L-Mag

Aufmüpfig, ungewöhnlich, cool: 10 Filme über berühmte lesbische und bisexuelle Frauen

Biopics über weibliche Persönlichkeiten aus Geschichte und Gegenwart haben in den letzten Jahen Konjunktur – und viele dieser Frauen waren lesbisch oder bisexuell! Wir stellen elf Filme vor und prüfen ihren L-Faktor und Wahrheitsgehalt.

Thunderbird Releasing Vita Sackville-West (Gemma Arterton, l.) und Virginia Woolf (Elizabeth Debicki) in „Vita und Virginia“

Von Karin Schupp

5.8.2026 - Auf ihrer Suche nach neuen Stoffen hat die Filmbranche inzwischen entdeckt, dass es in Geschichte und Gegenwart auch viele interessante weibliche Persönlichkeiten gibt, und die waren bzw. sind – tja, so ist das nun mal! – häufig lesbisch oder bisexuell. Auch wenn nicht alle Drehbücher das gleichermaßen stark thematisieren und nicht alle Filme cineastische Highlights sind: für mehr Sichtbarkeit sorgen sie allemal.

Wir stellen zehn Biopics vor und prüfen sowohl ihren L-Faktor als auch ihren Wahrheitsgehalt.

1. Vita und Virginia – Eine extravagante Liebe

Um wen geht's? Virginia Woolf (1882-1942) und Vita Sackville-West (1892-1962) waren britische Schriftstellerinnen. Beide waren mit Männern verheiratet, aber auch mit Frauen liiert - unter anderem führten sie miteinander eine der bekanntesten lesbischen Beziehungen der Geschichte. Woolfs Roman „Orlando“ (1928) gilt als Liebeserklärung an Sackville-West.

Der Film: Auf Basis der vielen erhaltenen Briefe zwischen Vita (Gemma Arterton) und Virginia (Elizabeth Debicki) wird ihre Liebesgeschichte erzählt, die 1922 auf einer Party in London ihren Anfang nahm.

L-Faktor: Entsprechend hoch. Nebenbei lernt man auch die erlesene „Bloomsbury Group“ kennen, deren Mitglieder bereits vor 100 Jahren sexuelle Freizügigkeit zwischen allen Geschlechtern frönten.

Wo? Prime Video (Flatrate), zum Kaufen/Leihen bei weiteren Streamingdiensten

IRL/ GB, 2018, Regie: Chanya Button, 110 min. – unsere Filmkritik

2. Nyad

Um wen geht’s? Die lesbische Langstreckenschwimmerin Diana Nyad schwamm 2013 als erster Mensch ohne Haikäfig, Schwimmflossen und Neoprenanzug von Kuba nach Florida. Für die 166 Kilometer lange Strecke benötigte die damals 64-Jährige 53 Stunden.

Der Film: Das Extremsport-Drama erzählt die Geschichte dieses Rekords mit Annette Bening (in ihrer zweiten lesbischen Hauptrolle nach The Kids Are All Right) nach. Jodie Foster spielt Bonnie Stoll, Nyads Trainerin, Managerin und Motivatorin.

L-Faktor: Die sportliche Heldinnenreise steht im Vordergrund, aber dass Nyad lesbisch ist und wie die beiden Frauen zueinander stehen, wird gleich am Anfang erklärt: Nach einer Affäre vor Jahren sind sie inzwischen beste Freundinnen. Ihre Liebe sei „möglicherweise tiefer als bei jedes traditionelle Paar, auch wenn sie platonisch ist“, sagte Foster dazu.

Wo? Netflix

USA 2022, Regie: Elizabeth Chai Vasarhelyi und Jimmy Chin, 120 min. – unsere Filmkritik

3. Lizzie Borden – Mord aus Verzweiflung

Und wen geht’s? Die in den USA berühmt-berüchtigte Lizzie Borden soll 1892 ihren Vater und ihre Stiefmutter mit einer Axt erschlagen haben, wurde aber freigesprochen – ein Stoff, aus dem schon Bücher, Filme, Theaterstücke und eine Oper gestrickt wurden. Belegt ist es nicht, aber Borden soll zum Tatzeitpunkt mit ihrem Hausmädchen Bridget, Kronzeugin vor Gericht, und später mit einer Schauspielerin liiert gewesen sein.

Der Film: Das düstere Drama konzentriert sich auf die Wochen vor dem Mord und zeigt Borden (Chloë Sevigny) - es steht schon im Titel - als Täterin und Bridget (Kristen Stewart in ihrer ersten queeren Rolle) als Mitwisserin. Ko-Produzentin Sevigny äußerte sich anschließend unzufrieden und kritisierte den Regisseur als „zu zurückhaltend“.

L-Faktor: Hoch - der Film zeigt Lizzie und Bridget als Paar, und Sex dürfen sie auch haben. „Das wollten wir ihnen gönnen!“, sagte Sevigny in einem Interview.

Wo? Zum Kaufen/Leihen bei vielen Streamingdiensten

USA 2018, Regie: Craig Macneill, 105 min. - unsere Filmkritik

4. Girl King

Um wen geht’s? Die schwedische Königin Kristina (1626-1689) war klug, gebildet und extravagant, trug stets Männerkleidung und weigerte sich zu heiraten. Wie durch Briefe belegt ist, war sie mit ihrer Hofdame Ebba Sparre liiert.

Der Film: Leider so blutleer wie ein Wikipedia-Eintrag und bei Regisseur Mika Kaurismäki in den falschen Händen: Er zeigt die Tomboy-Queen (Malin Buska) steif und freudlos und konzentriert sich auf die wohl langweiligste Phase ihres Lebens - die zehn Jahre ihrer Regentschaft - danach, mit 28 Jahren, dankte sie freiwillig ab und lebte danach frei und ungezwungen in Rom.

L-Faktor: Hält sich stärker an die Fakten als Greta Garbos Königin Christine (1933), der trotz des berühmten Kusses zwischen Kristina und Ebba  eine frei erfundene Hetero-Lovestory erzählt: In Girl King ist Christinas Liebe zu Edda (Sarah Gadon) der Dreh- und Angelpunkt des Films. Aber wer seinen Film mit der Einblendung „Sie starb mit 63 als Jungfrau“ endet lässt, hat definitiv nichts verstanden.

Wo? ARD Plus, MagentaTV, zum Kaufen/Leihen bei weiteren Streamingdiensten

FIN/D u.a. 2014, Regie: Mika Kaurismäki, 106 min. - unsere Filmkritik

5. Marinette – Kämpferin, Fußballerin, Legende

Um wen geht’s? Marinette Pichon war Frankreichs erster weiblicher Fußballstar: Bis 2020 führte sie mit 81 Länderspieltreffern die Torjäger:innen-Liste der Frauen und Männer an. Pichon ist mit der Ex-Rollstuhlbasketballerin Ingrid Moatti verheiratet und lebt in Kanada, wo sie einen Frauenfußballclub managt.

Der Film: Ohne Melodramatik schildert Regisseurin Virginie Verrier neben Pichons sportliche Karriere auch ihre Emanzipationsgeschichte vom scheuen Kind zur entschlossenen Frau, die ihren gewalttätigen Vater hinter Gitter bringt.

L-Faktor: Hoch: Von der heimlichen Teenie-Affäre im Dorf über eine Beziehung mit Gewalterfahrung bis hin zum Kennenlernen ihrer heutigen Frau: Pichons lesbische Biografie spielt eine große Rolle. Ihr öffentliches Coming-out wird im Film zeitlich vorgezogen: Tatsächlich outete sie sich erst 2010, drei Jahre nach ihrem Karriere-Ende.

Wo? Prime Video (Flatrate), zum Kaufen/Leihen bei weiteren Streamingdiensten

F 2023, Regie: Virginie Verrier, 93 min. – unsere Filmkritik

6. Tove

Um wen geht’s? Die finnische Kinderbuchillustratorin Tove Jansson (1914–2001) wurde mit den Trollfiguren „Mumins“ weltberühmt. Die unkonventionelle Künstlerin hatte Beziehungen mit Männern und Frauen, bis zu ihrem Tod war sie 45 Jahre lang mit der Künstlerin Tuulikki Pietilä zusammen.

Der Film: Die Handlung folgt Jansson (Alma Pöysti) vom Ende der zweiten Weltkriegs bis Mitte der 1950er Jahren. In dieser Zeit erfand sie die Mumins und führte eine offene Beziehung mit der Theaterregisseurin Vivica Bandler (Krista Kosonen) und dem linken Politiker Artos Wirtanen (Shantin Roney).

L-Faktor bzw. Bi-Faktor: Hoch – das Liebesdreieck steht im Zentrum des Films.

Wo? Filmfriend, Prime Video-Kanäle Queer Cinema und Viaplay und zum Kaufen/Leihen bei weiteren Streamingdiensten

FIN/SWE 2020, Regie: Zaida Bergroth, 98 min. – unsere Filmkritik

7. Colette

Um wen geht’s? Sidonie-Gabrielle Colette (1873-1954), Frankreichs berühmteste Schriftstellerin, würde heute wohl als queere Influencerin gelten. Sie hatte drei Ehemänner, lebte offen bisexuell und nicht-monogam, schrieb mit „Claudine erwacht“ einen der ersten lesbischen Liebesromane und sorgte für einen Skandal, als sie ihre langjährige Geliebte Missy de Morny auf einer Bühne küsste.

Der Film: Vom schwulen Indie-Regisseur Wash Westmoreland (Still Alice) hätte man sich mehr erhofft: Im Mittelpunkt steht Colettes (Keira Knightley) erste Ehe mit dem Schriftsteller Willy (Dominic West), der ihr Talent ausnutzte und ihre Bücher unter seinem Namen veröffentlichte. Schade, denn erst nach ihrer Trennung 1906 wurde Colettes Leben so richtig spannend.

L-Faktor bzw. Bi-Faktor: Dass Colette auch Frauen küsste, kommt dennoch vor: Sie hat eine Affäre mit der Amerikanerin Georgie (Eleanor Tomlinson) und auch ihre spätere Lebensgefährtin Missy (Denise Gough) taucht – zeitlich vorgezogen - auf.

Wo? Joyn+, zum Kaufen/Leihen bei weiteren Streamingdiensten

GB/ USA, 2018, Regie: Wash Westmoreland, 111 Min. - unsere Filmkritik

8. Battle of the Sexes – Gegen jede Regel

Um wen geht’s? Tennis-Ikone Billie Jean King (82) gewann 39 Grand Slam-Titel, gründete die Frauen-Turnierserie Virginia Slims und ist heute eine einflussreiche LGBTQ-Aktivistin. Ihr lesbisches Coming-out hatte King Ende der 1960er Jahre, als sie noch mit einem Mann verheiratet war. 1981 wurde sie - als erste prominente Sportlerin - durch ihre Ex-Freundin Marilyn Barnett geoutet, die sie nach der Trennung auf Unterhalt verklagte.

Der Film: Erzählt wichtige Meilensteine in Kings (Emma Stone) Leben: Die Gründung der Virginia Slims, das legendäre „Battle of the Sexes“-Matchs 1973 zwischen King und dem frauenfeindlichen Ex-Tennisprofi Bobby Riggs (Steve Carell), das sie klar gewann, und ihr öffentliches Coming-out. Im echten Leben lagen diese Ereignisse allerdings zeitlich weiter auseinander.

L-Faktor: Kings Beziehung mit Marilyn (Andrea Riseborough) spielt eine große Rolle. Anders als im Film begann ihre Beziehung zum Zeitpunkt des Schaukampfs aber noch nicht zu kriseln.

Wo? Disney+, zum Kaufen/Leihen bei weiteren Streamingdiensten

USA/GB 2017, Regie: Valerie Faris & Jonathan Dayton, 121 min. - unser Interview mit dem Regie-Duo

8. Die Tänzerin

Um wen geht’s? Loïe Fuller (1862-1928) war die berühmteste Tänzerin ihrer Zeit und die Wegbereiterin des modernen Tanzes. Die in Frankreich lebende US-Amerikanerin umgab sich nur mit Frauen, war offen lesbisch und ab 1905 bis zu ihrem Tod mit ihrer Assistentin Gabrielle Bloch (1870-1961) zusammen. Fullers Schülerin und spätere Rivalin Isadora Duncan (1877-1927) hatte Affären mit Männern und Frauen.

Der Film: Vor allem etwas für Modern Dance-Fans: Die Tanzszenen sind spektakulär. Der Person, die Fuller war, wird Die Tänzerin aber nicht gerecht.

L-Faktor: Ärgerlich gering! Lesbisch ist nur die Hauptdarstellerin, die Schauspielerin/ Musikerin SoKo. Fullers Homosexualität machte die Regisseurin Stéphanie Di Giusto ausdrücklich nicht zum Thema, gab der Tänzerin einen erfundenen männlichen Lover, degradierte Gabrielle Bloch (Mélanie Thierry) zur treuen Freundin und ließ Fuller nur Isadora (Lily-Rose Depp) – allerdings unerfüllt – lieben.

Wo? Joyn+, zum Kauf/Leihen bei weiteren Streamingdiensten

Frankreich 2015, Regie: Stéphanie Di Giusto, 111 Min. - unsere Filmkritik

10. The Favourite - Intrigen und Irrsinn

Um wen geht’s? Queen Anne (1665-1714) regierte Anfang des 18. Jahrhunderts England, ihre enge Beziehung mit Lady Sarah Churchill (1660-1744) und deren Eifersucht auf Annes Ankleidedame, Baroness Abigail Masham (1670-1734), sind historisch verbürgt. Überlieferte Briefe weisen darauf hin, dass auch Sex im Spiel war.

Der Film: Opulentes Intrigantenstadl um Sarah (Rachel Weisz) und Abigail (Emma Stone), die um den einflussreichen Platz an der Seite der Königin (Olivia Colman) kämpfen. Deftig, rasant, mit boshaftem Witz und: Männer kommen nur am Rand vor. Für The Favourite regnete es Preise, unter anderem war er für zehn Oscars nominiert, und vor allem Colman räumte alles ab, was es zu gewinnen gab.

L-Faktor: Bettszenen und heimliche Küsse - also klar lesbisch (auch wenn nicht für alle Beteiligten echte Gefühle im Spiel sind).

Wo? Disney+, zum Kaufen/Leihen bei weiteren Streamingdiensten

UK/USA/IRL 2018, Regie: Yorgos Lanthimos, 119 min. - unsere Filmkritik

11. That’s Why The Lady Is a Champ

Um wen geht’s? Christy Martin war die erfolgreichste US-Boxerin der 1990er Jahre. Während ihrer Karriere unterdrückte sie ihre lesbische Identität und wurde von ihrem Ehemann, der zugleich ihr Coach war, beinahe umgebracht, als sie ihn schließlich verlassen wollte. Heute ist sie mit ihrer damaligen Box-Konkurrentin Lisa Holeywine verheiratet.

Der Film: Die Story beginnt damit, wie Christy (Sydney Sweeney) als College-Studentin vom Box-Trainer James Martin (Ben Foster) entdeckt wird, erzählt von ihrem Aufstieg und der missbräulichen Beziehung mit Martin, aus der sie sich am Ende befreien kann.

L-Faktor: Höher, als es der Trailer vermuten lässt. Schon zu Beginn wird Christy mit ihren homophoben Eltern und ihrer Highschool-Freundin (Jess Gabor) gezeigt, die sie Jahre später wiedertrifft. Auch Lisa (Katy O’Brian, Love Lies Bleeding), damals schon offen lesbisch und von Christy homophob beschimpft, kommt vor. Leider muss man auch ihre schlimmen elf Jahre mit Martin aushalten.

Wo? Kinostart am 3. Sept. 2026

USA 2025, Regie: David Michôd, 135 min.

 

Jetzt im Handel:  Die neue Ausgabe der L-MAG  an jedem Bahnhofskiosk, im Abo, als e-Paper und bei Readly erhältlich.

Aktuelles Heft

Queer-feministische Medizin

Wie finden lesbische und queere Frauen gute medizinische Hilfe? Wer schliesst die Lücken? Ausserdem im Heft: Pride-Special
Hier abonnieren!




Bleibt out und proud!

 

Nur mit euch, unseren Leser:innen und online-Nutzer:innen, bekommen wir das hin! Helft uns, damit wir diese Zeiten durchstehen, die in politischer wie finanzieller Hinsicht nicht einfach sind. Journalismus, der nicht nur in Social Media Bubbles stattfindet, unabhängig ist und dialogbereit bleibt, hat es zunehmend schwer.

Unterstützt unsere Arbeit!

Vielen Dank!
Euer L-MAG-Team

 

 


L-MAG.de finde ich gut!

Bleibt out und proud!

 

Nur mit euch, unseren Leser:innen und online-Nutzer:innen, bekommen wir das hin! Helft uns, damit wir diese Zeiten durchstehen, die in politischer wie finanzieller Hinsicht nicht einfach sind. Journalismus, der nicht nur in Social Media Bubbles stattfindet, unabhängig ist und dialogbereit bleibt, hat es zunehmend schwer.

Unterstützt unsere Arbeit!

Vielen Dank!
Euer L-MAG-Team

 

 


L-MAG.de finde ich gut!
x