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Internationaler Frauentag und Generalstreik 2026: Für ein neues Miteinander kämpfen!

Am 8. März wird der Internationale Frauentag gefeiert – seit über 100 Jahren. Aber die Zeit der geduldigen Demos ist allmählich vorbei. Warum dieser Tag für FLINTA* gerade jetzt wichtig ist und wir uns alle am globalen Frauenstreik beteiligen sollten.

Miguel Bruna/Unsplash

Von Nina Süßmilch

8.3.2026 - Der erste Frauentag wurde am 19. März 1911 gefeiert. Ein Jahr zuvor hatte die sozialistische Frauenrechtlerin Clara Zetkin auf der Zweiten Internationalen Frauenkonferenz in Kopenhagen einen Internationalen Frauentag gefordert. Lange zuvor schon kämpften Frauen weltweit für Gleichberechtigung. Besonders in Großbritannien und den USA setzten sich Frauen aus der sozialistischen Bewegung u.a. für das Frauenwahlrecht ein. Im November 1918 bekamen Frauen in Deutschland das Wahlrecht.

Über einhundert Jahre später reicht der „Frauentag“ von Gratis-Blumen in der Einkaufspassage bis hin zu wütenden Protesten und dem Aufruf zum Generalstreik wie in Spanien 2018. Unter dem Motto „Wenn Frauen streiken, dann steht die Welt still“ waren damals über fünf Millionen Frauen auf der Straße. Island hat es bereits vor 50 Jahren vorgemacht: 90% aller isländischen Frauen gingen am 24. Oktober 1975 nicht arbeiten und die Insel stand still, selbst Zeitungen wurden nicht mehr gedruckt. Und in diesem Jahr ruft das Bündnis „Enough!“ nun am Montag, den 9. März zum globalen Streik auf.

Und genug ist es, wie nicht nur die Investigativrecherchen der Journalistinnen Isabell Beer und Isabel Stöhr für das NDR-Format STRG_F zeigten, oder wie der Fall Gisèle Pelicot schmerzhaft verdeutlichte. Sexualisierte Gewalt wird mitunter von breiten Netzwerken in einem gefühlt rechtsfreien Raum mithilfe des Internets organisiert.

Epstein-Files und keine Folgen

Anfang Februar wurden weitere drei Millionen Akten der Epstein-Files veröffentlicht, die eine noch viel größere Verstrickung der Reichen und Mächtigen vermuten lässt. Vielleicht hatten nicht alle mit Menschenhandel, Vergewaltigung und sexualisierter Gewalt an Kindern zu tun. Aber sie alle hatten kein Problem damit, nach der ersten Verurteilung von Epstein im Jahr 2008 mit einem Sexualstraftäter in Kontakt zu stehen. Seine Verbindungen und sein Geld nahm anscheinend nicht nur das englische Königshaus dankend in Anspruch.

Laut FBI soll es keine weiteren Strafverfolgungen in der Causa Epstein geben und auch Königs Charles‘ Bruder Andrew Moundbatten-Windsor musste nur seine Titel abgeben und wurde nach einem Deal mit seinem mutmaßlichen Opfer Virginia Giuffre nicht angeklagt (Giuffre hatte sich kurz danach das Leben genommen) – gerichtlich verantworten muss er sich inzwischen lediglich wegen der Weitergabe vertraulicher Dokumente an den US-Straftäter.

Die taz sprach im Kontext der Epstein-Files von einem schockierenden gesellschaftlichen Wandel. Doch all das ist nicht neu. Hier findet kein Wandel statt, hier wird der Vorhang plötzlich weggerissen.

Wieso erfährt patriarchaler Missbrauch so selten Konsequenzen?

Die Autorin Emilia Roig ist selbst Überlebende von sexualisierter Gewalt. Sie schreibt in ihrem Substack-Beitrag, dass die Veröffentlichung der Epstein-Files das Ende einer Illusion markiert und fragt, warum patriarchaler Missbrauch so selten Konsequenzen erfährt. Sexualisierte Gewalt, Missbrauch, Tötungen von Frauen und Queers sind kein alleiniges Problem irgendeiner Elite, wie der Deutschlandfunk zwischenzeitlich im Kontext der Epstein Files suggerierte. Sexismus, Misogynie und Queerfeindlichkeit sind tief verankert in allen Gesellschaften.

Das zeigt sich hierzulande auch in den quälend langsamen Gesetzesänderungen des Selbstbestimmungsgesetzes und der noch immer ausstehenden Anpassung des Adoptionsrechts für gleichgeschlechtliche Paare.

Eine Gesellschaft die von oben nach unten reguliert, Helden verehrt, Gewalt klein redet oder verherrlicht, Macht in der Hand weniger bündelt, eng gesteckte Normen und Homogenität statt Vielfalt und Gemeinschaft lebt, ist keine gute Gesellschaft. (Nicht alle) Männer töten Frauen. (Nicht alle) Männer töten andere Männer und Queers.

Eine solidarische Gemeinschaft bilden, die füreinander einsteht

Ein aktueller Forschungskurzbericht der Universität Tübingen bestätigt jedoch, dass „bei Tötungsdelikten in oder nach Partnerschaften und an Eltern oder Großeltern weibliche Opfer deutlich überwiegen.“ Außerdem sind „Partnerinnenfemizide (...) die häufigste Form von Femiziden.“ Die Forschungsgruppe sieht Handlungsbedarf „bei den gewaltbegünstigenden Sozialisationsmustern von Männern. Zudem sollten Menschen mit psychischer Erkrankung und in sozial benachteiligten Lagen besser unterstützt werden.“

Mitte Februar erschien eine aktuelle Studie zur Dunkelziffer von Gewalttaten in Deutschland, in Auftrag gegeben vom Bundesfamilienministerium, dem Bundesinnenministerium und dem Bundeskriminalamt. Danach erfahren 18% aller Frauen körperliche Gewalt durch den (Ex-)Partner, davon werden gerade einmal 2,7% angezeigt.

Es lohnt sich also, über ein neues Miteinander nachzudenken und gemeinsam auf die Straße zu gehen. Die Besinnung auf einen Internationalen Frauenkampftag – der unbedingt FLINTA*-Kampftag heißen müsste – käme allen oder zumindest der großen Mehrheit zugute. Es liegt an uns eine solidarische Gemeinschaft zu bilden, die für einander einsteht, in der nicht Täter sondern die Opfer geschützt werden. Deshalb sollte der Kampftag von uns allen begangen werden. Wir sehen uns also am 9. März auf dem Generalstreik!

Die Plattform Enough! ruft zum globalen Generalstreik am Montag, 9. März 2026 auf. Mehr Infos stehen hier.

 

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