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13 lesbische Filme und Serien bei Prime Video

Der Streamingdienst Amazon Prime Video bietet in seiner Flatrate unter anderem die alten „The L Word“-Staffeln, die Eigenproduktionen „A League of their Own“, „One Mississippi“ und „High School“ und einige Spielfilm-Juwelen.

Prime Video/Anne-Marie Fox Lesben im Baseball: In „A League of Their Own“ wie auch im echten Leben eher die Regel als die Ausnahme

Von Karin Schupp

29.3.2026 - Amazon Prime Video hat in Deutschland einen Flatrate-Katalog mit tausenden von Titeln (auch wenn man bei der Suche leider häufig im Kauf-/Leihbereich landet). Da ist auch einiges fürs lesbische und queere Publikum dabei!

Anm.: Einige Trailer gibt's nur in der Originalsprache. Die Serien/Filme sind aber alle entweder deutsch synchronisiert oder zumindest deutsch untertitelt.

 

1. A League of Their Own (USA, 2022), Serie, 1 Staffel: 8 Folgen

Queere Frauen im Baseball: USA, 1943: Carson (Abbi Jacobson) wird Baseball-Profi bei den „Rockford Peaches“ und lernt dabei nicht nur eine Welt jenseits von Kleinstadt und Ehe kennen, sondern verliebt sich auch in die selbstbewusste Greta (D’Arcy Carden). Die Serie über die erste Frauen-Baseball-Liga der USA präsentiert etliche lesbische/bisexuelle Charaktere, darunter auch die Pitcherin Max (Chanté Adams), die als Schwarze von der Liga ausgeschlossen ist. Rosie O'Donnell, die im gleichnamigen Kinohit (dt. Titel: Eine Klasse für sich, 1992) mitspielte, hat einen Gastauftritt - ansonsten gibt's so gut wie keine Überschneidungen. Leider blieb's bei einer Staffel, aber die lohnt sich!

Bonuswissen: „Je mehr wir recherchierten, desto mehr fanden wir heraus, dass das eine wirklich queere Liga war“, sagte Jacobson, die auch Ko-Showrunnerin war. „Von uns 650 waren mit Sicherheit 400 lesbisch“, bestätigte auch die damalige Baseball-Spielerin Maybelle Blair (95) bei der Premiere in New York – und outete sich gleich selbst.

2. One Mississippi (USA, 2015-2017), Serie, 2 Staffeln: 12 Folgen

Dramedy: Die lesbische Radiomoderatorin Tig (Tig Notaro) kehrt nach dem Tod ihrer Mutter in ihre Südstaaten-Heimat zurück und muss sich dort mit ihrem ultrasteifen Stiefvater und ihrem Bruder, der das Elternhaus nie verlassen hat, zusammenraufen (unsere Serienkritik). Die mit lakonischem Humor erzählte Serie basiert lose auf dem Leben der Hauptdarstellerin. Notaros echte Ehefrau Stephanie Allynne (The L Word: Generation Q) spielt ihre Kollegin und späteren Love Interest Kate.

Bonuswissen: Comedian Tig Notaro wurde 2012 mit ihrem Stand-Up-Programm berühmt, in dem sie ihre frisch diagnostizierte Brustkrebserkrankung und den kürzlichen Tod ihrer Mutter thematisierte. Mit Allynne ist sie seit 2015 verheiratet, das Paar ist Eltern von Zwillingen (9).

3. Hedda (USA, 2025), Spielfilm, 107 min.

„Hedda Gabler“ in queer: In Ibsens Drama von 1891 beginnt eine unglückliche und gelangweilte Ehefrau, das Leben ihres früheren Geliebten gefährlich zu manipulieren. Die neue Version mit der bisexuellen Schauspielerin Tessa Thompson in der Titelrolle ist in den 1950ern angesiedelt und macht aus dem Ex-Lover eine Frau: Eileen (Nina Hoss, Tár). Die Schriftstellerin kommt mit ihrer Neuen (Imogen Poots) zur Premieren-Party ihres neuen Buches, die Hedda veranstaltet – nur um ihr Netz aus Intrigen und psychologischer Zerstörung auszulegen (L-MAG-Filmkritik).

Bonuswissen: Für die Regisseurin Nia DaCosta war Thompson (mit der 2018 bereits Little Woods drehte) die Wunschkandidatin. „Es bringt so vieles mit sich, in jener Zeit eine schwarze Frau zu sein – wie das ihr Unbehagen in dieser Welt noch verstärken würde“, sagte sie der Webseite Digital Spy.

4. The L Word (USA, 2004-2009), 6 Staffeln: 70 Folgen

Die Mutter aller Lesbenserien: Die Soap um einen (überwiegend) queeren Freundinnenkreis in L.A. gehört zur lesbischen Grundausbildung und fast jede wird eine Meinung dazu haben, ob sie nun Shane (Kate Moennig) für sexy, Jenny (Mia Kirshner) für nervig und Bette (Jennifer Beals) und Tina (Laurel Holloman) für das Traumpaar schlechthin hält. Aus heutiger Perspektive schüttelt man über so manche Storylines den Kopf - Max‘ (Daniel Sea) Transition etwa würde man heute nicht mehr so erzählen -, aber die Chemie im Cast und die Sexszenen lassen gnädig stimmen. Aktuell nur in der Amazon-Flatrate zu finden.

Bonuswissen: Leisha Hailey bewarb sich zunächst als Shane, Guinevere Turner (Gabby und Autorin der Serie) als Bette und Tina und Jodie Fosters heutige Ehefrau Alex Hedison als Marina (in Staffel 3 spielte sie dann Dylan). Und: Insgesamt zeigte die Serie über 100 Sexszenen.

Showtime Über 20 Jahre ist's her: Der „The L Word“-Cast von Staffel 2

5. Love Lies Bleeding (USA, 2025), Spielfilm, 104 min.

Romantic Thriller: Lou (Kristen Stewart), Managerin einer Kleinstadt-Muckibude, verliebt sich in die ehrgeizige Bodybuilderin Jackie (Katy O’Brian), die den Steroiden zur Muskelbildung nicht abgeneigt. Doch bald wird das Paar tief ins Netz der brutalen Machenschaften von Lous Vater (Ed Harris), einem Waffenschmuggler, hineingezogen. Der in den 1980ern spielende Film mit zwei queeren Hauptdarstellerinnen ist sexy, aber - Achtung! - auch sehr blutig und am Ende ziemlich schräg (L-MAG-Filmkritik).

Bonuswissen: Katy O’Brian, die hier ihre erste Hauptrolle spielt, hat auch im echten Leben an Bodybuilding-Wettkämpfen teilgenommen. Warum sie die Lust daran verloren hat und wie die Sexszenen mit Kristen Stewart waren, verriet sie uns im L-MAG-Interview.

Plaion Pictures Kristen Stewart und Katy O'Brian in „Love Lies Bleeding“

6. High School (CAN, 2022), 1 Staffel, 8 Folgen

Smells Like Lesbian Teen Spirit: Clea DuVall (Happiest Season) erzählt von der Jugend des lesbischen Indiepopduos Tegan and Sara, basierend auf deren Autobiografie. In den Hauptrollen: die Zwillinge Railey und Seazynn Gilliland, How I Met Your Mother-Star Cobie Smulders spielt ihre Mutter. Eine authentische Zeitreise in die 90er-Jahre mit einer queeren Coming-of-Age-Geschichte, die auch dann überzeugt, wenn man die beiden Musikerinnen nicht kennt. Lest hier unsere Serienkritik.

Bonuswissen: Tegan und Sara entdeckten die Hauptdarstellerinnen nach langer Suche zufällig auf TikTok. Die beiden sind ebenfalls lesbisch und Musikerinnen, Schauspielerfahrung hatten sie zuvor aber nicht.

7. Deadloch (AUS, seit 2023), Serie, 2 Staffeln, 14 Folgen

Worum geht’s? In der ersten Staffel der australischen Krimikomödie muss sich die besonnene Dorfpolizistin Dulcie Collins (Kate Box) mit der unflätigen Kommissarin Eddie Redcliffe (Madeleine Sami) zusammenraufen und zugleich ihre recht fordernde Frau Cath (Alicia Gardiner) bei Laune halten. In Staffel 2 verlässt das ungleiche Ermittlerduo - mit Cath im Schlepptau - Dulcies Heimatkaff und bekommt es mit einer Leiche in einem toten Krokodil zu tun. Dem komplett lesbenfreien Trailer lässt es sich nicht entnehmen, aber trotz des Provinz-Settings tauchen überraschend viele lesbische und queere Charaktere auf!

Bonuswissen: Abgesehen von Gardiner sind alle Hauptdarstellerinnen, auch Nina Ogyama (Constable Matsuda) queer und die Serienschöpferinnen Kate McCartney und Kate McLennan sind ein lesbisch-heterosexuelles Duo.

8. Zwei Mütter (D, 2013), Spielfilm, 79 min.

Der lange Weg zur Regenbogenfamilie: Katja (Sabine Wolf) und Isabella (Karina Plachetka) wünschen sich ein Kind, stoßen aber schnell an Grenzen, da die meisten Samenbanken keine Frauenpaare behandeln. Weil Inseminationsbehandlungen zudem sehr teuer sind, beginnen sie schließlich, auf privatem Wege einen Spender zu suchen. Doch während Isabella ganz in der Idee der Familiengründung aufgeht, fühlt sich Katja immer stärker an den Rand gedrängt.

Bonuswissen: Der Film der (heterosexuellen) Regisseurin Anne Zohra Berrached ist ein Mix aus Fiktion und Dokumentation: Bis auf die beiden Hauptdarstellerinnen spielen alle Charaktere – darunter auch die aufgesuchten Ärzte - sich selbst.

Salzgeber Katja (Sabine Wolf) und Isabella (Karina Plachetka) in „Zwei Mütter“

9. Tampa Baes (USA, 2021), Serie, 1 Staffel: 8 Folgen

Echte Lesben aus Florida: Im Mittelpunkt der Dokuserie stehen zwölf junge lesbische Frauen aus Tampa/Florida, wo sich „alle kennen, jede schon mit jeder zusammen war und alle übereinander Bescheid wissen“, wie eine von ihnen sagt. Es geht um Partys, Alkohol, Flirts, Beziehungsalltag, Lästereien, endlose Streits um Nichtigkeiten und eine ausgewalzte Rivalität zwischen zwei Paaren, Brianna & Haley und Summer & Marissa. Hoher Trashfaktor!

Bonuswissen: Dass der Cast überwiegend feminin, schlank und weiß bzw. hellhäutig ist, war in den USA der größte Kritikpunkt. Die Produzentin Melissa Bidwell erklärte das damit, dass die Frauen nicht zusammengecastet wurden, sondern sich schon vor den Dreharbeiten kannten - Brianna und Haley hätten die Idee an sie herangetragen.

10. My Days of Mercy (USA, 2107), Spielfilm, 108 min.

Romea und Julia: Lucy (Elliot Page), deren Vater zum Tode verurteilt wurde, reist mit ihren Geschwistern im Wohnmobil durchs Land, um vor Gefängnistoren gegen die Todesstrafe zu demonstrieren. Dabei verliebt sie sich ausgerechnet in die Pro-Todesstrafe-Aktivistin Mercy (Kate Mara) - eine Liebe, die ideologische Entfernungen überwinden muss und eine berührende Lovestory mit Tiefgang und ohne Kitsch. 

Bonuswissen: Page (der sich Ende 2020 als trans outete) und Mara, privat gut befreundet, produzierten den Film gemeinsam und holten sich die Regisseurin Tali Shalom Ezer (die die Sexszenen zusammen mit ihrer Frau choreografierte) ins Boot.

11. Marinette – Kämpferin, Fußballerin, Legende (F, 2023), Spielfilm, 93 min.

Das erste Biopic über einen weiblichen Fußballstar: Marinette Pichon stürmte bis 2006 fürs französische Nationalteam und führte bis 2020 die Torjäger-Liste der Frauen und Männer ihres Landes an. Virginie Verriers Film schildert, wie sich Marinette (Garance Marillier) aus schwierigen sozialen Verhältnissen hochkämpft, in den USA ihren Traum vom Fußballprofi wahr macht und zur Kritikerin der unprofessionellen Strukturen im Frauenfußball wird. Auch ihre lesbische Geschichte inklusive öffentlichem Coming-out am Ende kommen nicht zu kurz. Lest hier unsere Filmkritik.

Bonuswissen: Anders als im Film outete sich Pichon erst drei Jahre nach ihrem Karriere-Ende. 2013 heiratete sie ihre Lebensgefährtin, die Rollstuhl-Basketballerin Ingrid Moatti, mit der sie einen Sohn (13) hat.

12. Dead Ringers (2023), Miniserie, 6 Folgen

Psychodrama mit symbiotischen Zwillingen: Ehrenlesbe Rachel Weisz (Ungehorsam, The Favourite) in einer Doppelrolle: die Gynäkologinnen Beverly und Eliot teilen alles im Leben und wollen mit dem Geld eines lesbischen Milliardärinnen-Paars eine Geburtsklinik eröffnen. Beverly (ruhig, empathisch, lesbisch) will dort Gutes tun, Eliot (laut und unersättlich, was Essen, Drogen und Sex mit allen Geschlechtern angeht) ihre Frankenstein-ähnliche Forschung betreiben. Ihre enge Beziehung gerät in eine gefährliche Schieflage, als Beverly sich in Genevieve (Britne Oldford) verliebt und Eliot merkt, dass sie für sie nicht mehr an erster Stelle steht…

Bonuswissen: Neuverfilmung von David Cronenbergs Kultfilm (1988), in der Jeremy Irons die Doppelrolle spielte. Ihre Namen lauteten damals ebenfalls Beverly und Elliot.

13. Das Floß! (D, 2015), Spielfilm, 87 min.

Beziehungsdramedy: Katha (Julia Becker) und Jana (Anna König), seit sieben Jahr ein Paar, wollen in ein paar Tagen heiraten, auch die Kinderplanung ist schon im Gange. Aber vorher hat Charly (Till Butterbach) noch einen Junggesellinnenabschied für seine beste Freundin Katha organisiert: ein Wochenende auf einem Floß - außer ihr nur Jungs, darunter zu ihrem Schrecken auch der designierte Samenspender Momo (Jakob Renger). Und als wäre all das noch nicht unangenehm genug, fühlt sich Katha plötzlich irgendwie zu Ken (Rhon Diels) hingezogen… Kaum besser läuft’s bei Jana: sie feiert zu Hause mit ihren Freundinnen, als überraschend ihre anstrengende Ex vor der Tür steht.

Bonuswissen: Regisseurin Julia C. Kaiser drehte ihr per Crowdfunding finanziertes Spielfilm-Debüt als „Scripted Impro“, das heißt: die Handlung war vorgegeben, aber die Dialoge wurden improvisiert.

 

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