euch, unseren Leser:innen und online-Nutzer:innen, bekommen wir das hin! Helft uns, damit wir diese Zeiten durchstehen, die in politischer wie finanzieller Hinsicht nicht einfach sind. Journalismus, der nicht nur in Social Media Bubbles stattfindet, unabhängig ist und dialogbereit bleibt, hat es zunehmend schwer.
Unterstützt unsere Arbeit!
Vielen Dank!
Euer L-MAG-Team


