„Man fragt sich: Ist das normal?“ - Vorschläge für eine gesündere feministische Arbeitswelt
Wieso sind FLINTA* nicht automatisch die besseren Chef:innen? Und was kann man dagegen tun? Wir sprechen mit Dana Müller, die mit Ko-Autor:in Steff Urgast in „Feministisch im Job?“ den MONIKA*-Mechanismus gegen toxische Machtstrukturen vorstellt.
Dana Müller, Ko-Autorin von „Feministisch im Job? Wir arbeiten dran“Von Annabelle Georgen
28.2.2026 - Viele feministische Strukturen scheitern daran, eine respektvolle und anerkennende Arbeitskultur zu etablieren und zu pflegen. Nicht selten unterscheiden sich Firmen und Vereine, die von FLINTA* geleitet werden, kaum von kapitalistisch-patriarchalen Strukturen. Dana Müller und Steff Urgast, die beide auch für L-MAG schreiben, veröffentlichen beim Querverlag den Essayband „Feministisch im Job? Wir arbeiten dran!“ Sie fordern eine bessere Arbeitskultur im feministischen Kontext. Wir trafen Dana Müller zum Gespräch.
Dana, in „Feministisch im Job? Wir arbeiten dran!“ schreibt ihr über die „bittere Erkenntnis“, dass FLINTA* in Leitungsfunktionen nicht automatisch reflektierte Machtstrukturen oder feministische Führung mit sich bringen.
Dana Müller: Ja, das ist quasi der Ausgangspunkt des Buches. Steff und ich haben immer in feministischen oder queeren Arbeitskontexten gearbeitet. So haben wir uns kennengelernt und wir sind seit vielen Jahren befreundet. Über die Jahre haben wir viel über unser Berufsleben und das Thema gesprochen. Und wir haben beide unter starken feministischen Führungskräften gearbeitet. Aber irgendwann ist es uns aufgefallen, dass viele Frauen*, die wir kennen, sich leider nicht so verhalten, wie wir uns das wünschen. Wir haben uns gefragt: Warum schaffen wir es nicht, als FLINTA* das anders zu machen? Wie können wir das ändern? Wir wollen ja gerade mehr FLINTA* in Führungspositionen.
Was sind eurer Meinung nach die Gründe dafür? Warum werden diese patriarchalen, oft gewaltvollen Strukturen von Frauen reproduziert, die sich als feministisch und/oder queer definieren?
Ich glaube, wir sind alle davon nicht befreit. Wir wachsen ja in diesen Strukturen auf. Die Frauen, die verstehen, wie man sich im Patriarchat zu verhalten hat, wie man mit Ellenbogen nach oben kommt, sind halt diejenigen, die es in Leitungspositionen schaffen. Bei FLINTA*-Führungspersonen beobachtet man übrigens auch dieses Alpha-Gehabe, das man von Alpha-Männern mit ihren fragilen männlichen Identitäten kennt.
Im Buch sind viele Auszüge aus euren Interviews mit Leuten zu lesen, die unter diesen toxischen Machtsstrukturen im feministischen Arbeitskontext leiden. Die Erfahrungen sind zum Teil erschreckend. Hattet ihr damit gerechnet?
Nein. Vieles fand ich wirklich total erstaunlich, gleichzeitig haben wir uns in vielen Erfahrungen auch wiedergefunden, weil viele Strukturen sehr ähnlich sind, selbst bei unterschiedlichen Berufsfeldern. Deswegen war es uns auch so wichtig, dieses Buch zu veröffentlichen. Weil wir uns beide jahrelang alleine gefühlt haben. Man fragt sich: Ist das normal, dass man jetzt auf einmal nicht mehr miteinander redet? Ist es normal, dass man in einer Extremsituation mal angebrüllt wird?
Euer Buch ist kein Ratgeber für schlecht behandelte Mitarbeiter:innen, die eine Chefin haben. Habt ihr trotzdem einen Tipp für diejenigen, die Terror am Arbeitsplatz erfahren?
Was ich immer hilfreich finde, ist Reden. Ein großes Problem bei einem toxischen Arbeitsumfeld ist ganz oft, dass Informationen immer zwischen einzelnen Personen fließen. Für mich war immer der erste Schritt, offen und transparent mit allen darüber zu reden, um das Problem sichtbar zu machen. Und dann stellt man auf einmal fest, dass es allen anderen auch so geht. Sonst bleibt jede* vereinzelt und glaubt, dass sie*er ein Problem hat, dass sie „die Komische“ ist.
Im Buch stellt ihr den MONIKA*-Mechanismus vor, eine Art Leitfaden für FLINTA*-Führungskräfte und feministische Strukturen, die sich von solchen toxischen Mustern befreien wollen.
Das ist sozusagen das positive Pendant einer alten Wirtschaftstheorie, des Peter-Prinzips. Dort geht es darum, dass man immer so lange in der Hierarchie aufsteigt, bis man als Führungskraft inkompetent und dann eigentlich überfordert ist. Am Ende sitzen nur überforderte Leute in Leitungspositionen. Diesem Prinzip setzen wir den feministischen MONIKA*-Mechanismus gegenüber. Jeder Buchstabe steht für etwas: M für Macht teilen, O für Ohnmacht abbauen, N für Normen hinterfragen, I für Inklusiv entscheiden, K für Kollektiv stärken und A für Allianzen bilden. Das ist nur ein Vorschlag von uns, keine absolute Lösung. Für uns ist Feminismus Diskussion und Auseinandersetzung. Der Monika*-Mechanismus ist offen und dafür da, um innerhalb der einzelnen Strukturen diskutiert zu werden.
Dana Müller/Steff Urgast: Feministisch im Job? Wir arbeiten dran. Essayreihe in*sight/out*write im Querverlag, 64 Seiten, 8 Euro - erscheint Mitte März 2026 - mehr Infos auf monikamechanismus.de
Buchpremiere am 26. März 2026, 20:30 Uhr, Berlin, Buchhandlung Prinz Eisenherz, Motzstraße 23

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