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Hass im Netz hat zugenommen - queere Menschen besonders häufig betroffen

Eine Studie zeigt, dass Hass in den sozialen Medien stark zugenommen hat. Das erleben vor allem junge Frauen, Homo- und Bisexuelle sowie Menschen mit sichtbarem Migrationshintergrund. Die Folge: Viele ziehen sich zurück und äußern ihre Meinung seltener.

Canva

Von Saskia Balser

20.2.2024 - Fast jede zweite Person in Deutschland wurde schon einmal online beleidigt. Das zeigt die repräsentative Studie „Lauter Hass – leiser Rückzug“ des Kompetenznetzwerks gegen Hass im Netz. Befragt wurden dafür mehr als 3000 Internetnutzer:innen ab 16 Jahren im Oktober/ November 2023.

Die in Deutschland seit 2019 umfangreichste Analyse zum Thema Hass im Netz zeigt eindringlich, wie stark digitale Gewalt zugenommen hat. Etwa die Hälfte der Befragten hat Hass im Netz bereits wahrgenommen und jede:r Achte war selbst davon betroffen.

Queere Menschen besonders häufig Anfeindungen ausgesetzt

Die Corona-Pandemie, der Kampf gegen die Klimakrise und der Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine haben zu vermehrtem Hass gegen bestimmte Personengruppen sowie zu einem besonders hohen Maß an Falsch- und Desinformation im Internet geführt.

Hass im Netz trifft aber nicht alle Menschen gleichermaßen. Besonders häufig betroffen sind ihren eigenen Angaben zufolge Personen mit sichtbarem Migrationshintergrund (30 %), junge Frauen (30 %) und Menschen mit homosexueller (28 %) oder bisexueller (36 %) Orientierung.

44 Prozent der Internetnutzer:innen nehmen Hass gegen LSBTIQA wahr. In der Studie heißt es: „Im Juni 2023 starten Rechtsextreme mit dem Hashtag #stolzmonat eine Kampagne gegen den ‚Pride-Monat‘ – ein neuer Höhepunkt der Queer- und Transfeindlichkeit im Netz, durchsetzt mit nationalistischem Gedankengut.“ Junge Frauen werden darüber hinaus oft sexuell belästigt – 42 Prozent erhielt bereits ungefragt ein Nacktfoto.

Handlungsbedarf bei Social-Media-Plattformen und Politik!

Diese Entwicklungen haben der Studie zufolge weitreichende gesellschaftliche Folgen. Über die Hälfte der befragten Internetnutzer:innen äußert ihre Meinung aus Angst nicht mehr frei und beteiligt sich weniger an Diskussionen. 89 Prozent stimmen der Aussage zu, dass Hass im Netz in den letzten Jahren zugenommen hat. Viele haben Angst davor, dass dadurch auch die Gewalt im Alltag zunimmt.

Damit das Internet kein hasserfüllter Ort bleibt und die Meinungsvielfalt im öffentlichen Raum nicht verloren geht, müsse sich jetzt etwas ändern, so die Autor:innen der Studie. 86 Prozent der Befragten finden, dass Social-Media-Plattformen mehr Verantwortung übernehmen müssen, aber auch auf politischer Seite besteht Handlungsbedarf.

Das Gesetz gegen digitale Gewalt, für das im April 2023 ein Eckpunktepapier vorgelegt wurde, soll beispielsweise bewirken, dass Betroffene „nach mehrmaligen Angriffen vor Gericht die Sperrung von Accounts erwirken können.“ Und das seit August 2023 geltende EU-Gesetz für digitale Dienste (Digital Services Act – DSA) zur Haftung von Online-Plattformen müsse konsequent angewendet werden, etwa durch das Entfernen rechtswidriger Inhalte. Familienministerin Lisa Paus kündigte an, Gesetze überprüfen und gegebenenfalls nachjustieren zu wollen.

Weitere Informationen beim Kompetenznetzwerk Hass im Netz

Die Studie „Lauter Hass – leiser Rückzug. Wie Hass im Netz den demokratischen Diskurs bedroht“ hier kostenlos als PDF

 

Weiterlesen:

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Gender-Identitäten: Deutsche offener, als der Stammtisch glaubt

 

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